Die Architekten Martin Bucher (links) und Fabian Kaufmann sowie Intedant Numa Bischof Ullmann (Mitte). (Bild: jwy)
Kultur Musik

Die Architekten Martin Bucher (links) und Fabian Kaufmann sowie Intedant Numa Bischof Ullmann (Mitte). (Bild: jwy)

Das Luzerner Sinfonieorchester baut sich eine neue Heimat

6min Lesezeit 1 Kommentare

Das Luzerner Sinfonieorchester spielt zwar in einem der besten Konzertsäle, hatte aber bisher keine adäquate Heimatstätte. Das ändert sich nun: Beim Südpol entsteht ein Probenhaus und kreatives Zentrum für das Orchester. Noch fehlen allerdings drei Millionen Franken.

Der Zeitplan ist sportlich: Ende dieser Woche wird mit der Stadt der Baurechtsvertrag unterschrieben, bis Ende Jahr folgt die Baueingabe – für nächsten Frühling ist der Spatenstich geplant. So, dass das Luzerner Sinfonieorchester auf Ende 2019 seine neue «Heimatstätte», wie es der Intendant nennt, beziehen kann.

Vor dem Südpol, über dem jetzigen Parkplatz, entsteht ein dreigeschossiges neues Probenhaus für das ganze Orchester sowie ein neues Zentrum für die Kinder- und Jugendprogramme (zentralplus berichtete). «Kein Konzerthaus», sagt Numa Bischof Ullmann, um gleich möglichen Spekulationen vorzubeugen, sondern ein Erlebnis-, Arbeits- und Kreativzentrum – eine «Werkstatt für die Musiker». Zudem soll das Haus ein kinder- und familiengerechtes Ambiente für die Education-Programme bieten, die für das Orchester immer wichtiger werden.

Ein alter Wunsch

Seit es das Sinfonieorchester gibt, gab es den Wunsch, ein Probezentrum zu erhalten, in dem das ganze Orchester Platz hat. Zwar verfügt das Orchester mit dem KKL über einen Top-Konzertsaal – aber richtige Proberäume gibt es nicht. Zu eng und zu eingeschränkt seien die Verhältnisse dort, zudem können viele Musiker nicht zuhause in ihren Wohnungen proben.

Die Lösung: ein Neubau, wo das ganze Orchester, die einzelnen Musiker sowie Kammermusik-Ensembles eigene Räume erhalten. «Damit lösen wir dieses Problem für mehrere Generationen, das ist nicht selbstverständlich in der heutigen Zeit», sagt Numa Bischof.

So soll der Neubau des Sinfonieorchesters aussehen – im Hintergrund der Südpol.
So soll der Neubau des Sinfonieorchesters aussehen – im Hintergrund der Südpol. (Bild: Visualisierung zvg)

Ein Dreiklang beim Südpol

In Kriens wächst also das Kulturareal weiter: Südpol – mit Musikschule, Konzerthallen, Bistro und Theaterproberäumen –, die entstehende Musikhochschule gleich daneben und nun also der Neubau des Sinfonieorchesters. «Die bestehenden Bauten werden so zu einem Dreiklang erweitert», sagt Bischof. Das schafft neue Synergien, man will voneinander profitieren und schon viele Institutionen aus dem Luzerner Musikleben hätten Interesse angemeldet, die neuen Räume ebenfalls zu nutzen.

Diese Verschmelzung ist ganz im Sinne des Sinfonieorchesters: «Es entsteht ein Musikcampus, auf dem alle Generationen ein- und ausgehen.»

Altbekannte Architekten

Bedingung für die Architekten war, dass die heutigen Parkplätze bleiben. Das Luzerner Büro Konstrukt hat sich zusammen mit dem Zürcher Atelier Enzmann Fischer im Wettbewerb durchgesetzt. Sie haben Erfahrung in Luzern: Sie bauten seinerzeit die neue Universität und momentan die neue Musikhochschule.

