Will seine Kunst nicht erklären müssen: Linus von Moos alias Rips1. (Bild: neh)
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Will seine Kunst nicht erklären müssen: Linus von Moos alias Rips1. (Bild: neh)

Kunstschule nicht geschafft – dafür Spass an der Arbeit

8min Lesezeit

Ab Donnerstag wird das Neubad wieder zur grössten Galerie in Luzern: Mit Musik, Bildung und Kunst werden am Neusicht-Festival neue Perspektiven auf die Themen Wasser, sanitäre Anlagen und Hygiene eröffnet. Mit seinen Prints ist auch Linus von Moos alias Rips1 dabei. Was das mit Spareribs zu tun hat und wieso er an der Kunstschule abgelehnt wurde.

Schon seit vier Jahren arbeitet Linus von Moos mit der Organisation Viva con Agua (zentralplus berichtete) zusammen. «Ich finde das Projekt, aber auch die Art und Weise, wie sie arbeiten, sehr gut. Sie geben mir die Möglichkeit, mit meiner Kunst – also dem, was ich gern mache und gut kann – meinen Beitrag zu leisten», betont er. Doch von vorne.

Als Linus von Moos als Kind ins Tessin in die Ferien fährt, läuft es immer gleich ab: Als Erstes kauft man Block und Filzstifte. «Mein grosser Bruder und ich waren Fans von Superhelden. So haben wir uns in den Ferien richtige Battles geliefert, wer besser Superman, Batman oder die Ninja Turtles zeichnen konnte», erinnert sich der gebürtige Kernser lachend.

Nachdem sein Bruder im Gymi dann mit dem Breakdance anfängt, will Linus es seinem Vorbild gleichtun. «Die Hip-Hop-Szene mit Graffiti, DJing, Rap und Breakdance war in Obwalden sehr lebendig. Doch mit der Zeit verlor ich den Kontakt zu den Breakern. Dafür fand ich den Zugang zum Graffiti. Das Tolle: In Obwalden war Sprayen in Autobahn-Unterführungen legal», erzählt der 31-Jährige.

Keine Chance an der Kunstschule

Doch Graffitis entstehen nicht erst an der Wand. Stundenlang skizziert und übt Linus von Moos, zum Beispiel auf einer Holztafel, die er von seinem Vater bekommt. «Wenn du ein neues Bild machen wolltest, musstest du ja ein bestehendes übermalen. Das musste gut aussehen, sonst hätte ich Ärger bekommen», meint er schmunzelnd.

«Ich mag den Begriff Künstler nicht so gern. Was ich mache, ist nicht so speziell.»

Für ihn wird schnell klar: Er will Grafiker werden. Doch er schafft es weder in den Vorkurs der Hochschule Luzern – Design und Kunst noch in die private Gestaltungsschule Farbmühle. «Während des 10. Schuljahres wurde ich dann auf die Ausbildung zum Dekorationsgestalter aufmerksam gemacht.» Da hat von Moos gelernt, mit verschiedensten Materialien, aber auch gestalterisch zu arbeiten.

Linus von Moos über seine Arbeit mit Viva con Agua:

 

Gleichzeitig bekommt Linus von Moos seine ersten Aufträge für Flyergestaltungen und Wandbemalungen, weshalb er sich auch die gängigen Grafikprogramme für den Computer selber aneignet. Sein beruflicher Werdegang nach der Lehre scheint auf den ersten Blick zufällig, als ob sich immer wieder gute Gelegenheiten ergeben und Linus von Moos ein Meister darin ist, diese zu ergreifen.

Doch das ist nur die eine Seite der Geschichte. Auf der anderen Seite steht ein Macher, der selber Gelegenheiten erschafft, ehrgeizig ist und Ideen in Angriff nimmt, statt darauf zu warten, dass jemand an seine Tür klopft. «Ich wollte schon immer in coolen Projekten arbeiten, ob als Angestellter oder Selbständiger, war mir dabei eigentlich egal», sagt der leidenschaftliche Snowboarder, Skater und Surfer.

