Kulturmanagerin Eila Bredehöft hat das Rock the Docks, das heuer zum zehnten Mal in Zug stattfand, gross gemacht. (Bild: mam)
Kultur

Kulturmanagerin Eila Bredehöft hat das Rock the Docks, das heuer zum zehnten Mal in Zug stattfand, gross gemacht. (Bild: mam)

«Das Rock the Docks soll gratis bleiben»

11min Lesezeit 1 Kommentare

Zehn Jahre lang hat Eila Bredehöft das Zuger Musik-Festival «Rock the Docks» organisiert, jetzt hört sie damit auf. Im Interview mit zentralplus verrät sie, warum das so ist und was in Zukunft aus dem Gratis-Openair am Zuger Seeufer wird.

Markus Mathis

zentralplus: Das Jubiläumsfestival von Rock the Docks fand vor eineinhalb Wochen ohne Hauptact statt. Was war los?

Eila Bredehöft: Nun, der Headliner vom Freitag – Nemo – trat zum Glück auf, auch wenn es dabei regnete. Am Samstag hätten dann Shantel & Bucovina Club Orkestar in Zug spielen sollen – und die blieben in Polen stecken. Sie hatten Schwierigkeiten wegen starkem Verkehr, geschlossenen Mautstellen und der Ruhezeit ihres Busfahrers und hätten es erst morgens um drei Uhr nach Zug geschafft.

zentralplus: Kommt sowas öfter vor?

Bredehöft: Nein, mir ist es zum ersten Mal passiert, dass die Hauptband absagt. Als Trösterchen tritt Shantel nun am siebten Dezember in der Galvanik auf. Die Gage hatten wir der Band schon überwiesen, deshalb wird der Eintritt für die Besucher wie am Rock the Docks frei sein.

«Mir ist es zum ersten Mal passiert, dass die Hauptband absagt.»

zentralplus: Warum bringt ihr dauernd diesen Balkan-Sound am Rock the Docks? Vielen wäre Rockmusik doch lieber und das Fesstival heisst ja auch so?

Bredehöft: Wir haben nun über zehn Jahre Erfahrungen gesammelt und festgestellt, dass Balkan-Bands als Hauptact am zweiten Abend die meiste Stimmung bringen. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass das Publikum an unserem Gratis-Openair sehr gemischt ist. Balkan-Sound geht ab, die Musik ist tanzbar und die Bands haben das Publikum noch jedes Mal zum Kochen gebracht.

zentralplus: Rockbands können das nicht?

Bredehöft:Wir hatten schon ziemlich grosse Bands aus der Indie-Rock-Szene, bei denen der Funke einfach nicht übergesprungen ist – wenn ich etwa an Blood Red Shoes oder Sons & Daughters denke. Deswegen haben wir uns auf das verlegt, was bei unserm Rock-the-Docks-Publikum funktioniert: An einem Abend tritt ein Headliner aus dem Urban-Bereich – Hip Hop, Reggae – auf, am Rock-Abend gibt es Sound, der tanzbar ist und abgeht.

Das alte Bürgerspital auf der Schützenmatt in Zug: Backstage für Rock the Docks.
Das alte Bürgerspital auf der Schützenmatt in Zug: Backstage für Rock the Docks. (Bild: mam)

zentralplus: Warum fand das Festival zur gleichen Zeit wie das Jubiläumsfest des EV Zug statt?

Bredehöft: Man müsste die Frage umdrehen: Warum fand das Jubiläumsfest zur gleichen Zeit wie das Rock the Docks statt? Als wir im vergangenen Winter die Bewilligung für unser Festival einholten, war noch nichts über einen EVZ-Anlass bekannt. Das Rock the Docks ist ohnehin immer zur selben Zeit – eine Woche nach der Zuger Jazznight. Vor zehn Jahren gabs an diesem Datum im Kanton Zug noch keinen anderen Grossanlass. Das hat sich geändert. Damit muss man leben. Wir mussten auch schon mal damit klarkommen, dass die Streetparade in Zürich zur selben Zeit stattfand wie das Rock the Docks.

zentralplus: Nach zehn Jahren Rock the Docks wollen Sie es nicht mehr organisieren. Hat Ihnen der Regen am letzten Wochenende den Rest gegeben?