Sie setzen den dreigeschossigen Neubau über die Parkplätze: Im ersten Stock gibt es zehn kompakte Einzelproberäume und Büros. Im zweiten Stock drei etwas grössere Räume für Registerproben und Kammermusik-Ensembles und im dritten Stock das Herzstück: der 370 Quadratmeter grosse Probesaal für das Orchester mit Top-Akustik. 80 Musiker sollen hier zusammen proben.

Der Platz erhält ein Gesicht

Das Gebäude soll sich mit dem Sheddach – wie es auch der Südpol hat – gut in die industrielle Umgebung einfügen. Der Neubau sei «Gebrauchsarchitektur» und wird auf Betonstützen stehen, die Metall-Fassade sei einfach und günstig gestaltet, sagt Architekt Martin Bucher. «Es ist ein preiswertes, subtil gestaltetes Kleid, aber doch in einem festlichen Gewand.»

«Ich bin für die grosse Sympathie unendlich dankbar.»

Numa Bischof Ullmann, Intendant Sinfonieorchester

Es ist vor allem der über 10 Meter hohe grosse Saal, der neue Möglichkeiten eröffnen soll. Im Vergleich zum heutigen Proberaum im KKL ist der grosse Klangkörper drei mal so gross und mehr als doppelt so hoch. Dies erlaubt eine flexible Nutzung, wo sich auch grössere Orchester inklusive Chor aufstellen können. Schallabsorbierende Vorhängen, Deckensegel in der Höhe und verkleidete Wände sollen für optimalen Schall sorgen.

Der Neubau wird ein Gesamtvolumen von etwa 11'000 Kubikmeter haben und den Südpol in der Höhe überragen, gibt aber dem Vorplatz ein Gesicht. Bäume und Grünflächen mit Sitzmöglichkeiten sollen den Zugangsplatz zusätzlich aufwerten.

Das Herzstück: der grosse Saal im dritten Stockwerk, wo das ganze Orchester proben kann.
Das Herzstück: der grosse Saal im dritten Stockwerk, wo das ganze Orchester proben kann. (Bild: Visualisierung zvg)

Zu zwei Dritteln finanziert

Das neue Probenhaus wird acht Millionen Franken kosten, finanziert wird das Vorhaben hauptsächlich von privaten Geldgebern. «Ich bin für diese grosse Sympathie unendlich dankbar», sagt Numa Bischof. Bauherrin und Eigentümerin wird die Stiftung für das Luzerner Sinfonieorchester sein, Betreiber der Trägerverein Luzerner Sinfonieorchester.

Zu zwei Dritteln ist das Projekt schon finanziert, fünf Millionen Franken sind zugesichert. «Das ist eine sehr schöne Wasserstandsmeldung», sagt Bischof. Das Fundraising geht jetzt weiter: Am 8. Juni gibt’s ein Benefizkonzert, das schon zu 75 Prozent ausgelastet ist. Und im Juni 2018 folgt eine Crowdfunding-Kampagne.

Keine Kosten für die öffentliche Hand

Die Stiftung wird auch einen Teil der Betriebskosten übernehmen, so dass dem Orchester und der öffentlichen Hand keine Kosten anfallen – aber das beruht erst auf Schätzungen. Den Rest will man durch Vermietung und weitere Nutzer finanzieren. «Wir sind offen für neue Leute, die sich beteiligen wollen, alle sollen sich eingeladen fühlen», sagt Numa Bischof.

Und zum Schluss doch noch ein Wink an die öffentliche Hand: «Wir würden es sehr willkommen heissen, wenn sich die öffentliche Hand ebenfalls beteiligt.» Denn das neue Haus ermögliche eine sehr «sinnvolle und breite Nutzung» und das Orchester erfülle einen öffentlichen Auftrag, so Bischof. Wohlwissend, dass die politische Realität in Luzern momentan anders aussieht.

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Kultur