Frasi Müller 1997 in seiner legendären Bar 57. (Bild: Emanuel Ammon/Aura)
Kultur Gastronomie

Frasi Müller 1997 in seiner legendären Bar 57. (Bild: Emanuel Ammon/Aura)

Frasi Müllers Motto lautete: «Machen statt reden»

11min Lesezeit

Bar 57, 58 und 59: Mit François «Frasi» Müller verliert die Luzerner Kultur- und Barszene einen ihrer prägendsten Köpfe. Für zentralplus blicken Freunde und Weggefährten auf sein Leben und sein Schaffen zurück.

François Müller war lange Zeit einer der wichtigsten Köpfe der Luzerner Bar- und Kulturszene – alle nannten ihn «Frasi». Für sein Schaffen wurde der unermüdliche Macher 2007 vom Luzerner «Kulturmagazin» zum «Kulturkopf des Jahres» gewählt.

Am vergangenen Montag ist Frasi Müller im Beisein seiner engsten Freunde in seiner Wohnung in Luzern nach einer langen schweren Krankheit verstorben. Müller wurde 63 Jahre alt (zentralplus berichtete).

Alles begann im alten Tivoli

Seinen Einstieg in die Barszene fand Frasi Müller, der zuvor das Restaurant «Mamma Leone» am Mühlenplatz geführt hatte, im Jahr 1995. Im Keller des alten Hotel Tivoli eröffnete er seine erste von letztlich drei Bars in Luzern – die Bar 57.

Müller hatte den ungenutzten Raum im Keller des Hotels entdeckt, «als es darin noch aussah, als habe eine Bombe eingeschlagen», wie er damals sagte. Er machte ein gemütliches Lokal daraus, in dem die Nächte lang und heiss wurden. Weil es an der Haldenstrasse 57 lag, bekam es den entsprechenden Namen.

Eröffnung mit Symbolkraft

Die Bar 57 mauserte sich innert kürzester Zeit zu einem beliebten Hotspot. «Die Bar war legendär», erinnert sich Kulturjournalist Pirmin Bossart. Sie war ein Treffpunkt für die urbane Bevölkerung und konnte sich dadurch von den anderen Ausgehangeboten abheben.

«Das gemütliche Ambiente im typischen Frasi-Style und die Musik der DJs in den Ohren machten den Ort zu dem, was er war», sagt Bossart. In seiner Bar hatte Frasi Müller verschiedene Partyreihen etabliert, etwa das «Funky Fever». Zudem hatte die Bar auch unter der Woche oft länger offen als andere Lokale. Durch seine Kreativität war es ihm gegeben, in den Bars ein Ambiente zu schaffen, das zum Verweilen einlud.

«Frasi Müller war mit seinen Ideen ein Türöffner für weitere Entwicklungen in der Stadt.»

Pirmin Bossart, Journalist

Eine Bar mit DJs habe es in Luzern bis dahin nicht gegeben, erklärt sich Bossart den Erfolg von damals. Neben den kommerziellen Dancings und Clubs hatte Frasi Müller eine Lücke entdeckt und genutzt. Hinzu kamen die verschiedenen Konzerte. «Frasi Müller war mit seinen Ideen eine Art Türöffner für weitere Entwicklungen in der Stadt», sagt Pirmin Bossart.

Frasi-Style: Die Bar 59 an der Luzerner Industriestrasse.
Frasi-Style: Die Bar 59 an der Luzerner Industriestrasse. (Bild: Emanuel Ammon/Aura)

Die Bar 57 musste Frasi Müller allerdings 2003 aufgeben, da das Hotel abgerissen wurde. Doch damit wollte er sich nicht abfinden. Mit der kleinen Bar 58 an der Klosterstrasse ging Müller den eingeschlagenen Weg weiter. 2007 folgte die Bar 59 an der Industriestrasse. Beide Lokale im typischen Frasi-Style existieren mit neuen Besitzern weiter und sind aus der Luzerner Bar- und Gastroszene nicht mehr wegzudenken.

