Strassenmusiker Cello Inferno sorgt mit Feuer für Aufsehen – und wegen seines Verstärkers immer wieder für Konflikte mit der Polizei. (Bild: zvg)
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Strassenmusiker Cello Inferno sorgt mit Feuer für Aufsehen – und wegen seines Verstärkers immer wieder für Konflikte mit der Polizei. (Bild: zvg)

Der bärtige Unbeugsame geht auf Unterstützungstour

5min Lesezeit

Der Luzerner Strassenmusiker Cello Inferno hatte die Schnauze voll und dachte bereits ans Aufhören. Weil er immer wieder mit den Gesetzeshütern in Konflikt kommt – und weil er jüngst in Basel sogar in eine Schlägerei geriet. Nun setzt er seine Hoffnung in einen neu gegründeten Verein, doch der Anfang harzt.

Einen der «beschissensten Tage» in seiner Karriere als Strassenmusiker hatte Marcello Palermo alias Cello Inferno kürzlich erlebt. Die Geschichte des aufmüpfigsten Luzerner Strassenmusikers ist um eine Episode reicher. Diesmal war nicht Luzern der Schauplatz, sondern Basel, und er schrieb danach auf Facebook: «Ich denke ernsthaft ans Aufhören!»

Hintergrund: Cello Inferno spielte am 25. Juni vor dem Basler Bahnhof, als ihn ein Besoffener belästigte und schliesslich in seinen Banjokoffer urinierte. Palermo wehrte sich und daraufhin kam es zu einer regelrechten Schlägerei, Security und Polizei mussten schlichten. Koffer, Handy, Stimmgerät waren ruiniert.

Das «Fass zum Überlaufen» brachte gleichentags ein Brief der Basler Staatsanwaltschaft wegen einer anderen Sache: Weil sich Palermo gegen eine Busse von 100 Franken wehrte, droht ihm nun in Basel ein Strafprozess.

Hier die Geschichte in Detail zum Nachlesen:

Es ist nichts Neues: Cello Inferno, der bärtige Unbeugsame, kommt immer wieder mit den Gesetzeshütern in Konflikt, lässt sich aber nicht unterkriegen und spielt weiter mit seiner selbst gebauten Gitarre, Kleinverstärker, Perkussion und der Feuer spuckenden Kaffeekanne. Dabei ist es immer wieder der Verstärker, der den Behörden ein Dorn im Auge ist, weil das auf der Strasse verboten ist. Palermo kann es nicht mehr hören: «Es ist, als würde man einem Schreiner die Stichsäge wegnehmen, das macht auch niemand.»

Ans Aufhören denkt Palermo aber nicht ernsthaft – im Gegenteil: Der Strassenmusiker trägt den Konflikt eine Ebene weiter. Dafür hat er den «Verein Strassenkunst Schweiz» gegründet. Ziel: Den Strassenkünstlern eine Stimme geben und sie «entkriminalisieren». Dies, weil die Bestimmungen immer strenger geworden seien. Was dazu führe, dass Strassenkünstler in ihrer Kunstfreiheit eingeschränkt seien, heisst es in den Statuten.

Schüür für Cello Inferno

Die Gründung des Vereins Strassenkunst Schweiz wird in der Schüür gefeiert: Freitag, 11. August, ab 20 Uhr. Unter anderem mit Konzerten von Cello Inferno, The Chamber Nihilists und The Monofones. Eintritt frei (Kollekte).

Spender sind gefragt

Der neue Verein versteht sich als Lobby und Sprachrohr gegenüber Behörden, im Vorstand sitzen neben Marcello Palermo als Präsident bis jetzt Jonathan Casu (Musiker und Jugendarbeiter) und Michel Werder (ebenfalls Strassenmusiker). Der Verein ist nicht gegen Regeln, wie er schreibt: «Es ist klar, dass das Benutzen des öffentlichen Raums Konflikte mit sich bringen kann und es Regeln braucht. Doch wir Strassenartisten sehen uns nicht als Störfaktor, sondern als Bereicherung.»

Palermo hat Strassenmusiker-Kollegen aus der ganzen Schweiz angeschrieben, bis jetzt gab es noch kaum Reaktionen. «Jeder Anfang ist schwer», sagt er etwas konsterniert. Die Solidarität – gerade auf Facebook – ist zwar jeweils gross. «Die Leute finden es super, was ich mache, das höre ich die ganze Zeit, aber das reicht nicht», sagt Palermo. «Ich kann die Leute, die spenden, an einer Hand abzählen.»

Marcello Palermo und die Polizei – eine ewige Geschichte. (Bild: Pawel Streit)
Marcello Palermo und die Polizei – eine ewige Geschichte. (Bild: Pawel Streit)

Unterstützung von der Schüür

Der Verein will nicht nur Sprachrohr sein, sondern in Zukunft auch die Bussen seiner Mitglieder tilgen. Dazu wird ein Fonds eingerichtet – und dazu braucht es zahlungswillige Mitglieder: Aktivmitglieder – also andere Strassenkünstler – zahlen 70 Franken pro Jahr, Passivmitglieder 40 Franken.

Daneben gibt’s immer wieder Solidaritätsaktionen: An der Kick-Ass-Award-Gala vom Januar gab’s eine Kollekte für das Startkapital und Unterstützung kommt vom Luzerner Konzerthaus Schüür. Am 11. August wird die Vereinsgründung mit Konzerten gefeiert. «Wir finden verstärkte Musik im Herzen der Schweizer Städte eine tolle Sache. Also stellen wir dem Verein zur Gründung unser Haus zur Verfügung. Our music is louder than your traffic, baby!», schreibt die Schüür.

Weil sich Cello Infernos Bussen über die Jahre summierten, gab es letztes Jahr bereits ein Benefizkonzert in der Schüür, bei dem 1’600 Franken für den Strassenmusiker zusammenkamen (zentralplus berichtete).

Als weitere Finanzierungsmöglichkeit zieht Palermo ein Crowdfunding in Betracht, aber das ist noch Zukunftsmusik. Er sieht den Verein als Experiment, als Basis, um Strassenmusiker zu vernetzen. Und er weiss: «Wir brauchen genügend Mitglieder, damit unsere Anliegen genug Gewicht kriegen.» Wenn das nicht gelingt, müsse man schauen, was das Ganze noch bringe.

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