Jakob Felix alias Spooman – ohne Cap und Hoody – in der Bar Berlin. (Bild: jav)
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Jakob Felix alias Spooman – ohne Cap und Hoody – in der Bar Berlin. (Bild: jav)

Spooman: «Meine innere Rampensau, die fehlt mir»

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Jakob Felix alias Spooman war einer der grossen Namen im Schweizer Hiphop. Heute lebt er mit seiner Familie in Luzern und leitet eine Glaser-Firma. Abgeschlossen hat er mit «Spoo» jedoch noch lange nicht.

Er war «Mundartrapper der ersten Stunde» und «die Speerspitze des Schweizer Rap». Im Jahr 2000 erhielt Spooman als erster Mundartrapper überhaupt einen Plattenvertrag beim Major-Label Sony Music/Columbia. Damals stand er gemeinsam mit Künstlern wie Bligg oder Samy Deluxe im Studio. Er sprayte illegal, rauchte Gras und hielt damit nicht hinterm Berg.

2011, als er sein bisher letztes Album «Superfresh» veröffentlichte, wurde er bereits als «Rap-Opa» bezeichnet. 2013 war er zuletzt auf Tour. Heute ist es ruhig geworden um den «Altmeister» des Luzerner Hiphop.

Wir treffen ihn in der Bar Berlin an der Luzerner Neustadtstrasse, dem Lokal seines Freundes Sascha Welz, nicht weit von zuhause. Jakob Felix alias Spooman bestellt eine Cola und steckt gleich den zeitlichen Rahmen fest. In der Firma ist viel los, er muss bald wieder zurück.

Sesshaft und konservativ?

Felix ist heute 43 Jahre alt. Der gebürtige Bündner ist verheiratet, hat zwei Söhne im Alter von 11 und 14 Jahren und er ist Geschäftsleiter einer Glaser-Firma. – Mit der Familie kam die Sesshaftigkeit.

2003 wurde sein erster Sohn Elia geboren. Im selben Jahr stieg er bei Glas Koller, der Firma seines Schwiegervaters, ein. Zehn Jahre später, nach der letzten Tour, wurde er Geschäftsleiter.

«Alter ist kein Indikator fürs Erwachsensein.»

Doch jeden Dienstag steht Spooman zusammen mit seinem langjährigen Freund Steven Egal im Proberaum – und das seit rund 20 Jahren. «Wir nennen uns den ‹Dsischtigsclub›», lacht Felix. Und dieser Club ist nicht tatenlos. «Wir hätten Material für bestimmt vier Alben, aber im Moment fehlt die Zeit und wir haben andere Prioritäten, als eine Platte rauszugeben.»

«Natürlich hätte ich mit der Musik weitermachen können», sagt Felix. «Aber in Bezug aufs Vatersein bin ich wohl doch ziemlich konservativ.» Konservativ für Spooman heisst: Da zu sein. «Ich bin zu wenig Freak, als dass ich gesagt hätte: Scheissegal, ihr Jungs macht das schon irgendwie, Rock 'n' Roll for life. Ich will da sein und meine Söhne aufwachsen sehen.»

Und wie geht ein Familienvater mit dem eigenen Song «Ganjafeld» gegenüber seiner bald pubertierenden Kinder um? «Ich glaube, das Lied hat eine präventive Wirkung. Wenn der Vater Gras geraucht hat, findet man es selber vielleicht weniger cool und rebellisch.»

Der Reiz bleibt

Selbstverständlich reize es ihn, wieder ein Album zu machen und besonders wieder Konzerte zu geben. «Wir werden auch immer wieder angefragt, erhalten seit Jahren immer noch monatlich sicher eine Anfrage.»

Doch Konzerte sind derzeit noch kein Thema. «Die Kinder sind zu klein, um sie allein zu lassen und zu gross, um sie am Wochenende den Grosseltern abzugeben.» 2011 und 2013, bei den letzten Tours, sei das noch kein Problem gewesen. Und wenn Konzerte, dann seien sie nicht um 23 Uhr wieder zuhause. «Dann wird das richtig zelebriert und am Tag danach ordentlich gelitten.»

«Der Rausch der Konzerte. Das fehlt jedem, der es erlebt hat.»

Zudem müsste er sich auch erst wieder finden auf der Bühne. «Natürlich könnte ich die alten Songs bringen und genau so auf der Bühne stehen wie damals. Aber wie authentisch ist das noch? Damals habe ich das gelebt.» Ganz abgeschlossen ist das Thema jedoch noch nicht. «Dafür kenne ich mich selbst zu gut.»

Die alten Nostalgiker

Es ist sechs Jahre her, dass sein letztes Album erschienen ist und ganze 16 Jahre, seit «es richtig abging». Und doch wird er häufig im Alltag erkannt und angesprochen, was er nicht unbedingt gerne mag. «Ich bin jedes Mal wieder erstaunt und kann es auch nicht recht nachvollziehen.» Doch ihm sei erst dadurch bewusst geworden, was für ein Personenkult es um ihn gab. «Andere haben viel mehr Platten verkauft, aber auf der Strasse hätte sie auch damals kaum einer erkannt.» Spooman kannte man, und viele kennen ihn noch. «Meist sind es diese ewigen Nostalgiker, die nur geil finden, was alt ist.»

