Die 29-jährige Nina Halpern hat stets einen vollen Terminkalender. (Bild: zvg)
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Die 29-jährige Nina Halpern hat stets einen vollen Terminkalender. (Bild: zvg)

Nina Halpern: «Angst und Unsicherheit dürfen Teil des eigenen Weges sein»

6min Lesezeit

Nina Halpern ist eine der umtriebigsten Theaterschaffenden Luzerns. Die Regisseurin ist auf Monate hinaus ausgebucht. Ihr neuster Wurf ist die Produktion des Stücks «Bandscheibenvorfall», einer Komödie des Theaters Aeternam. Doch trotz all der harten Arbeit: Besonders stolz ist die 29-Jährige auf ihre langen Ferien.

Nathalie Ehrenzweig

Gelächter tönt aus dem Proberaum im Theater Pavillon in Luzern. Drinnen beendet das Theater Aeternam gerade einen Durchlauf seines neuen Stücks «Bandscheibenvorfall». Die fünf Schauspieler besprechen sich mit Nina Halpern. Die Atmosphäre ist gelöst. Als Regisseurin beeinflusst Halpern diese Stimmung wesentlich mit.  

Die 29-Jährige ist in Dierikon aufgewachsen. Bereits mit 13 Jahren hat sie angefangen, im Kanti-Theater zu schauspielern. «Im Verein MusicalFever konnte ich später meine ersten Regiearbeiten realisieren», erinnert sie sich. Theater ist damals ein Hobby, sie sieht sich weder als Schauspielerin noch als Regisseurin. Erst, als sie bei «Playstation» des Luzerner Theaters mitmacht, entdeckt sie den Beruf des Theaterpädagogen. «Ich habe bemerkt, dass ein Theaterpädagoge all das macht, was mir Spass macht: Regie, Dramaturgie, Pädagogik, Schreiben und so weiter. Es ist eine sehr vielseitige Arbeit», sagt sie.

«Bandscheibenvorfall»

Seit der Gründung der freien Theatergruppe Aeternam hat diese jedes Jahr ein neues Stück auf die Bühne gebracht. Ihr neuestes Stück «Bandscheibenvorfall» ist eine Komödie von Ingrid Lausund, die von fünf Angestellten und ihrem Kampf in der Arbeitswelt erzählt. Die Co-Produktion mit dem Kleintheater wird ebenda gespielt. Premiere ist am 22. November um 20 Uhr. Weitere Spieldaten: 24., 25. November, 7., 8., 9. Dezember, jeweils 20 Uhr. 

Erster Auftrag während des Studiums

Nina Hapern ist sich nicht schlüssig, ob sie Theater wirklich zu ihrem Lebensmittelpunkt machen möchte und beginnt mit 19 Jahren Kunstgeschichte und Religionswissenschaften zu studieren. Die Aufnahmeprüfung an der Züricher Hochschule der Künste macht sie trotzdem. «Ich wollte es probieren und schauen, wie weit ich komme.» In der letzten Runde war für sie Schluss.

«Sie sagten mir, dass sie mich in dem Beruf sehen, ich aber noch sehr jung sei und weitere Erfahrungen sammeln solle. Da hatten sie völlig Recht», erzählt sie. Sie macht während dem Studium weiter mit Theater. «Ich habe später dann die Aufnahmeprüfung an der Theaterwerkstatt Heidelberg gemacht und nach dem Bachelor dort mit der Ausbildung begonnen.» Ein Jahr dauerte die Ausbildung. Die Form einer kurzen, dafür intensiven Vollzeitausbildung war der Grund für die Luzernerin, ins Ausland zu gehen.

«Theater ist eine Leidenschaft, die auch Leiden schafft.»