Die Ideen einfach umgesetzt

Dass Frasi Müller die Luzerner Bar- und Kulturszene prägen konnte, hatte viel damit zu tun, dass er seine Ideen stets umgesetzt habe, sagen Freunde und Weggefährten.

«Frasi Müller war ziemlich eigenwillig und auch nicht immer ganz jovial.»

Fredy Studer, Schlagzeuger

Einer von ihnen ist der Luzerner Schlagzeuger Fredy Studer. Mit Frasi Müller habe er einen seiner besten Kumpels verloren. «Frasi Müller war ziemlich eigenwillig und auch nicht immer ganz jovial», sagt er. Zudem eckte er auch immer wieder an. Ein Beispiel dafür seien die fritierten Froschschenkel, die er seinerzeit in der Bar 59 angeboten habe.

Nicht nur die Eröffnung der Bars und seine teils schrägen Ideen hätten Frasi Müllers Tatendrang und Kreativität bewiesen, sondern auch andere legendäre Projekte. Noch Jahre vor der Eröffnung der Bar 57 hatte Frasi Müller das Pilatus Festival lanciert. «Auf die Idee war vorher niemand gekommen», so Studer. Doch Frasi Müller hätte sich die Idee in den Kopf gesetzt und letztlich auch durchgezogen. Sämtlichen Hindernissen zum Trotz.

Frasi Müller war auch an der Fasnacht gern gesehen. Ganz links Fredy Studer.
Frasi Müller war auch an der Fasnacht gern gesehen. Ganz links Fredy Studer. (Bild: Heinz Pal)

Am 8. Juli 1989 fanden rund 1’200 Leute den Weg auf den Luzerner Hausberg, erinnert sich Fredy Studer. Er hatte mit seiner Band um den Gitarristen Christy Doran an jenem Abend selber auf dem Pilatus gespielt. «Trotz strömendem Regen ein wunderschönes Erlebnis, das mir wohl ewig in Erinnerung bleiben wird», sagt er.

Das Festival wurde anschliessend von anderen Veranstaltern, die den Braten gerochen hatten, übernommen. Von nun an spielten nicht mehr lokale, sondern bekannte Bands wie «Züri West» auf dem Pilatus. Die Veranstaltung verlor ihren ursprünglichen Charakter. «Doch Frasi hatte nie den Eindruck, er müsse sich mit aller Kraft an das Festival klammern. Das war nicht seine Art», sagt Fredy Studer.

Nicht aufs Geld geschaut

Dass Frasi Müller viel bewegen konnte, hatte auch damit zu tun, dass er nie zuerst aufs Geld und das Finanzielle geschaut habe. «In der Bar 57 hat Frasi Konzerte durchgeführt, obwohl damals jeder wusste, dass solche Veranstaltugen ein finanzielles Risiko darstellten.» Die 90er seien eine Zeit der DJs und der Konservenmusik gewesen, sagt Fredy Studer. 

«Er hatte immer Vertrauen, dass es läuft.»

Pirmin Bossart

Auch Pirmin Bossart sieht hier einen wichtigen Punkt für Frasi Müllers Erfolg. «Er hatte immer Vertrauen, dass es läuft und hat immer auch junge Leute in seine Barprojekte miteinbezogen, wodurch diese stark profitieren konnten», so Bossart.

Auch habe Müller immer wieder Musiker und DJs aus den USA und anderen Ländern für einen einzigen Abend nach Luzern geholt. Allfällige Defizite habe er immer aus dem eigenen Sack bezahlt. Die Erinnerungen an diese Abende seien wohl noch in vielen Köpfen, so Fredy Studer.

«Der Stolz hätte es Frasi wohl nicht zugelassen, jemanden um etwas Geld zu fragen», sagt Studer. Das Gleiche treffe auch auf die eröffneten Bars zu. Müller hatte immer alles selber finanziert.

