Rebekka Bünter zeigt ihren Vorstellungsraum. (Bild: pze)
Kultur Theater

Rebekka Bünter zeigt ihren Vorstellungsraum. (Bild: pze)

Die «Salle Modulable» steht in Neuenkirch

11min Lesezeit

In einer Sackgasse in Neuenkirch versteckt steht die «Theaterbar Bunterbünter». Mit viel Herzblut und helfenden Händen hat Rebekka Bünter hier ihr eigenes Kulturhaus erschaffen. Ihr Theater steckt voller Geschichten – inklusive die ihrer eigenen Liebe.

Pascal Zeder

Das Licht ist gedimmt, die warmen Farben der Scheinwerfer erfüllen den Raum. Die Sitzreihen geordnet, aber zusammengewürfelt aus einer kunterbunten Mischung von Stühlen und Bänken. In der Ecke gibt es eine kleine Bar. Ein einsamer Hocker thront in der Mitte der zwei auf vier Meter grossen Bühne. Der Saal der «Theaterbar Bunterbünter» ist zurechtgemacht für das Publikum, das sich an geselligen Abenden hier tummelt.

«Man muss unser Lokal kennen, damit man herkommt», sagt die Betreiberin Rebekka Bünter über ihr Kleinod auf dem Land. Tatsächlich: Die «Theaterbar Bunterbünter» liegt in einer Sackgasse oberhalb der Hauptstrasse in Neuenkirch. Wenn man den Saal betrete, fühle man sich sogleich willkommen, sagt die Theaterschaffende.

Die erste Bühne in einer alten Käserei 

Der anmächelige Spielort hat bereits eine zehnjährige Geschichte. Aufgewachsen in Neuenkirch, mietete Rebekka Bünter mit ihrer Schwester Rachel ein rund 300 Jahre altes «Bauernstöckli» nahe des Dorfzentrums. Im Erdgeschoss war einst eine Käserei, später das Atelier einer Künstlerin. «Eines Tages entdeckten wir eine kleine Bühne in der Ecke. Sie war völlig mit altem Kram zugestellt», erzählt die 37-Jährige. Da habe man sich entschieden: «Einen solch tollen Raum müssen wir für Kultur nutzen.»

Die «Theaterbar Bunterbünter» in Neuenkirch.
Die «Theaterbar Bunterbünter» in Neuenkirch. (Bild: pze)

Sie räumten auf und richteten ihre erste Bühne ein. Rebekka, Abgängerin der Dimitri-Schule, und Rachel, eine «Quereinsteigerin», wie sie ihre Schwester nennt. «Wir organisierten immer am letzten Samstag im Monat eine offene Bühne. Jeder konnte vorbeikommen und spielen, musizieren, auftreten», erinnert sich Bünter. Langsam wuchs das Angebot – und der Aufwand.

Seit diesem Sommer alleine

2011 zogen die Schwestern um an den heutigen Standort, in eine ehemalige Schreinerei. Sieht man genau hin, erkennt man noch Klappen und Rückstände von Wandschränken der ehemaligen Werkstatt. In drei Monaten wurde aus dem alten Raum der jetzige Theatersaal – mit gütiger Unterstützung von vielen helfenden Händen. 

 «Mein Theater ist irgendetwas zwischen rundum bekannt und absoluter Geheimtipp.»

Rebekka Bünter, Theatermacherin

Seit letztem Sommer sind die Schwestern Rachel und Rebekka künstlerisch eigene Wege gegangen. Letztere blieb in Neuenkirch und führt seither die «Theaterbar Bunterbünter» alleine. Künftig will sie sich Unterstützung holen: «Ich suche jemanden, der mir beim Administrativen hilft. Dann kann ich mich wieder mehr auf das Künstlerische konzentrieren.»

Treues Publikum über die Kantonsgrenzen hinaus

Das Verhältnis aus Eigenproduktionen und Fremdveranstaltungen sei etwa 50-50, so Bünter. Sie bucht zuweilen gar internationale Acts wie die finnische Band «Värttinä» oder die Holländer «Amsterdam Klezmer Band». Dabei sei es nicht selbstverständlich, dass die Musiker in die Sempachersee-Region kommen. «Dass eine Band wie Värttinä erst in Neuenkirch und eine Woche darauf in der Queen Elizabeth Hall in London auftritt, ist schon speziell», sagt Bünter.

