«Kultur findet 2018 statt»: Regierungsrat Reto Wyss zieht Bilanz. (Bild: jwy)
Kultur Politik Sparen

«Kultur findet 2018 statt»: Regierungsrat Reto Wyss zieht Bilanz. (Bild: jwy)

Reto Wyss’ Millionenversprechen an die Luzerner Kulturszene

6min Lesezeit

Der Kanton Luzern meldet sich in der Kulturförderung zurück: Insgesamt 21,4 Millionen Franken gibt er dieses Jahr für Kultur aus. Regierungsrat Reto Wyss verspricht: Langfristig muss der Kanton wieder ohne Mittel der Privaten auskommen. Derweil hofft die Kulturszene weiter auf ihren Recherchefilm.

2017 bleibt als Jahr haften, in dem sich die Luzerner Kulturszene aufbäumte. Im Wasser, vor dem Theater oder mit einem Manifest. Mit starken Aktionen wehrten sich Kulturschaffende gegen die Streichung von Fördergeldern beim Kanton. Das ging auch nicht folgenlos an Regierungsrat Reto Wyss vorbei: «2017 war auch für mich als Kulturdirektor nicht befriedigend», die Sparmassnahmen seien für ihn schmerzhaft gewesen.

Reto Wyss sprach von «kreativen Protestaktionen», als er am Montag vor den Medien Bilanz zog zum aktuellen Stand der Luzerner Kulturpolitik. Er wolle die Situation nicht beschönigen, aber Transparenz schaffen, denn: «Es bestehen Unsicherheiten und es wurde in Medien, aber auch vonseiten der Kulturschaffenden, nicht immer mit korrekten Zahlen informiert.»

Langfristig ohne private Hilfe

Diese Transparenz sieht so aus: 21,4 Millionen Franken stehen seitens Kanton Luzern 2018 für die Kultur zur Verfügung. Das ist erstmals eine nackte Zahl, viel wichtiger für die Kultur: Dieses Jahr sieht’s besser aus als befürchtet, der Kanton schreibt wieder Förderbeiträge in Sparten wie Musik, Theater/Tanz oder Kunst aus (zentralplus berichtete).

«Die meisten Kulturförderinstrumente waren von den Kürzungen nicht betroffen.»

Reto Wyss, Kulturdirektor

690’000 Franken stehen 2018 insgesamt für die selektive Produktionsförderung der freien Kulturschaffenden zur Verfügung. Das ist noch nicht so viel wie 2016 (740’000 Franken), aber mehr als letztes Jahr (252’000). «Kultur findet 2018 statt», so der CVP-Politiker Reto Wyss, als hätte daran jemand gezweifelt.

Reto Wyss schreitet am Montag über den roten Teppich.
Im Dezember begrüssten Kulturschaffende vor der Budgetdebatte im Kantonsrat Regierungsrat Reto Wyss. (Bild: zvg)

Ein Aufatmen ist spürbar in der Kulturszene, mehr nicht: Denn die jetzige Lösung kam nur zustande, weil Private in die Bresche sprangen. Der Verein zur Förderung der Freien Kulturszene (FFK) um den Medienunternehmer Bruno Affentranger sammelt derzeit Geld bei privaten Mäzenen, das Ziel sind 400’000 Franken.

Wyss sagte dazu: «Auch in den Folgejahren streben wir die Mittel wie für 2018 an.» Aber langfristig müsse man wieder ohne die 200’000 Franken des Vereins FFK auskommen, mit denen man dieses Jahr budgetiert. «Der Verein kann nicht längerfristig Staatsaufgaben übernehmen, Kultur bleibe eine wesentliche Staatsaufgabe», versprach Wyss.

Die meisten Bereiche blieben verschont

Der grösste Brocken der 21,44 Millionen Franken im Budget geht mit 18,931 Millionen an die grossen Kulturbetriebe im Zweckverband, also ans Luzerner Theater, Luzerner Sinfonieorchester, Lucerne Festival, Kunstmuseum Luzern und Verkehrshaus der Schweiz. Was man gern vergisst, aber schon länger bekannt ist: Auch im Zweckverband werden ab diesem Jahr 726’000 Franken eingespart, ursprünglich waren sogar 1,7 Millionen geplant (zentralplus berichtete).

Reto Wyss erinnert daran, dass nicht nur die Freie Szene, sondern auch die grossen Kulturbetriebe ihren Sparbeitrag leisteten. Und: «Die meisten Kulturförderinstrumente waren von den Kürzungen nicht betroffen.»

Unverändert bleiben etwa die Beiträge für die regionalen Förderfonds, die Kulturbeiträge für die Landschaft, die mit 250’000 Franken dotiert sind, und die Filmförderung, die 400’000 Franken erhält. Die Vereinigung Pro Heidegg und die Festival Strings Lucerne erhalten zusammen 235’000 Franken. Kunstankäufe werden – wie bereits 2017 – im Rahmen von 80’000 Franken getätigt.

Sinn für Realität

Mit dem Stand 2018 und der «guten Verbesserung» gegenüber 2017 ist der Kulturdirektor zufrieden, mehr liege zurzeit schlicht nicht drin. Es sei zwar noch nicht die grosse Entspannung, aber es habe «mit Sinn für Realität zu tun», so Wyss. Die Kultur habe ihren Sparbeitrag geleistet, und im Gegensatz zu anderen Bereichen habe man innert kurzer Zeit viel wieder rückgängig gemacht.

Insgesamt wurden 2017 im Kulturbereich effektiv 500’000 Franken eingespart, also etwas weniger als die 800’000, wie man oft befürchtet hatte. So wurde auf die zweite Ausschreibung der selektiven Produktionsförderung verzichtet und im Museumsbereich und bei der Vergabe des Kulturförderpreises gab es Abstriche.

Schlussspurt für Recherchefilm

Reto Wyss ist zuversichtlich, derweil sammelt die Kulturszene weiterhin Geld für einen Recherchefilm: Kommen per Crowdfunding 120’000 Franken zusammen, soll ein unabhängiger Regisseur die Auswirkungen der kantonalen Tiefsteuerstrategie mit einem Dokumentarfilm aufarbeiten (zentralplus berichtete). Doch es wird knapp: Es bleiben noch zwei Wochen, 20’000 Franken fehlen noch.

Die Initianten geben allerdings nicht auf: 48 Stunden vor Ablauf der Sammelfrist läuten sie am 3. Februar im Kleintheater mit einem «Benefiz-Bingo» den Schlussgang des Crowdfundings ein.

Dass die Wogen zwischen Kulturszene und Kulturdirektor noch nicht geglättet sind, bewies auch der Schmähpreis, den Reto Wyss an der «Kick Ass Award»-Gala kürzlich erhielt, aber nicht selbst abholte (zentralplus berichtete). Kommentieren wollte er diesen am Montag nicht, er sagte aber, als wäre nichts gewesen: «Ich habe kein Problem mit den Kulturinstitutionen im Kanton, wir geben uns Mühe, unsere Mittel auszuschütten.»

Reto Wyss im Video:

 

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