Nina Halpern, Regisseurin Theater Aeternam

Die erste Anfrage – vom Jugendtheater Ruswil – kommt noch während der Ausbildung: «Diese erste Regiearbeit in einem professionellen Setting war wichtig für mein Selbstverständnis und Selbstvertrauen als Theaterpädagogin.» Heute arbeitet Halpern zu 70 % für die Theaterfalle Basel, die theaterpädagogische Projekte für Bildungseinrichtungen, Unternehmen und öffentliche Institutionen durchführt. «Hier kann ich spielen, moderieren, inszenieren, organisieren. Keine Woche ist wie die andere. Dieser Beruf erfordert, gerade in der Kombination mit meiner freien Arbeit als Theaterpädagogin, sehr gute Koordination», betont sie.

Dreimonatige Auszeit geplant

Sie sei in der glücklichen Situation gewesen, dass sie schon nach einem Monat als Theaterpädagogin ihren Lebensunterhalt bestreiten konnte. «Es ist eher so, dass ich lernen musste, zu Projekten auch Nein zu sagen, weil es einfach zu viel war. Theater ist eine Leidenschaft, die auch Leiden schafft. Man muss aufpassen, dass man nicht ausbrennt.» Darum ist sie besonders stolz darauf, dass sie sich nächstes Jahr eine dreimonatige Auszeit eingerichtet hat. In dieser Zeit will sie ihr Gottenkind in Australien besuchen.

Regisseurin Nina Halpern während einer Probe.
Regisseurin Nina Halpern während einer Probe. (Bild: neh)

Und sie will geniessen, einfach mal nicht zu wissen, was sie tut. «Normalerweise bin ich mindestens ein Jahr im Voraus ausgebucht, denn bei einer Produktion betreue ich eine Theatergruppe während acht bis vierzehn Monaten», erklärt die 29-Jährige. Auch mit dem Theater Aeternam begann die Arbeit bereits im Herbst 2016.

Theater in Russland und im Kosovo

Meistens hat Nina Halpern bis jetzt mit Jugendlichen gearbeitet: «Es ist ein Geschenk, diese jungen Menschen in einer Phase zu begleiten, in der sie Hunger haben danach, sich selber zu entdecken. Diese Energie reizt mich.» Die Arbeit mit Aeternam sei ganz anders gewesen, hier seien Schauspieler am Werk, die zum Teil mehr Erfahrung hätten als sie selbst. «Ich war erst nervös, ob meine Methoden auch mit so einem Ensemble funktionieren, doch hier laufen ähnliche Prozesse ab. Ich habe auch das Vertrauen der Schauspieler gespürt.»

«Ich mag es, mich selber herauszufordern, nicht stehen zu bleiben, Neues auszuprobieren.»

Nina Halpern, Theaterpädagogin

An junge Frauen, die sich für Theater interessieren, richtet Nina Halpern ihren Rat: Angst und Unsicherheit dürften ein Teil des Weges sein, den man gehe. Dennoch müsse man sich den Möglichkeiten stellen, die sich böten. So hält sie es auch weiterhin für sich selbst. Sie steuert kein spezifisches Theater an oder hat eine konkrete Wunschliste an Stücken oder Ensembles, mit denen sie arbeiten will. Sie ergreift Chancen: «Ich wurde zum Beispiel von zwei Opernstudentinnen der HSLU angefragt, ob ich die Regie für ihr Bachelorprojekt machen würde. Erst möchte ich immer die Menschen kennen lernen, sehen, ob die Chemie stimmt. Und dann mag ich es, mich selber herauszufordern, nicht stehen zu bleiben, Neues auszuprobieren.»

So kommt sie auch zu Theaterprojekten in Russland oder im Kosovo, die sie mit dem Preisgeld des Förderpreises des Migros Kulturprozents realisiert. «Gerade führe ich Gespräche für ein Austauschprojekt mit Shanghai. So etwas kann ich ja nicht planen, sondern eine solche Chance muss ich ergreifen, wenn sie sich anbietet», sagt sie mit leuchtenden Augen. Doch erst steht am 22. November die Premiere des Aeternam-Stücks «Bandscheibenvorfall» auf dem Programm: «Die Zuschauer treffen auf fünf tolle Schauspieler, die sich neugierig und mit viel Spiellust auf einen amüsierenden und nachdenklichen Stoff einlassen», freut sich Nina Halpern.

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