Der Saal der «Theaterbar Bunterbünter».
Der Saal der «Theaterbar Bunterbünter». (Bild: pze)

Auch Schweizer Künstler gehören zum Programm. Die Zürcher Kabarettistinnen «Knuth und Tucek» etwa sind inzwischen Stammgäste. «Da hat sich eine Freundschaft entwickelt», sagt Bünter. Da kämen regelmässig gar Gäste aus Zürich, «obwohl das Duo auch dort ständig auftritt». Man wolle sie eben hier sehen, in ihrem kleinen, bunten Saal. 

«Theater mit philosophischem Schalk»

Dass sie auf dem Land Kultur macht, beeinflusse sie in ihrem Schaffen nicht. «Ich würde in der Stadt dasselbe machen wie hier», sagt die 37-Jährige. Nur Laufkundschaft hätte sie in Luzern wohl mehr. Nur rund zehn bis zwanzig Prozent der Besucher stammt aus Neuenkirch. Der Rest reise extra an. «Mein Theater ist irgendetwas zwischen rundum bekannt und absoluter Geheimtipp», sagt die Künstlerin und lacht.

Der Theatersaal ist hergerichtet.
Der Theatersaal ist hergerichtet. (Bild: pze)

Bünter interessiert sich in ihren Eigenproduktionen für das Innere der Menschen. Sie nimmt das Publikum in ihrem neusten Stück «Ei(ge)ngemachtes» auf eine Reise durch das Innenleben der Hauptfigur mit. Mit viel Wortwitz will Bünter ihre Gäste «im Innersten berühren».

«Die Leute werden bei meinen Stücken auf sich zurückgeworfen. Das Publikum beschäftigt sich automatisch mit sich selber – auf eine leichte und humorvolle Art.» Sie nennt ihre Eigenkreationen liebevoll «Theater mit philosophischem Schalk». 

Platz für 90 Kinder

Auch die Genres sind vielseitig. Theater, Kabarett, Musik – und auch Kindertheater. Um das alles umzusetzen, ist der Raum sehr variabel konstruiert. Wo die Bühne steht, kann eine Sitztribüne eingerichtet werden. Das ist nötig, wenn Stücke grössere Requisiten brauchen – was oft bei Kindertheatern der Fall ist. Stelle man den Raum um, gebe es Platz für bis zu 90 Kinder. «Wir haben eine Salle Modulable», sagt Bünter und lacht.

Die «Düblerei»: Hier werden die getrunkenen «Zentimeter» auf den jeweiligen Namen hinterlegt.
Die «Düblerei»: Hier werden die getrunkenen «Zentimeter» auf den jeweiligen Namen hinterlegt. (Bild: pze)

Zudem hat das Theater mit Bar ein einzigartiges Bezahlsystem. Die Preise sind in «Zentimetern» statt in Franken angeschrieben. Die Idee dahinter: Beim Eintreten ins Theater werden die Gäste von Rebekkas Mutter Elisabeth Bünter begrüsst und erhalten ein Ticket, mit Namen und Eintrittspreis versehen. Dieses wird hinter der Bar an die «Düblerei» gehängt. Bei der Bestellung eines Getränks werden dem Preis entsprechend verschieden lange Holzdübel beim Namen hinterlegt.

Serie: Kultur abseits der Stadt

In einer Serie stellt zentralplus Luzerner Kulturräume vor, die von Städtern oft links liegengelassen werden. Zu Unrecht, denn die Kultur auf dem Land ist lebendig, vielfältig und findet an charmanten Orten statt.
Die nächsten Veranstaltungen im «Bunterbünter»: Bis 16. März: Rebekka Bünter, «Ei(ge)ngemachtes». 22./23. März: Peter Spielbauer, «Dunkhell». 25. März: Kaffee und Kuchen mit Knuth und Tucek: «Nähkästchenplauderei»

Es ist als Hommage an die ursprüngliche Nutzung der alten Neuenkircher Schreinerei zu verstehen. Beim Verlassen des Theaters verrechnet das Barpersonal Eintrittspreis und getrunkene Zentimeter auf der Gästekarte. «Es ist ein tolles System, weil man das Portemonnaie nur einmal pro Abend hervorkramen muss», sagt Bünter.