Bredehöft: Nein, den Entschluss hatte ich natürlich schon vorher gefasst. Klar, das Festival ist so etwas wie mein Baby: Ich habe es aus der Taufe gehoben, ihm den Namen gegeben und wollte auch unbedingt noch die zehn Jahre vollmachen. Ich wäre auch nicht zurückgetreten, wenn ich nicht einen tollen Nachfolger gefunden hätte. Aber ich habe mittlerweile Familie. Mein Mann ist technischer Leiter des Festivals und unser älterer Sohn kommt in den Kindergarten. Wir können die Kids nicht mehr so leicht bei Verwandten und Bekannten unterbringen und da war es Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen und etwas Neues möglich zu machen.

zentralplus: Hören Sie auch auf, die Galvanik zu managen?

Bredehöft: Nein, auf keinen Fall. Ich mache weiter. Schliesslich habe ich eine Familie zu ernähren und die Arbeit macht mir unglaublich Spass.

zentralplus: Gibt es etwas, das Sie beim Rock The Docks speziell genervt hat?

Bredehöft: Ja, die ständigen Diskussionen um die Länge des Konzertabends waren mühsam. Wir haben die strikte Auflage, um 23.30 Uhr die Musikanlage abzuschalten, nachher darf kein Ton mehr zu hören sein. Aber Rock the Docks ist eine Veranstaltung im Bereich der Jugendkultur – viele junge Leute gehen überhaupt erst in den Ausgang, wenn wir aufhören. 

«Viele junge Leute gehen überhaupt erst in den Ausgang, wenn wir aufhören.»

zentralplus: Welches war das schönste Erlebnis in den zehn Jahren?

Bredehöft: Ich erinnere mich gern an den Auftritt von Donots im vierten Jahr. Damals war das Festivalgelände proppevoll. Ich kletterte aufs Dach des Mischerturms, schaute über die Menge und dachte mir: Diese Leute sind alle wegen uns hier. Wegen der Arbeit, die wir im OK verrichtet haben. Das war ein erhebender Moment.

zentralplus: Wie viele Leute passen auf die Schützenmattwiese?

Bredehöft: Im zweiten Jahr, als Stress einer unserer Hauptacts war, hatten wir etwa 3'000 Zuschauer. Allerdings hatten wir uns in dem Jahr auch ein wenig übernommen. Danach haben wir das Festival nach innen weiterentwickelt, sind effizienter geworden, fokussierter.

zentralplus: Trügt der  Eindruck, oder waren früher mehr internationale Bands am Zuger Hafen zu sehen?

Bredehöft: Nein, wir hatten früher schon zwei internationale Acts und die haben wir immer noch. Was geändert hat, ist die Besetzung des zweitletzten Slots auf der Hauptbühne am Samstagabend – also des Konzerts um 20 Uhr. Anfangs trat eine Band von ausserhalb der Region auf – eine bekannte Schweizer Band. Seit einigen Jahren vergeben wir den Platz an eine Zuger Band, das hat sich bewährt.

zentralplus: Inwiefern?

Bredehöft: Die Zuger Bands reissen sich darum, am Rock the Docks aufzutreten und sie sind auch in der Lage, viel Publikum anzuziehen. Wir hatten in den letzten Jahren etwa Fratelli-B, die das geschafft haben, heuer war es Mindcollision. Die Zuger Bands spielen überdies alle für die selbe Gage, die sehr niedrig ist. Das hilft beim Organisieren. Denn die Kosten steigen ständig, das Budget bleibt aber gleich.

zentralplus: Wo sind denn die Kosten innerhalb von nur zehn Jahren gestiegen?

