Das Luzerner Theater vom Rathaussteg aus gesehen. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)
Kultur Politik

Das Luzerner Theater vom Rathaussteg aus gesehen. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Theaterneubau verzögert sich auf unbestimmte Zeit

6min Lesezeit

Seit dem Absturz der Salle Modulable bekennen sich alle Akteure zu einem Theaterneubau. Obwohl Dringlichkeit herrscht, passiert erstaunlich wenig. Die Testplanung der Stadt läuft derzeit – was dann kommt, ist offen.

Es war ein «Chnorz», aber der Kanton Luzern konnte einige Sparmassnahmen in der Kulturförderung auf dieses Jahr wieder rückgängig machen (zentralplus berichtete). Zumindest für die Freie Szene und die kleinen Player sieht es besser aus, dafür richtet sich der Fokus wieder auf die Grossen, wo ab 2018 gespart wird.

Auf über 700'000 Franken müssen die im Zweckverband vereinten Kulturbetriebe ab diesem Jahr verzichten – das betrifft Luzerner Theater, Luzerner Sinfonieorchester, Lucerne Festival, Kunstmuseum Luzern und Verkehrshaus der Schweiz.

«Die Umsetzung der Neuen Theater Infrastruktur Luzern wird sich ohne zusätzliche Mittel in der Kulturförderung verzögern.»

Luzerner Regierung

Um das «schlechte Jahr für die Luzerner Kultur» ging's auch in einer Anfrage von SP und Grünen im Kantonsrat. Nun liegt die Antwort der Regierung vor, und man erfährt grösstenteils, was Reto Wyss bereits Mitte Januar verkündet hatte: Die meisten Förderbeiträge werden dieses Jahr dank privaten Spenden und Lotteriegeldern vergeben.

Verzögerung für neues Theater

Jedoch lässt eine Antwort stutzen. Auf die Frage, welche Folgen die Kürzungen für den Zweckverband haben, schreibt die Regierung knapp: «Die Umsetzung der Massnahmen Neue Theater Infrastruktur Luzern (NTI) und der Ausbau von Mitteln in der Filmförderung werden sich ohne zusätzliche Mittel in der Kulturförderung verzögern beziehungsweise nicht realisieren lassen.»

Verzögert sich also der dringende Theaterneubau erneut? Verträgt es das angesichts des maroden Zustands überhaupt? Und sind zusätzliche Mittel für die Kultur derzeit nicht sowieso ziemlich utopisch?

Stadt nutzt Vakuum

Bei der kantonalen Kulturförderung heisst es auf Anfrage, dass der Handlungsbedarf für ein neues Theater unbestritten sei. Man arbeite mit der Stadt derzeit an den «Grundlagen für eine Wiederaufnahme der Planung an einem neuen Theater» – was so viel heisst wie: Wenig passiert.

Das derzeitige Vakuum nutzt die Stadt als Eigentümerin der jetzigen Liegenschaft: Sie führt aktuell am Theaterplatz eine Testplanung mit drei Architekturteams für ein neues Theater durch (zentralplus berichtete). Bis im Herbst sollen Ergebnisse vorliegen, die Kosten von rund 300'000 Franken übernimmt die Stadt. Der Kanton ist mit der Denkmalpflegerin Cony Grünenfelder und dem Kantonsbaumeister Hans-Urs Baumann beteiligt.

Nichts Neues vom Kanton

Aber von Kantonsseite vernimmt man seit dem Absturz der Salle Modulable nichts zum zukünftigen Theater in Luzern: keine Deadline, keine Strategie, keine Kostenschätzung. Müsste die Theaterzukunft nicht zuoberst auf der Prioritätenliste liegen?

«Wir wollen vorwärts machen.»

Rosie Bitterli, Kulturchefin Stadt Luzern

Ein neues Theaterhaus sei nicht in der Schublade verschwunden, die Planung sei «weit oben auf der Prioritätenliste», teilt Regula Huber, Informationsbeauftragte beim Bildungs- und Kulturdepartement, mit. Gespräche zwischen Kanton und Stadt fänden regelmässig statt.

Auch die Stadt Luzern bestätigt, dass der Handlungsbedarf für ein neues Theater bei allen Beteiligten unbestritten sei. «Das ist dem Kanton ebenso bewusst wie der Stadt», sagt Rosie Bitterli, Kulturchefin bei der Stadt Luzern. «Wir wollen vorwärts machen – darum auch die Testplanung.»

Zwei Millionen Franken zu wenig

Trotzdem gibt es noch nicht einmal einen Zeitrahmen: Erst mit der «Entwicklung und Konsolidierung der kantonalen Finanzperspektiven» werde sich zeigen, wie der neue Zeitplan für ein konkretes Planungsprojekt aussehen könnte, so Huber. Mittelfristig, also bis 2021, ist der Aufgaben- und Finanzplan des Kantons ohnehin schon unter Dach und Fach.

Dazu kommt, dass man derzeit auch beim Zweckverband eine Denkpause eingelegt hat. Die laufende Evaluation des Zweckverbandes sei 2018 abgeschlossen, heisst es beim Kanton.

Die kantonalen Finanzen würden kurzfristig keine zusätzlichen Mittel in der Kulturförderung zulassen, bestätigt auch Huber. «Das Ziel bleibt aber, mittelfristig die Zahlen aus dem Planungsbericht zur Kulturförderung B103 aus dem Jahr 2014 zu erreichen.» Damals ging der Kanton bis 2020 von zusätzlichen Mitteln von rund zwei Millionen Franken pro Jahr aus.

Davon ist man weit entfernt: 2018 gibt der Kanton insgesamt 21,4 Millionen für Kultur aus, angepeilt waren im damaligen Bericht über 23 Millionen Franken. Kein Wunder, bleibt da ein Theaterneubau auf der Strecke, seit die Engelhorn-Millionen für die Salle Modulable fehlen. Je nach Grösse eines neuen Theaters geht man von Baukosten bis zu 80 Millionen Franken aus.

In den nächsten Jahren muss etwas passieren

Zum Zustand des alten Theaters an der Reuss schreibt Regula Huber: «Die räumlichen Gegebenheiten sind weder zeitgemäss noch technisch optimal, können derzeit aber noch genutzt werden. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass in den nächsten Jahren Handlungsbedarf besteht.»

Bei der Stadt bleibt man angesichts der offenen Fragen diplomatisch. Der Stadtrat wolle die Ergebnisse der Testplanung mit dem Parlament diskutieren, mit dem Kanton stehe man im «konstruktiven Dialog». Rosie Bitterli: «Von Verzögerung möchten wir darum nicht reden.»

Die Absichtserklärungen sind da, Hoffnungen auf einen erneuten Geldsegen auch. Aber wann und mit welchen Mitteln der Kanton den Neubau eines Theaterhauses vorantreiben will, bleibt sein Geheimnis. Vielleicht bringt der Planungsbericht der Stadt im Herbst neuen Schwung in das dringende Geschäft.

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