Seit Kurzem bietet das «BunterBünter» auch Essen an. Ein Cateringwagen begleite beinahe jeden Theaterabend, sagt Rebekka Bünter.

Rund 40 freiwillige Helfer

Vorteile in ihrem ländlichen Umfeld sieht Rebekka Bünter dann doch. «Bei uns helfen rund 40 Leute ehrenamtlich mit.» Den Saal bestuhlen, hinter der Bar arbeiten, Plakate kleben – im Dorf finden sich helfende Hände. Jemand renovierte in «unzähligen Stunden» den fast zerfallenen Gartenschuppen – aus Goodwill. «Da ich hier aufgewachsen bin, kennt man mich», sagt sie. «Viele finden das Theater eine tolle Sache und wollen mithelfen.»

Der Gartenschuppen wurde gänzlich renoviert.
Der Gartenschuppen wurde gänzlich renoviert. (Bild: pze)

In der Gemeinde hilft man gerne, denn: «Ohne die Helferinnen gäbe es das Theater nicht mehr.» Das zeigt: Rebekka Bünters kulturelle Arbeit wird im Ort geschätzt. «Eine so grosse Unterstützung aus der Gesellschaft zu bekommen, ist in der Stadt wahrscheinlich schwieriger», sagt sie. Ein Helferfest und Gratiseintritte gibt’s für die Volontäre. Als Dankeschön sind die Namen der Helfer zudem mit weissem Marker auf einer Scheibe festgehalten, gleich neben der Bar und für alle sichtbar.

Die liebevollen Klänge der Theaterbar

Eine wortwörtliche Liebesgeschichte steckt hinter der Soundanlage in der «Theaterbar Bunterbünter». Der Saal wird mit sogenannten Naturschallwandlern bespielt. Die Boxen verteilen dank spezieller Bauweise den Klang gleichmässig im Raum. «Die Schallwellen werden auf alle Seiten hin abgegeben. So klingt es, als ob die Stimmen oder die Musik gar nicht verstärkt würden», sagt Bünter.

Der «Naturschallwandler» verteilt den Sound auf alle Seiten.
Der «Naturschallwandler» verteilt den Sound auf alle Seiten. (Bild: pze)

Auf diese Soundanlage ist die Theatermacherin stolz. Auch, weil kaum ein anderer Raum in der Umgebung eine solche Soundkulisse hat. «Wir bekommen viele Komplimente von Künstlern wie Publikum», sagt sie. Doch es hängt mehr daran als bloss guter Klang. «Dank diesen Boxen habe ich meine Partnerin kennengelernt», verrät sie. «Sie vertreibt die Naturschallwandler. So sind wir ins Gespräch gekommen – und bald darauf waren wir bereits ein Paar», sagt Bünter schmunzelnd.

Künftig keine Subventionen mehr

Finanziert wird das Theater durch die Produktionen und durch die Spenden von Gönnern. Für Rebekka Bünter ist das Haus ein Vollzeitjob und mehr. Subventionen vom Kanton gab es für die Infrastruktur: eine neue Bühne, neue Scheinwerfer, ein digitales Lichtpult. 

Doch die Infrastruktur-Beiträge des Kantons Luzern sind 2017 ausgelaufen. Künftig wird Rebekka Bünter auch in dem Bereich ohne Unterstützung auskommen müssen. Die Luzernerin ist aber dennoch voller Tatendrang und guten Mutes für die Zukunft. «Jede Veranstaltung ist aufs Neue spannend», sagt sie, «und hier können wir so viele verschiedene Events veranstalten. Das macht grossen Spass.» Rebekka Bünter und die alte Schreinerei in Neuenkirch – es ist eine Liebesgeschichte.

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