Der Sound von Vök erinnert an schroffe Felsküsten, Eis und Schneefelder. (Bild: Lina Friedrich)
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Der Sound von Vök erinnert an schroffe Felsküsten, Eis und Schneefelder. (Bild: Lina Friedrich)

Am isländischen Indie-Pop-Himmel strahlt ein neuer Stern

5min Lesezeit

Am Freitag machten Vök aus Island zum zweiten Mal im Südpol Luzern Halt. Die vierköpfige Dream-Pop-Band spielte Songs vom neuen Album «Circles», aber auch Publikumslieblinge aus früheren Zeiten. Der volle Saal lauschte in Trance den intensiven Melodien und Margrét Ráns ausdrucksstarker Stimme.

Lina Friedrich

Viel ist schon gesagt worden über Island, die kleine Insel, die so erstaunlich viele grossartige Künstler hervorbringt. Mit Vök ist eine neue Band auf diesem Weg. Naja, stimmt nicht ganz, denn so neu sind Vök nicht. Die Formation wurde im Januar 2013 von Sängerin Margrét Rán und Saxophonist Andri Már gegründet. Sie taten sich zusammen, um an einem jährlichen isländischen Bandcontest teilzunehmen, «Músíktilraunir». Das einzige Problem: Vök hatten keine Lieder.

Innerhalb weniger Wochen komponierte das Duo mehrere Tracks, führte sie beim Wettbewerb erstmals auf – und gewann. Im Sommer 2013 wurde mit Gitarrist Ólafur Alexander aus dem Zweier- ein Dreiergespann. Bald danach erschien ihre erst EP, «Tension», beim isländischen Indie-Label Record Records, und inzwischen ist ganz neu Gitarristin Gudrun dazugestossen, die nun mit auf Europatournee und damit ins Südpol gekommen ist.

Audur: Jung, noch ungeschliffen und voller Tatendrang

Um 22 Uhr hatte sich dort eine ansehnliche Menschenmenge angesammelt, unverkennbar ein Südpol-Publikum: Alles, was sich mit Haaren machen lässt, hat jemand gemacht, und es war beeindruckend. Eine Indie-Crew also, die den Stil des Acts des Abends vermuten liess: Vök spielen nach eigener Aussage eine Mischung aus Dream-Pop und Indie-Elektro, mischen treibende Elektrobeats mit melodischen Vocals, Saxophon, Gitarre und Schlagzeug.

Die Stimme von Margrét Rán reicht von gehauchten Flüstertönen bis zu zerfetzenden Schreien.
Die Stimme von Margrét Rán reicht von gehauchten Flüstertönen bis zu zerfetzenden Schreien. (Bild: Lina Friedrich)

Begleitet wurden sie vom jungen Isländer Audur, der sich stilistisch an Vök annähert, aber etwas mehr in Richtung Alt-Pop driftet. Trotz seinem unverkennbar vorhandenen Potenzial vermochten er und sein Begleiter am Keyboard die Menge nicht ganz für sich zu gewinnen; der Strom der Gespräche in den Reihen versiegte nicht.

Das mochte aber vor allem daran gelegen haben, dass die Bühne und insbesondere das internationale Parkett für Audur relativ neu sind. Es ist eine Herausforderung, ein so kritisches Liebhaberpublikum wie jenes in Luzern für neuen Indie-Pop zu begeistern. Vielleicht klappt's beim nächsten Mal, wenn die Beats ausgefeilter, die Instrumentals abgestimmter und die Lieder abgerundeter werden.

Transport in endlose Klangweiten

Vök dagegen wurde um 23 Uhr mit viel Applaus begrüsst und tauchte kopfvoran ins Set ein. Musikalisch haben Vök, was viele nordische Bands auszeichnet: Diesen weiten, offenen Sound, der an schroffe Felsküsten, Eis und Schneefelder erinnert. Die Lieder nehmen sich viel Zeit für sphärische Weltraumklänge, für Ausflüge in ausgedehnte Saxophon-Soli mit langen, bebenden Tönen – da die Songs immer wieder hart, treibend, kantig werden, trifft Dream-Pop Vöks Stil doch nicht ganz.

Die Lieder nehmen sich Zeit für die ganze Bandbreite von Margrét Rán, von gehauchten Flüstertönen bis zu zerfetzenden Schreien. Ihre Stimme klingt mal wie die von Ellie Goulding und mal wie jene von Sinead O’Connor, trägt aber doch ihr eigenes Markenzeichen. Der Marktwert dieser Stimme ist hoch; so haben etwa Grössen wie der Progressive-DJ Nelix sie verwendet, um Tracks auszuschmücken.

Experimentell und emotional

Nach dem Ende des Konzerts klatscht das Publikum die Band zurück auf die Bühne, was Rán mit einem sympathischen «You want another one? Thank God» quittierte. Die Zugabe rundete ein Konzert ab, das den Nerv der neuen Indie-Rock-Pop-Bewegung traf. Experimentell wurden Vök mit Keyboard, Rhythm Machine und dem Kratzen von Ólafur Alexanders Schlagzeugstöcken auf dem Hi-Hat (was etwas schmerzte); emotional, wenn Rán sich zum Beat auf die Brust klopfte, mit geschlossenen Augen auf der Musik schwebte oder Andri Már sich bis zur Entrückung darin verlor.

Das Publikum schwebte grösstenteils mit. Ob hie und da ein Lied doch etwas zu eintönig oder ein Instrumental-Solo doch etwas zu lang war, ist wohl Geschmackssache und liegt in der Natur der Sache. Vök sind mit ihrem Plattenvertrag, Gudrun und dem neuen Album so oder so dabei, die Welt von einer kleinen Insel aus zu erobern.

Der Saal voll, das Publikum in Trance.
Der Saal voll, das Publikum in Trance. (Bild: Lina Friedrich)

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