Bredehöft: Alles wird teurer: Die Zeltmiete, die Technik, die ganze Infrastruktur. Ich drehe jeden Rappen um.

«Ich drehe jeden Rappen um.»

zentralplus: Finden Sie eigentlich genügend Helfer für das Gratis-Openair?

Bredehöft: Ja, obwohl es schwieriger geworden ist. Für den Auf- und Abbau zahlen wir mittlerweile eine kleine Pauschal-Entschädigung, weil sich unsere Freiwilligen dafür an ihrem Arbeitsplatz extra freinehmen müssen. Alles andere – Infostand, Bar, Troubleshooting werden immer noch zu hundert Prozent unentgeltlich erledigt.

zentralplus:  Nach zehn Jahren Rock the Docks treten gleich drei Leute aus dem OK zurück: die Präsidentin, der technische Leiter und die Restaurations-Verantwortliche. Ist nächstes Jahr überhaupt noch ein Openair möglich?

Bredehöft: Klar. Im Organsiationskomitee gibt es die Regel, dass jede und jeder für einen Nachfolger sorgt, wenn er zurücktritt. Die Leitung des Festivals übernimmt Martin Riesen, darüber bin ich wirklich sehr froh. Der neue technische Leiter Andri Urfer stand heuer schon am Mischpult und die Leitung der Restauration wird voraussichtlich Pascal Bühler, der Barchef in der Galvanik, übernehmen.

Blickt gespannt in die Zukunft: EVA-Lab-Präsident Martin Riesen.
Martin Riesen übernimmt die Hauptverantwortung bei der Organsiation des Zuger Openair-Festivals Rock the Docks. (Bild: fam)

zentralplus: Wo sehen Sie das Rock the Docks in zehn Jahren?

Bredehöft: Es wird Sache der künftigen Organisatoren sein, das Festival zu entwickeln. Mir war es wichtig, alles in gutem Zustand zu übergeben und das haben wir geschafft: Wir erfüllen die umfangreichen Auflagen für eine Bewilligung, das Festival ist etabliert und anerkannt und die Finanzierung gesichert. Wir werden zu 60 Prozent von der öffentlichen Hand finanziert, haben Sponsoren und können einen kleinen Teil der Erträge selbst erwirtschaften. Deshalb ist es mir ein grosses Anliegen, dass das Rock the Docks auch weiter ein Gratis-Festival bleibt. Musik am Zuger Hafen mit Eintritt wäre nicht mehr Rock the Docks. Aber der neue Leiter Martin Riesen sieht das glücklicherweise genauso.

zentralplus: Wo gibt es denn Potential?

Bredehöft: Martin Riesen kommt aus der Kunstszene und ich glaube, in der Zusammenarbeit mit der bildenden Kunst eröffnen sich interessante Erweiterungsmöglichkeiten – ich denke an die Gestaltung der Umgebung, an Filme, Videos und Happenings.

«In der Zusammenarbeit mit der bildenden Kunst eröffnen sich interessante Erweiterungsmöglichkeiten.»

zentralplus: Wer hat eigentlich den Quallenhimmel für das diesjährige Festival entworfen? Der war sehr stimmungsvoll.

Bredehöft: Das war unsere Kommunikationsverantwortliche Laura Hürlimann in Zusammenarbeit mit dem Künstler Rafael Casaulta. Sie haben die Lämpchen entworfen und gebastelt. Dies ist übrigens ein Beispiel, in welche Richtung die Entwicklung beim Rock the Docks gehen könnte.

Die Organisatoren des Open Airs Rock the Docks lassen sich feiern.
Organisatoren des Openairs Rock the Docks 2017: Zum letzten Mal dabei Björn Bredehöft (links, Leiter Technik), Eila Bredehöft, 3. von links, (Gesamtleitung & Booking  und Corin Strimer, ganz rechts, Verantwortliche Gastronomie). (Bild: mam)

 

 

 

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Kultur