Trompeter Martial In-Albon ist Kopf und Namensgeber der Band Martial Art. (Bild: Marco Faoro)
Kultur Musik Rezension

Trompeter Martial In-Albon ist Kopf und Namensgeber der Band Martial Art. (Bild: Marco Faoro)

Stürmische Improvisationen – und Trompetenfett statt Champagner

5min Lesezeit

Am Donnerstagabend feierte Martial Art, die Band um den Zuger Trompeter Martial In-Albon, die Geburt ihrer ersten Platte «Saga». Ein stimmiger Abend in der Chicago Bar in Zug mit virtuosen Instrumenteneinlagen, lauten und ganz leisen Momenten.

Marco Faoro

Bei der Bezeichnung «Martial Art» kommt einem als Erstes die Kampfsportart «Mixed Martial Arts», kurz: MMA, in den Sinn. Weit entfernt davon sind die fünf Musiker allerdings nicht. Ihre Musik zeichnet sich ebenfalls durch kraftvolle, stürmische, aber ebenso durch ruhige Momente aus.

Der Name der Band kommt allerdings nicht direkt von der Kampfsportart, sondern vom Kopf der Band, dem Zuger Trompeter Martial In-Albon. Man merkt ihm die Aufregung kaum an, als er am Donnerstag kurz nach 21 Uhr die Bühne der Chicago Bar betritt und das familiäre Publikum begrüsst.

Mit ihm auf der Bühne stehen Philipp Saner an der Gitarre, Bidu Rüegsegger am Bass, Nici Struchen am Schlagzeug und Eliyah Reichen an den Keyboards. Letzterer hat mehrere grosse und kleine Tasteninstrumente vor sich, denen er noch so manchen schwelgenden Ton entlocken wird an diesem Abend.

Der Mix geht voll auf

In-Albon hat sich fest vorgenommen, an diesem speziellen Konzert mehr zu reden als sonst, und er tut das tatsächlich mit einer grossen Gelassenheit. Der hochgewachsene Trompeter erzählt über die Entstehung dieser Band, wie er im Studium mit dem Projekt begann und so auch einige der jungen Herren, die an diesem Abend auf der Bühne stehen, kennenlernte. Und er erklärt das Konzept der Band, die einen Mix aus Kompositionen und freiem Spielen auf die Bühne bringt.

Die fünfköpfige Band Martial Art bei ihrer Plattentaufe in der Chicago-Bar.
Die fünfköpfige Band Martial Art bei ihrer Plattentaufe in der Chicago Bar. (Bild: Marco Faoro)

Dieser Mix geht voll auf: Die mit vielen Effektgeräten unterstützten Saiteninstrumente und die verschiedenen Tasteninstrumente verschmelzen mit der darüber schwebenden Trompete und dem rhythmisch versierten Schlagzeug von Beginn an zu einer eindrucksvollen Klangwand. Jeder einzelne Ton wird ausgekostet, zelebriert und genossen, was man besonders dem Bassisten immer wieder ansieht.

Mit Trompetenfett getauft

Überhaupt sprudelt die ganze Band vor Spielfreude, sie leben das, was sie spielen. Bald bricht aus den sphärischen Klängen die Gitarre aus und zusammen mit dem Schlagzeug braut sich ein wahrer Sturm zusammen. Eine echte Freude für den Zuhörer.

Immer wieder staunt man über einzelne Töne, wechselt den Blick von Instrument zu Instrument und weiss nie, was als Nächstes kommt. Imposant sind insbesondere die rasanten Wechsel zwischen ruhigen Klanglandschaften und exzessivem Improvisationschaos.

Bassist Bidu Rüegsegger und Keyboarder Eliyah Reichen auf der Bühne der Chicago Bar.
Bassist Bidu Rüegsegger und Keyboarder Eliyah Reichen auf der Bühne der Chicago Bar. (Bild: Marco Faoro)

Und schliesslich steht im ersten von zwei Sets natürlich auch die eigentliche Plattentaufe an. «Dazu braucht es neben Alkohol für einen Trompeter natürlich Trompetenfett», meint In-Albon und verstreicht das Öl auf einem Exemplar der neuen CD «Saga», bevor er es in die Publikumsränge wirft.

Alles aus dem Instrument herausholen

Zwischendurch sind die Improvisationen für das nicht jazzerprobte Gehör ein wenig gewöhnungsbedürftig, die Anspannung wird weit ausgekostet, aber schliesslich doch immer wieder aufgelöst. Was besonders positiv auffällt, ist die Sorgfalt des Schlagzeugers: Mit verschiedenen Schlagstöcken, die er mehrmals innerhalb eines Stücks wechselt, und verschiedenen Zusätzen auf den Becken holt er alles aus seinem Instrument heraus.

 

Manchmal treibend, manchmal zurückhaltend, bereitet Nici Struchen der restlichen Band stets den Teppich, um sich darauf auszutoben. Mit groovigen Rhythmen vermag er immer wieder zu überraschen. Die Band groovt als Kollektiv, jeder Break sitzt und jeder Musiker weiss, was zu tun ist, selbst in den Improvisationspassagen.

Nach einem rund 20-minütigen Stück voller Auf und Abs geht auch das gelungene zweite Set des Abends zu Ende. Martial Art überzeugt an diesem Abend auf allen Ebenen. Besonders hervorzuheben sind dabei das eindrückliche Zusammenspiel sowie die stetige Detailtreue, aus jedem Ton das Beste herauszuholen. Mit dieser Taufe machen die fünf Herren beste Werbung für das neue Album.

Das Album «Saga» von Martial Art erscheint an diesem Freitag, 13. April.

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