«Mimiks hat diesen Hunger, den es braucht.»

Diese Nostalgie teilt Felix, der seit 1994 in Luzern lebt, überhaupt nicht. «Ich finde es richtig gut, was der Luzerner Hiphop heute zu bieten hat. Die Jungen sind viel freier und unverkrampfter, sind nicht nur auf einer Schiene festgefahren, sie probieren verschiedenste Richtungen aus.»

Besonders Moskito haben es ihm angetan. «Luzi ist lyrisch ohne Frage der beste Schweizer Rapper, den es aktuell gibt», sagt Felix überzeugt. Auch Mimiks mag er: «Mimiks hat diesen Hunger, den es braucht. Er ist jung und hat Bock, das spürt man.»

Erwartungen erfüllen

Sein eigener Stil habe sich verändert in den letzten paar Jahren. «Lange hatte ich das Gefühl, eine Erwartung erfüllen zu müssen, die der Brand Spooman verspricht.» Und das ist klassischer Hiphop. Daraus habe er ausbrechen müssen. «Man ist mit 20 nicht derselbe wie mit 40.»

Und er müsse sich auch die Frage stellen: Wen willst du als 40-jähriger Rapper ansprechen?

FCL-Hymne

2007 hat Spooman gemeinsam mit den Luzerner Rappern Emm und Steven Egal die FCL-Hymne «Ei Stadt i de Schwiiz» produziert. «Für mich gehört das dazu. Zu einem Club zu stehen, egal wie stark er ist», sagt Jakob Felix. Eigentlich sei es jetzt, zehn Jahre später, Zeit für eine zweite Version des Songs, findet Felix. «Ich konnte nur bisher die anderen beiden nicht davon überzeugen.»

Natürlich vermisse er gewisse Dinge. «Der Rausch der Konzerte. Das fehlt jedem, der es erlebt hat.» Wenn das wegfalle, müsse man zu Beginn lernen, damit umzugehen. «Aber meine innere Rampensau, die fehlt mir immer noch.»

«Wenn du beim Festival die Bühne vor 10’000 Zuschauern betrittst, ein Wort sagst und du brichst die ganze Wiese ab – natürlich ist das ein grossartiges Gefühl.» 2001 beim Züri-Fest sei das zum ersten Mal passiert. «Da wusste ich, jetzt geht’s los. Jetzt sind wir nicht mehr nur in einer Szene bekannt.» Und es ging richtig los. Sechs Jahre lang spielte er Konzerte in der Schweiz und Deutschland, war fast täglich im Radio und Fernsehen für Promo-Auftritte. «Plötzlich wollen alle etwas von dir.»

Was wäre wenn

Natürlich spiele er in Gedanken auch mal «Was wäre wenn». Doch hätte er gerne einen Weg wie Bligg gemacht?

«Nein, für mich war klar, dass ich die Kontrolle nicht abgebe und mir nicht reinreden lasse.» Wenn man seinen Brand richtig hochziehen wolle, müsse man mit den grossen zusammenarbeiten. Und damit auch Kontrolle abgeben. «Bligg hatte immer schon einen Plan. Er wusste genau, wohin er will und das hat er auch geschafft.» Er gönne es ihm, doch er bedaure ihn manchmal auch. «Mit ihm auszugehen, ist nämlich echt kein Spass – man wird nur angesprochen. Die ganze Zeit.»

Von Respekt und Freundschaften

Früher sei er ein Teil vom Ganzen gewesen – von einem «Movement». Heute ist das Netz lockerer geworden. Er gehe nicht mehr an Konzerte, weil er dazugehöre, sondern weil ihm die Musik gefalle. «Es sind keine engen Freundschaften, aber der gegenseitige Respekt ist da.»

Die Kontakte von früher seien zwar noch da, aber nicht mehr so intensiv wie früher. Mit Bligg zum Beispiel trifft sich die Familie bei Geburtstagen der Kinder. Samy Deluxe sieht er, wenn er in Hamburg oder dieser in der Schweiz ist. Aber viele Kontakte gehen verloren.

Das Hiphop-Gehabe, das lebe er zwar im Alltag nicht mehr, doch «wenn uns im Studio jemand belauschen würde, der würde sagen: Was für huere Goofe!», lacht Felix und ergänzt: «Alter ist kein Indikator fürs Erwachsensein.»

Vom Hiphop-Gehabe zum seriösen Geschäftsmann

Als er als Glaser angefangen hat, habe er oft das Gefühl gehabt, dass seine andere Seite als Spooman seine Seriosität im Beruf in Frage stelle. «Ich musste erst lernen, dass die Kunden kein Problem damit haben. Tattoos, oder die Art Musik, die man macht oder mag, hat nichts mit der Kompetenz im Beruf zu tun», sagt der gelernte Dekorationsgestalter.

Tatsächlich brennt Jakob Felix für die Materie Glas, das wird schnell klar, wenn man ihn auf seinen Job anspricht: «Es ist ein so vielfältiger Rohstoff, den es immer brauchen wird, er ist unerschöpflich und abbaubar …» Er sei sehr froh, etwas abgesehen von der Musik gefunden zu haben, das ihm liege. «Ich bin ein Handwerker, das passt. Und schlussendlich ist es doch egal, ob Musiker oder Glaser, solange der Beruf dich erfüllt.»

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