Blues-Koryphäe Philipp Fankhauser in seinem Element. (Bild: mfa)
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Blues-Koryphäe Philipp Fankhauser in seinem Element. (Bild: mfa)

5min Lesezeit

Als eines der ersten kulturellen Highlights des neuen Jahres macht das Schweizer Tourneetheater in Zug auf dem Stierenmarktplatz Halt. Eröffnet wurde die Unterhaltungsreihe mit Philipp Fankhauser, einer Grösse in der Schweizer Blues-Szene.

Marco Faoro

Im Loungebetrieb von «Das Zelt» konnte man sich bereits ab 18 Uhr in der hell eingerichteten, geräumigen Eingangshalle auf einen tollen Abend einstimmen. Auf Barhockern sitzend, stiessen die Bluesfans auf das bevorstehende Konzert an. Kurz vor 20 Uhr ging es dann rein in das Prunkstück auf dem Gelände: das grosse Zelt mit über 1’000 Sitzplätzen. Schnell füllten sich die Reihen, als auch schon Philipp Fankhauser die Bühne betrat. Im Schlepptau seine zehnköpfige Band, die zusammen ein stimmiges Bild abgab. Eröffnet wurde das Konzert mit Songs vom neuesten Album «I’ll Be Around – The Malaco Session».

Schlagzeuger gibt den Takt an

Fankhauser alleine auf der Bühne zu sehen war bereits äusserst sehenswert. Mal gab er einen seiner langsamen, mal einen schnelleren Hit mit seiner angerauten Stimme zum Besten. Sowohl Songs vom neuen Album als auch von früheren Veröffentlichungen wurden gespielt. Doch seine Band brachte die Musik noch in ganz andere Sphären.

Angefangen mit dem Bläsertrio, das die Songs knackig, aber auch mal schön schwermütig untermalte. Für den zweiten Saxophonisten war an diesem Abend ein Ersatz eingesprungen, was jedoch nicht weiter ins Gewicht fiel. Die Band harmonierte, sie groovte. Dies war auch ein grosser Verdienst des Schlagzeugers Richard Spooner, der zwischen süssklebrigen und Up-Tempo-Rhythmen hin- und herwechselte.

Philipp Fankhauser und Gitarre – das passt einfach.
Philipp Fankhauser und Gitarre – das passt einfach. (Bild: mfa)

Kennengelernt bei «The Voice of Switzerland»

Links von Spooner waren gleich drei Backgroundsängerinnen, darunter auch Brandy Butler. Sie und Fankhauser liefen sich bereits vor einigen Jahren im Rahmen von «The Voice of Switzerland» über den Weg. Alle drei Sängerinnen hätten auch locker als Leadsängerinnen durchgehen können, gaben sie doch mit ihren starken, klaren Stimmen den Kompositionen einen wunderschönen Feinschliff. Besonders im Frage-und-Antwort-Spiel mit Fankhauser kam dies sehr gut zur Geltung.

Am auffälligsten gekleidet war der Bassist Angus Thomas. Mit Hut und rotem Pulli tigerte er auf der Bühne hin und her wie andere in ihrem Wohnzimmer und man merkte ihm an, dass er sich wohlfühlte und den Groove richtig spürte. Neben ihm gab Gitarrist Marco Jencarelli ein Gitarrensolo nach dem anderen zum Besten. Mit seinem Gitarrenspiel hatte er den perfekten Mix gefunden zwischen Schlichtheit und Virtuosität. Doch seinem Können stand Fankhauser in nichts nach und groovte ebenso gut über die Bühne. Besonders zu begeistern vermochten auch seine kleinen Riffs zwischen den Gesangsparts.

Die Background-Sängerinnen verliehen dem Konzert weitere Tiefe.
Die Background-Sängerinnen verliehen dem Konzert weitere Tiefe. (Bild: mfa)

Doch was wäre ein richtiger Blues ohne Piano und Orgel? Dazu hatte sich Fankhauser Hendrix Ackle an Bord geholt. Der Keyboarder wirbelte mit einer Virtuosität über die Bühne, dass es einem fast schwindlig wurde. Im nächsten Stück stand er dann aber bereits wieder als Ruhepol da. Ganz grosse Klasse! Nach jedem Solo der einzelnen Musikern gab es auch verdienten Applaus.

Zuger Publikum als Versuchskaninchen

Das Set wurde von einer halbstündigen Pause unterbrochen. Zu Beginn des zweiten Sets stand dann plötzlich Fankhausers Hund, eine Dogge, auf der Bühne. Fankhauser meinte schmunzelnd, sie sei im falschen Körper geboren, denn äusserlich sehe die Dogge eher wie ein Mops aus. Passend dazu gab's es einige Zeit später auch den Song «My Dog and Me».

Bereits kurz vor der Zugabe hielt die Zuschauer nichts mehr auf den Sitzen und bald schon stand das ganze Publikum und klatschte, tanzte und fühlte den Blues, den die grosse Band über die Bühne schmetterte. Zu Beginn des Konzertes meinte der gebürtige Thuner, dass das Zuger Publikum sozusagen ein Versuchskaninchen sei, ob das Konzept mit einer so grossen Besetzung überhaupt klappe. Nach diesem Abend ist wohl allen Anwesenden klar: Eine solche Supertruppe muss unbedingt auf die Bühne!

Tourtitel als Versprechen

Der Name der «I’ll Be Around»-Tour ist sogleich auch ein Versprechen an das überaus glückliche Publikum. Denn Fankhauser und seine Band sind am 1. Juni in der Chollerhalle Zug bereits wieder zu sehen. Dieses Datum sollte von allen Bluesfans in Zug und Umgebung fett im Kalender eingetragen werden. Diese Spielfreude, diesen Groove und auch diese Songs, die entweder zum Schwelgen oder Tanzen einladen, muss man gesehen und gehört haben.

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