Fotograf Seya Eggler im Einsatz – gute Kleidung gehört dazu. (Bild: zvg/David Honegger)
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Fotograf Seya Eggler im Einsatz – gute Kleidung gehört dazu. (Bild: zvg/David Honegger)

«Greatest year of my life»: 16-jähriger Luzerner Influencer

13min Lesezeit

Seya Eggler ist 16 und erreicht mit seinen Abenteuerfotos seine Fans zu Zehntausenden. Für die perfekte Stimmung ist dem Influencer kein Weg zu steil, jede freie Minute verbringt er draussen. Auch beim Lauberhornrennen ist er ein gefragter Mann.

«Greatest year of my life.» Seya Eggler hatte ein erfolgreiches Jahr, wie er auf Instagram unter ein Bild schreibt. Das Jahr seines Lebens ist eben zu Ende gegangen. Der junge Fotograf kommuniziert in Englisch, seine Follower kommen aus allen Ecken der Welt.

Instagram ist sein digitaler Dorfplatz, Dreh- und Angelpunkt seines Schaffens: Hier wurde er neugierig, hier erreicht er seine Fans und hier werden andere auf ihn aufmerksam.

13’300 Menschen folgen dem 16-jährigen Udligenswiler, zu Tausenden liken sie seine Naturfotografien. Seya Eggler bringt so seine Leidenschaften zusammen: das Fotografieren und das Abenteuer in der Natur.

Damit hat er es schon jung zum Influencer gebracht, auch wenn er sich lieber nicht so nennt. Fotografie ist nicht mehr nur Hobby, sondern sein Leben, schreibt er auf seiner Webseite.

Auch Schweiz Tourismus ist auf seine spektakulären Fotos aufmerksam geworden, die eindrücklich für die Landschaft werben. Ebenso ein grosser Kamerahersteller, der ihn ausrüstet.

Noch nicht mal volljährig, hat sich Eggler einen Namen gemacht. Darum ist er ab Freitag auch an der «Photo18» in Zürich, der grössten Werkschau der Schweizer Fotografie, dabei.

zentralplus: Wobei erwischen wir Sie gerade am frühen Morgen?

Seya Eggler: Um 11 Uhr gehe ich arbeiten, ich bin im zweiten Lehrjahr als Fotofachmann in Zug. Bis dahin habe ich Zeit, um meine Bilder vom vergangenen Wochenende zu bearbeiten.

zentralplus: Sie nennen sich Abenteuerfotograf. Wie kam es dazu?

Eggler: Es fing an, als ich im Netz Fotos und Videos von anderen sah und cool fand. Ich wollte meinen Vorbildern nacheifern und fing selbst mit GoPro-Videos an, auch wenn es anfangs noch nicht geklappt hat. Das Fotografieren kam etwas später: Ich habe gesehen, wie Fotografen mit Langzeitbelichtung und verschiedenen Techniken experimentierten. Ich habe mich gefragt, wie sie das machen, und auf Youtube Tutorials gefunden. So hat alles angefangen und ich habe meine ersten Bilder gemacht.

Hotel Misurina in den Dolomiten (links), Bergpanorama bei der SAC-Hütte Cadlimo im Tessin (rechts).
Hotel Misurina in den Dolomiten (links), Bergpanorama bei der SAC-Hütte Cadlimo im Tessin (rechts). (Bild: zvg/Seya Eggler)

zentralplus: Sie sind also nicht über Ihre Ausbildung zum Fotografieren gekommen?

Eggler: Nein, ich habe schon mit 13, also zwei Jahre vor meiner Lehre, mit Fotografieren und Filmen angefangen. Ich war damals immer am Gamen, vor und nach der Schule. Bis ich mir eine erste Kamera gekauft habe und es vom einen auf den anderen Tag umgeschlagen hat: Ich habe mich nur noch aufs Fotografieren und Filmen konzentriert. Anfangs kam noch nichts Gescheites raus, aber ich konnte darauf aufbauen.

«Ich wende jeden freien Tag, jedes Wochenende, für meine Fotografie auf.»

zentralplus: Und mit Gamen haben Sie dann aufgehört?

Eggler: Ja, ich wollte nur noch raus in die Natur und fotografieren. Zuvor war das alles kein Thema.

zentralplus: Während andere in Ihrem Alter Partys im Kopf haben, sind Sie in den Bergen unterwegs?

Eggler: Ich bin schon auch an Partys, aber wenn ein Kollege sagt, dass er zelten geht, dann ziehe ich das vor. Das bringt mir letztlich einfach mehr. Und ich sehe den Sonnenaufgang lieber nicht verkatert.

Das Video zeigt, wo sich Seya Eggler 2017 rumtrieb:

 

zentralplus: Sie sind noch nicht volljährig, macht es das nicht kompliziert?

Eggler: Doch, aber meine Eltern unterstützen mich. Ich bin sehr viel unterwegs, ich wende jeden freien Tag, jedes Wochenende für meine Fotografie auf, weil ich es einfach am liebsten mache. Meine Kollegen, mit denen ich unterwegs bin, sind alle älter, die meisten zwischen 18 und 30 Jahren.

zentralplus: Haben Sie diese Leute durchs Fotografieren kennengelernt?

Eggler: Ja, über Instagram, da sind wir am besten vernetzt. Nun haben wir eine Whatsapp-Gruppe mit etwa 100 Leuten, die Ähnliches machen und kommunizieren, so: Einer fährt irgendwohin und fragt, ob jemand mitkommt. So läuft das und wir verabreden uns zum Wandern, Zelten, Biken und natürlich Fotografieren.

