Gut im Austeilen: Peach Weber in seinem schmucken Hawaiihemd. (Bild: Milena Koller)
Kultur Rezension

Gut im Austeilen: Peach Weber in seinem schmucken Hawaiihemd. (Bild: Milena Koller)

Peach Weber im Kampf gegen Apple, Muslime und Irina Beller

4min Lesezeit

Der Verein Kulturwerk Ebikon feierte mit Peach Weber seine grosse Premiere. Das Comedy-Urgestein begeisterte im restlos ausverkauften Pfarreiheim mit seinem neuen Programm «iPeach». Dabei veräppelt er sich selbst schonungslos und nimmt die heutige Gesellschaft ebenso gnadenlos auf die Schippe.

Milena Koller

Die Nervosität der Veranstalter war vor Veranstaltungsbeginn deutlich spürbar. Die Überzeugung vom Gelingen des Abends schien noch nicht bei allen vorhanden zu sein. Das Publikum teilte diese Einschätzung aber offensichtlich nicht. Gut gelaunt trudelte ein gemischtes Völkchen, bestehend aus Jung und Alt, in dem Pfarreisaal ein.

Zum Vorstellungsbeginn sind alle der hölzernen Stühle auf dem glänzenden Parkettboden besetzt. Auf der Bühne ist eine Leinwand zu sehen, flankiert von drei Plakatständern, die abwechselnd Werbung für den Kulturverein selbst oder Peach Weber machen. Auf der Leinwand flackern Programmankündigungen des Kulturvereins und Sponsorenlogos wechselweise auf.

Eher unübliche Bühnendekoration im Pfarreiheim Ebikon.
Eher unübliche Bühnendekoration im Pfarreiheim Ebikon. (Bild: Milena Koller)

Die damit zum Ausdruck gebrachte Wertschätzung des Verantwortlichen gegenüber den Sponsoren zeigt sich zusätzlich an den drei grossen wandhohen Plakaten mit Sponsorenlogos, die an einer Seitenwand für alle gut sichtbar in gleichmässigen Abständen angebracht worden sind.

Ansprache von Gemeindepräsident Daniel Gasser

Sichtlich Mühe haben sich die Veranstalter auch mit den Ehrengästen gegeben. Der Gemeindepräsident Daniel Gasser bringt als solcher die Bedeutung des Anlasses für die Gemeinde noch einmal auf den Punkt und hebt die allgemeine identitätsstiftende Bedeutung von Kulturgut in einer kleinen Ansprache hervor. Nach ihm wurde die «rüüdigi Lozärneri 2017» Erika Burkard als weiterer Ehrengast mit Applaus begrüsst und verabschiedet, womit die Bühne frei wurde für Peach Weber, den lang erwarteten Star des Abends.

Apple wie in veräppeln

Seitenhiebe auf Irina Beller und ihre wurmige IQ-Konkurrenz, Selbstironie und auch freundliche Neckereien gegenüber der Gastgebergemeinde prägen den Auftakt des Abends. Die Lacher sind dem Komödianten gewiss, und er darf sich wohl mit gutem Gewissen als Sympathieträger des Abends verstehen. Der Titel des Programms – «iPeach» – lässt vermuten, dass die zunehmende Digitalisierung oder Technisierung von Alltag und Gesellschaft Themen sind.

Ganz zieht sich das zwar nicht durch das Programm, es taucht aber immer wieder auf. So wird die Unfähigkeit des mit Navi oder allgemein GPS ausgestatteten Menschen zu eigenständigem Denken kritisch und witzig beleuchtet. Und auch technologische Gleichnisse fehlen nicht, welche die ideale Beziehung aus der Sicht des Mannes in appleaffine Worte fassen.

Veganer kriegen ihr Fett weg

Auch der eine oder andere gewagte Seitenhieb auf Muslime und die derzeit in den Medien allzeit präsenten Dschihadisten fehlt nicht. Aber auch Vegetarier und die trendigen Veganer kriegen ihr Fett weg (auf Gemüsebasis, versteht sich). Das abendfüllende Programm von Peach Weber lässt allerdings Raum für eine Vielzahl von weiteren Themen, die der Künstler gekonnt aufgreift. Dazu gehören der überhandnehmende Schönheitswahn, die womöglich ebenso wahnhafte Adrenalinsucht der Extremsportler und das in so ziemlich jedem Leben auftretende unpopuläre Thema des Alterns.

Einen Grossteil der Spottparade aber macht die Darstellung des Kampfs der Geschlechter aus. All das kommt in der Form der gesprochenen Comedy, das heisst als Witz, Lied oder Gedicht, daher. So, wie man es von Peach Weber nun mal seit Langem kennt. Das lange Programm war, abgesehen von einem kurzen Durchhänger nach der Pause, witzig und aktuell gestaltet. Vom Publikum wurde der Künstler nach einer Zugabe denn auch mit einem verdienten kräftigen Applaus belohnt.

Weiteres Kulturgut

Weitere Künstler, die vom Verein Kulturwerk Ebikon eingeladen worden sind, um die Ebiker Gemeinde und alle anderen Interessierten am immateriellen schweizerischen Kulturgut teilhaben zu lassen, sind «Kliby & Caroline und Fredy Schär» am 31. Oktober und «Bo Katzmann & Ronja», die am 15. Dezember auftreten werden.

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Kultur