Maximilian Preisig und Moritz Suter in ihrer künftigen Wirkungsstätte. (Bild: jav)
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Maximilian Preisig und Moritz Suter in ihrer künftigen Wirkungsstätte. (Bild: jav)

Aus «UG» mach «Winkel» – ein Unterschlupf für die Kunst

4min Lesezeit

Das Luzerner Theater schafft Raum für freies Kunstschaffen mitten in der Stadt. In den Räumen des ehemaligen UG hat neu eine Jungintendanz das Sagen. Und deren Pläne gehen weit über Theater hinaus.

Schon diesen Freitagabend soll es losgehen mit dem neuen Kulturkeller im ehemaligen «UG» des Luzerner Theaters. Noch hängen jede Menge Kabel von der Decke, es wird geputzt, gestickt, gemalt und am Klavier gestimmt.

Mitten in diesem Chaos sitzen Maximilian Preisig und Moritz Suter und essen Pizza. Die beiden sind Teil der neuen Intendanz, welche den künftigen Kulturkeller «Winkel» gemeinsam organisiert und kuratiert.

Anfangs Sommer 2017 hat das Luzerner Theater das Projekt ins Leben gerufen. Acht junge Menschen wurden aus den Bewerbern ausgewählt und haben nun das ehemalige UG zur Verfügung gestellt bekommen. Die 17- bis 25-jährigen Kulturtäter können hier autonom ein Programm auf die Beine stellen.

Profitieren vom Wissen des Mutter-Theaters

«Administrativ, finanziell sind wir vom Luzerner Theater geführt. Zudem können wir von dessen Ressourcen profitieren: Kostüme, Werkstätte, Requisiten, aber vor allem auch auf das Wissen der Theaterschaffenden können wir zurückgreifen», betont Moritz Suter.

Das Team

Melanie Guntern, Moritz Suter, Chantal Herger, Maximilian Preisig, Carla Marfurt, Justin Paljuh, Elena Blättler und Yves Kersting sind die Intendantinnen und Intendanten des Winkels und stellen gemeinsam in Freiwilligenarbeit ein Programm für die Spielzeit 17/18 zusammen. Sie arbeiten eng mit dem Luzerner Theater und dem Institut für Soziokulturelle Entwicklung der Hochschule Luzern zusammen, sind aber künstlerisch autonom.

Der Winkel organisiert sich als Verein und will damit auch weitere engagierte Luzerner ins Boot holen.

Ein Teil der Jungintendanz vor dem Eingang des neuen «Winkels».
Ein Teil der Jungintendanz vor dem Eingang des neuen «Winkels». (Bild: zvg)

Eine ideale Ausgangslage also für eine neue Kulturplattform. «Es soll ein Raum für Experimente sein», so Maximilian Preisig. «Der Name Winkel steht genau dafür. Eine Nische für Künstler oder Gruppen, die sonst keine Plattform haben oder Schwierigkeiten, sich einen Proberaum oder einen Aufführungsort zu leisten.» Sie finden hier Unterschlupf. Und das umsonst. «So wird es auch möglich, dass die Aufführungen im Winkel mit kleinen Eintrittspreisen ein grosses und auch junges Publikum ansprechen können.»

Keine Grenzen für die Kunst

Das Programm soll sich nicht auf eine bestimmte Kunstsparte begrenzen. Oper, Film, Musical, Slam Poetry, Konzerte, Performances, Ausstellungen, Theater, Tanz, alles hat Platz. «Ideen sind zur Genüge vorhanden», so Suter. «Doch vorerst haben wir uns auf die Eröffnung konzentriert», ergänzt Preisig. Diese findet am Freitag, dem 10. November, ab 20 Uhr statt.

Am Eröffnungsabend sollen viele kleine Auftritte aus den verschiedensten Sparten einen Eindruck davon liefern, was künftig alles im Winkel stattfinden darf und soll. «Wir wollen die Leute aber auch einfach einladen, zu verweilen, etwas zu trinken und den Ort neu kennen zu lernen», sagen die beiden Jungintendanten.

Ein Teil der Spielzeit steht

Erste Programmpunkte wie eine gemeinsame Produktion von «Vetter Fetter» und den «Nachkommen» im November sowie ein syrischer Abend im Januar stehen bereits fest. Auch der theatrale Adventskalender des Luzerner Theaters in Zusammenarbeit mit der Freien Szene wird, wie im letzten Jahr, wieder in den Räumlichkeiten unter dem Stadthaus stattfinden.

In der ersten Spielzeit werden der Verein Musical Fever mit über 300 Mitgliedern, eine Tanzgruppe von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden und eine neue Laientheatertruppe im Winkel proben und aufführen. Weitere Nutzungen und auch neue Formate sind für das Pilotjahr des Winkels vorgesehen.

Jung muss man nicht sein

Jungintendanz bedeute jedoch nicht, dass es ein Ort nur für Junge werden soll, betonen die beiden. «Natürlich kommen die ersten Ideen und Interessenten aus unserem Umfeld und sind deshalb eher jünger», so Preisig. «Doch jung zu sein ist nicht unser Verkaufsargument. Wir sind offen für alles.»

Noch ist es dunkel im alten UG.
Noch ist es dunkel im alten UG. (Bild: zvg )

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