 

zentralplus: Was ist wichtiger, das Abenteuer oder die Fotografie?

Eggler: Wir verbinden die Aktivitäten und das Fotografieren. Ich bin durchs Fotografieren drauf gekommen, weil man die Orte, die wir suchen, sonst gar nicht erreicht: Wir biken, fahren Ski, klettern oder wandern, um dahin zu kommen. Und oft geht es nicht ohne Übernachtung im Zelt, wenn man den Sonnenaufgang im perfekten Licht erwischen will.

zentralplus: Ist Instagram Ihre wichtigste Plattform?

Eggler: Es ist mein wichtigstes Tool, weil ich da am einfachsten und innert Sekunden meine Leute erreiche. Auf Facebook geht viel unter, da hat’s zu viel anderes und Werbung. Instagram ist auf Fotos ausgerichtet, und auch die «Stories» sind sehr cool.

zentralplus: Sie haben über 13’000 Follower – zufrieden?

Eggler: Ja schon, es ist verhältnismässig viel. Andere haben aber schon 20’000 oder mehr. Klar ist es schön, wenn meine Community wächst, aber ich schaue nicht nur auf die Zahlen. Es ist einfach cool, wenn Leute meine Bilder sehen, wenn ich merke, welche Bilder beliebter sind und welche weniger. Cool wäre, einmal die 100’000er-Marke zu knacken, das wäre für die Zusammenarbeit besser.

zentralplus: Sie werden jetzt schon gesponsert?

Eggler: Ja, von Olympus erhalte ich meine Kameraausrüstung, die Kleider von Mammut. Das sind die zwei Grossen. Zudem habe ich eine Zusammenarbeit mit «MySwitzerland» von Schweiz Tourismus. Ich wurde angefragt für einen «Story Takeover» – übernehme also für einen Anlass ihren Instagram-Account. Nächstes Wochenende bin ich etwa am Lauberhornrennen und dokumentiere da Aktivitäten rundherum: Iglus, Schlitteln, was man da halt machen kann.

zentralplus: Wie kam es dazu?

Eggler: Es hat mit zwei Instagram-Stories angefangen. Ich war mit einem alten VW-Büssli unterwegs und so wurde Schweiz Tourismus auf mich aufmerksam. Sie haben mich dann für weitere Projekte angefragt. Das ist eine coole Sache – für sie und für mich. Ich bin ohnehin viel in den Schweizer Bergen unterwegs, so kann ich das mit meinen Aktivitäten verbinden.

 

zentralplus: Sie sind für Werbung interessant geworden, sind Sie also ein Influencer?

Eggler: Rein technisch gesehen bin ich einer. Aber wenn ich auf einen Brand zugehe, mit dem ich unbedingt zusammenarbeiten will, dann bezeichne ich mich eher als Fotograf oder «Content Creator». Influencer wird oft falsch aufgenommen und eher mit Beauty und Mode in Verbindung gebracht. Das wäre für mich die falsche Fährte.

zentralplus: Was ist Ihre Standardausrüstung auf einer Tour?

Eggler: Man muss sich einschränken, zu viel geht nicht. Ich habe einen 40-Liter-Rucksack, der auf Fotografieren ausgelegt ist. Darin sind eine Kamera, eine GoPro, ein Stativ und drei Objektive: ein Super-Weitwinkel, ein normales und ein Teleobjektiv. Dazu kommt das Outdoor-Equipment wie Schlafsack, Zelt, Kleider und natürlich noch das Essen und ein Kocher, auch wenn ich dafür fast keinen Platz mehr habe.

Werkschau Photo18

Die Photo18 ist die grösste Schweizer Werkschau für Fotografie und findet vom 12. bis 16. Januar in Zürich-Oerlikon statt. 200 Schweizer Fotografen stellen aus, erwartet werden 27’000 Besucher. Aus Luzern sind neben Seya Eggler unter anderem Rudi-Renoir Appoldt, Thomas Biasotto, Barbara Brutschin, Marius Eckert, Franziska Heinl, Jacqueline Lipp, Jean-Pierre Perren, Micha Prest oder Cedric Zellweger dabei (zentralplus berichtete).

zentralplus: Nun stellen Sie an der Photo18 aus. Was erwarten Sie davon?

Eggler: Ehrlich gesagt, nicht so viel. Klar, es ist eine gute Sache, wenn da 30’000 Leute sind, man kann gut Kontakte knüpfen, neue Brands und Leute kennenlernen. Es ist eine gute Sache, aber Instagram ist für mich wichtiger.

zentralplus: Was packen Sie als Nächstes an?

Eggler: Ich mache zuerst die Ausbildung fertig, weiter habe ich noch nicht geplant. Eventuell gehe ich ein Jahr auf Reisen, auch wenn ich dann erst 17 bin, das könnte vielleicht schwierig werden. Ich könnte auch bei Kollegen in einer Agentur einsteigen oder etwas Eigenes aufziehen – aber das kann noch warten.

zentralplus: Ist Ihr Ziel, einmal von der Abenteuerfotografie leben zu können?

Eggler: Klar wäre das schön. Aber nur von Landschaftsfotografie und von Abenteuern leben zu können, ist schwierig. Aber mit normaler Fotografie oder einer Agentur wäre es möglich. Die Landschaftsfotografie mache ich erst einmal nebenbei. Und man weiss ja auch nicht, wie sich Instagram weiterentwickelt, momentan ist es wohl beim Höhepunkt angelangt.

Mehr Bilder von Seya Eggler in der Galerie:

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