Angetrieben von Zweifel

Nach einer längeren Reise wagt Linus von Moos dann den Schritt in die Selbständigkeit, ganz ohne Geld. «Ein paar Monate musste ich die letzten Rappen zusammenkratzen. Aber das war auch gut so. So habe ich gemerkt: Ich will das wirklich.»

«Hier kann ich mit meiner Kunst Gutes tun.»

Er arbeitet als Illustrator, Grafiker und Künstler: «Obwohl, den Begriff Künstler mag ich nicht so gern. Was ich mache, ist nicht so speziell. Ich mache einfach das, was mir Spass macht. Und dabei habe ich immer viele Zweifel.» Das treibt ihn aber auch an. Doch vor lauter Aufträgen – von Kleiderlabels bis zu Messeständen – bleibt die Zeit für seine eigenen Ideen auf der Strecke.

Linus von Moos im Einsatz in Nepal.
Linus von Moos im Einsatz in Nepal. (Bild: zvg)

Vor zwei Jahren liess er sich deshalb wieder für 40 Prozent anstellen. «Die Arbeit für Sinnvoll-Gastro macht mir grossen Spass, sie verhilft mir zu einem fixen Einkommen und verschafft mir Zeit, so dass ich zur Freude am Malen zurückgefunden habe.» Die sei nämlich bei all den Aufträgen etwas verloren gegangen.

Nicht zu viel erklären

Linus von Moos ist in der Szene auch als Rips1 bekannt. «Als ich mir einen neuen Künstlernamen zulegen wollte, habe ich mit Freunden diskutiert und mir auch überlegt, welche Buchstaben mir gefallen würden. Irgendwie wurde aus Spareribs Rips.» Weil die Domain rips.ch schon besetzt war, wurde daraus Rips1. «Der Name hat keine tiefere Bedeutung», meint er grinsend.

Verdient sein Geld mit dem, was ihm Spass macht: Linus von Moos alias Rips1.
Verdient sein Geld mit dem, was ihm Spass macht: Linus von Moos alias Rips1. (Bild: neh)

Ähnlich verhält es sich in seiner Kunst. Manchmal komme seine Inspiration aus der Musik, dem Leben, von einem Foto oder eine Wand biete sich für ein Motiv an. «Ich finde Ideen an Orten, an denen ich es nicht erwarte. Ein grosses Ganzes gibt es dahinter nicht. Oder jedenfalls nicht bewusst. Manchmal, wenn mir jemand erzählt, was er in meinem Bild sieht, denke ich: Stimmt!» Doch zu viel solle man seine Kunst nicht erklären, sie solle für sich selber sprechen.

Drei seiner Bilder können am Neusicht-Festival gekauft werden. «Ich unterstütze Viva con Agua, die dieses Festival organisieren, sehr gern. Letztes Jahr war ich mit Dodo in Nepal und habe mir ihre Wasserprojekte angeschaut. Das hat mich sehr beeindruckt. Hier kann ich mit meiner Kunst Gutes tun und Menschen ebenfalls dazu motivieren», freut er sich.

Neusicht-Festival

Vom 7. bis 10. Dezember findet im Neubad Luzern zum dritten Mal das Neusicht-Festival statt (zentralplus berichtete). Die Veranstaltung will durch Kunst, Musik, Kultur und Bildung die Themen Wasser, sanitäre Anlagen und Hygiene ins Zentrum stellen. Über 30 Künstler aus aller Welt sind beteiligt, neben einer Kunstausstellung gibt es Musik (Henrik Belden, Moskito), Improtheater (Improphil), einen Comedy-Auftritt von Emil Steinberger, Partys, Workshops und Vorträge. Die Musiker Mimiks und JAS CRW sprechen an einem Talk über ihren Besuch in Mosambik.

Mehr Bilder von Rips1 in der Galerie:

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