Darüber ist man sich auch bei der Stadt Luzern im Klaren. «Jede seiner Bars ist ein kleines Kunstwerk für sich», sagt Rosie Bitterli, Chefin Kultur und Sport bei der Stadt Luzern. Er hat mit seinen Bars viel für die Kultur und die Musikszene getan, ohne je Fördergelder beantragt zu haben. «In seinen Lokalen hat Kultur stattgefunden», würdigt sie Frasi Müllers Schaffen.

Sammler und Handwerker

Dass Frasi Müllers Bars ihren typischen Stil hatten und sich auch dadurch grosser Popularität erfreuten, kommt nicht von ungefähr. «Frasi war ein leidenschaftlicher Sammler», sagt Pirmin Bossart. In seinem Lagerraum in der Industriestrasse fand man von alten Möbeln über Kerzenständer bis zu ganzen Balkongeländern ziemlich alles, erinnert er sich.

Viele dieser Gegenstände habe er immer wieder versucht, in seinen Bars zu verwenden. Auch dadurch ist wohl der zwar etwas eigenartige, aber durchaus geschmackvolle Brocki-Style entstanden, so Pirmin Bossart.

Frasi Müller sei eigentlich nicht unbedingt der Kulturschaffende, sondern vielmehr der Handwerker, sagt Fredy Studer. «Kultur? Dieses Wort brauche ich nie», sagte Frasi Müller einst. «Mein Motto lautete immer schon machen statt reden.»

Die liebevolle Einrichtung seiner Bars ist noch heute legendär – hier die Bar 59.
Die liebevolle Einrichtung seiner Bars ist noch heute legendär – hier die Bar 59. (Bild: Emanuel Ammon/Aura)

Die ganze Bar 59 hatte er beispielsweise – abgesehen von den sanitären und elektrischen Anlagen – fast komplett in Eigenregie umgebaut und eingerichtet. «Sein künstlerisches Verständnis half ihm dabei, die Räumlichkeiten selber zu gestalten», sagt Studer.

Legendär sei auch seine Schlagzeugsammlung. «Es werden wohl Hunderte sein», so Schlagzeuger Fredy Studer. Gespielt habe er aber immer nur als Hobby. «Frasi hat wohl ganz Ebay zusammengekauft. Dabei hat er einige Perlen, aber auch eine grosse Menge Schrott angehäuft.»

Dabei sei es Frasi Müller aber nicht einfach ums Sammeln gegangen, so Studer. «Der Handwerker und Allrounder Frasi wollte die irgendeinmal alle reparieren und aufpeppen», so Fredy Studer. «Dafür hätte er wohl keinen Aufwand gescheut und wäre für eine Originalschraube wohl um die halbe Welt gereist», sagt er lachend.

Ideen auch im Ausland gefragt

Seine Ideen und die Kreativität liess Frasi Müller aber nicht nur in der Stadt Luzern fruchtbar werden. So konnte er vor einiger Zeit auch am Jazzfestival Willisau eine Bar im Frasi-Style einrichten. Mit beachtlichem Erfolg, wie sich Pirmin Bossart erinnert.

Frasi Müller sorgte sogar im Ausland für Ambiente. So wurde er von einem ausländischen Geschäftsmann beauftragt, für ein Meeting einem normalen Festzelt eine gemütlich Atmosphäre einzuhauchen, blickt Bossart zurück.

In den Bars lebt er weiter

Auch wenn Frasi Müller die Lokale längst an Nachfolger übergeben hatte, schwebt sein Geist noch immer in den Bars in Luzern. Der «Brocki-Style» mit den alten Sitzmöbeln mit ihren weichen Polstern weisen unverkennbar auf «Frasis» Vergangenheit hin.

Ein Projekt, das Frasi Müller nicht mehr realisieren konnte, war die Eröffnung einer weiteren Bar irgendwo in der Stadt. Der Name hätte wohl Bar 56 gelautet.

In Feierlaune: Frasi Müller an der Luzerner Fasnacht.
In Feierlaune: Frasi Müller an der Luzerner Fasnacht. (Bild: Heinz Pal)

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