Das scharfe Messer der Guillotine schwebt über Manuel Kühne. (Bild: zvg)
Kultur Rezension

Das scharfe Messer der Guillotine schwebt über Manuel Kühne. (Bild: zvg)

Mord im Museum – nichts für schwache Nerven

4min Lesezeit

Eine Leiche. Ein Tatort. Eine Tatwaffe. Gestern feierte die Theatertour zur Ausstellung «Tatort» Premiere im Historischen Museum. Die Tour dreht sich um die Ermordung des Fräuleins Degen im Luzern von 1891. Die Geschichte setzt auf die Fantasie der Zuschauer statt auf Spezialeffekte – und überzeugt gerade deswegen.

Nicole Aeschlimann

Margaritha Degen war eine gewissenhafte Lehrerin. Es lag Schnee, als sie am 14. Januar 1891 nicht nach Hause kam. Um 17.53 Uhr wurde sie an der Bahnschranke in der Bireggstrasse (ehemaliger Bahnübergang beim Neubad) zum letzten Mal gesehen. Sie war auf dem Weg nach Hause zu ihrem Vater gewesen. Dieser machte sich allmählich Sorgen und begann, nach ihr zu suchen. Um 21.00 Uhr fand er sie in der Nähe des Steghofs reglos im Schnee liegen – erdrosselt und ihrer äusseren Kleidung entledigt.

Das war die Ausgangslage, welche Schauspielerin Franziska Senn skizzierte. Darauf aufbauend wurde der ganze Fall ausgebreitet, wie er damals von der Polizei bearbeitet worden ist. Durch das schriftliche Festhalten der wichtigsten Fakten konnte der Besucher der Erzählung sehr gut folgen. Senn fungierte vorwiegend als Erzählerin. Sie nahm jedoch auch die Rollen der Zeugen, des Verdächtigen und der Ermittler ein. Die Darstellerin überzeugte in ihrem Spiel trotz einiger Versprecher. Ihre Wandelbarkeit liess einen mit den verschiedenen Figuren mitfühlen.

Franziska Senn erklärt den Tathergang.
Franziska Senn erklärt den Tathergang. (Bild: Historisches Museum Luzern)

Nichts für schwache Nerven

Die Geschichte kommt ohne Firlefanz daher – keine Spezialeffekte, keine heiklen Fotos. Das Team um Manuel Kühne (Regie) und Christoph Fellmann (Text) setzt auf die Fantasie der Zuschauer – und das funktionierte. Schauspielerin Franziska Senn entwarf in ihrem Spiel ein bedrückendes Bild der Geschehnisse. Als sie fragte: «Sie können einfach so hier stehen – neben dieser Guillotine?», und dann deren Funktionsweise beschrieb, wurde den etwa fünfundzwanzig Teilnehmern ganz anders zumute.

Doch weswegen wurde gerade dieser Mord für die Theatertour ausgesucht? Wie Regisseur Manuel Kühne erklärte, eignete sich dieser Fall besonders gut. Er fand zwar im vorletzten Jahrhundert statt, es gab jedoch genug Aufzeichnungen, die den Tatort, die Tatzeit und die involvierten Personen dokumentierten. Je länger ein Fall zurück liege, desto schwieriger werde seine Präsentation in Theaterform.

Was ist eine Theatertour?

Die Theatertouren des Historischen Museums bieten lebendige Geschichtsvermittlung. Man taucht ein in eine andere Zeit – in eine andere Welt. Die Touren starten im Foyer und spielen sich im Lager des Museums ab. Eine Gruppe von maximal fünfundzwanzig Personen wird von einer Schauspielerin oder einem Schauspieler in mehreren Stationen durch das Depot geführt. Dabei geht es nicht vorwiegend um die Vermittlung von Fakten, sondern darum, ein Feingefühl und Verständnis für die jeweiligen Gegebenheiten zu entwickeln.

Und der Mörder?

Mit vielen Requisiten, Videosequenzen und dem Spiel von Licht und Schatten lässt einen die Inszenierung eintauchen in eine reale Geschichte des vorletzten Jahrhunderts. Die ganze Story wird an dieser Stelle nicht verraten, nur so viel: Am Schluss gibt es einen Mörder. Dieser beteuert zwar seine Unschuld, legt aber kurz vor seiner Hinrichtung ein Geständnis ab. Ob er's war, kann bis heute nicht mit Sicherheit gesagt werden. Klar ist nur: Die verwendete Guillotine kann im Historischen Museum bestaunt werden.

Die Theatertour zur Ausstellung «Tatort» führt das Publikum auf die Spur eines der schwersten Verbrechen in der Geschichte des Kantons Luzern.
Die Theatertour zur Ausstellung «Tatort» führt das Publikum auf die Spur eines der schwersten Verbrechen in der Geschichte des Kantons Luzern. (Bild: Stefano Schroeter)

Zur Zeit werden vierzehn Theatertouren angeboten. Diese sind jeweils zu einer Sonderausstellung entstanden. Die Touren können auch besucht werden, ohne die Sonderausstellungen gesehen zu haben. Eine Theatertour ist im Museumseintritt enthalten und kann im Internet oder telefonisch reserviert werden.

Hinweis in eigener Sache: Im Oktober bezahlen Sie als Community Mitglied für die Tatortausstellung nur einen Eintritt und erhalten dafür zwei.

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