Grösser als die Luzerner Hofkirche, am Samstag im Pavillon am See zu erleben: Dominic Schoemaker. (Bild: hae)
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Grösser als die Luzerner Hofkirche, am Samstag im Pavillon am See zu erleben: Dominic Schoemaker. (Bild: hae)

Junger Luzerner schaut den Königen deren Können ab

6min Lesezeit

Der junge Adligenswiler Dominic Schoemaker (23) singt zwar den Blues, aber er hat Grosses vor: Er will die Blues-Szene aufmischen. Internationale Stars halten ihn für äusserst talentiert und pushen ihn. Schliesslich musiziert er schon seit 19 Jahren. Und schaut seine Kunst den Königen ab. In Luzern tritt er am Samstag live auf.

Mathias Haehl

Der Blues, das ist doch diese Musik von schwarzen Baumwollpflückern, die mit Tränen in den Augen über ihre Gitarren streicheln und singen: «My Baby Left Me». Dazu klagen sie herzergreifend über ihre Erfahrungen mit Rassismus, Drogen und Armut, blicken dazu immerhin über weite Landschaften in samtene Sonnenuntergänge. Das klingt toll und geht an Herz und Nieren.

Der Blues ist eine einfache und packende Musik, die sich über Jahrzehnte seit Robert Johnson, Muddy Waters und B. B. King kaum geändert hat. Diese melancholische Musik spielt ein junger Mann aus Adligenswil, der wie das Gegenbild zum schicksalsgeplagten Bluesman ausschaut: Dominic Schoemaker sitzt hinter einer Ray-Ban versteckt im Café Luz, trinkt Ginger Ale und sieht ein wenig aus wie der populärste aller Pop-Stars, Justin Bieber. Blond, jung und ziemlich cool.

Dominic Schoemaker strahlt Coolness aus

Aber er hat einiges auf dem Kasten, nicht nur drin: Wenn er seine auf alt getrimmte Fender-Gitarre auspackt und für Fotos posiert, strahlt Dominic Schoemaker Coolness aus. Und man hört, live sei er noch viel besser als auf seiner EP «Downtown Stories», die mit sieben Songs diesen Freitag in einer Auflage von 1’000 Stück erscheint.

«Auf der Bühne bin ich ganz bei mir – und mir ist so wohl wie zu Hause.»

Dominic Schoemaker, Bluesman

Gut 100 Konzerte hat er schon gegeben, als Routinier sagt er: «Auf der Bühne bin ich ganz bei mir – und mir ist so wohl wie zu Hause.» Nachzuprüfen diesen Samstagnachmittag von 17.30 bis 18.15 Uhr im Pavillon am Quai. Am liebsten tritt er in kleinen Clubs auf, denn seine Musik lebt von der Intimität und der Nähe zum Publikum. Dort kann Dominic Schoemaker von grossen Gefühlen singen, wie etwa in seinem Laidback-Blues «Crazy Woman».

Drei Monate in Chicago gelernt

Diese «verrückte Frau» hat der Musiker in Chicago getroffen, wo er drei Monate die Sprache studierte sowie den Chicago-Blues lieben lernte. Die Frau im Song kann nicht Nein sagen und lässt sich immer wieder einen neuen Whiskey einschenken. Dominic Schoemaker: «Sie lebt jeden Tag, als wär’s der letzte.»

Ist das auch sein Lebensmotto? Er überlegt. «Nein, ich bin zielstrebig. Will mein Ding vorwärtstreiben.» Dominic Schoemakers Ding, das ist folgendes: «Ich will die Blues-Szene der Schweiz aufrütteln und zeigen, dass Blues auch etwas für junge Leute ist.» Dabei wird er unter anderem vom grossen Thuner Blueser Philipp Fankhauser unterstützt.

Im Video spielt Schoemaker seinen Song «When I First Met You»:

 

Auch Fankhausers Mitstreiter, Gitarrist Marco Jencarelli, steht Dominic Schoemaker zur Seite. Und der britische Fankhauser-Drummer Richard Spooner gehört zu seinen Supportern: Er schrieb mit Dominic Schoemaker die Songs, sorgte für das Artwork des Albums und spielte im Studio Schlagzeug.

Mittags Neues proben, abends spielen

Sie alle sehen das Talent von Dominic Schoemaker, seit der junge Luzerner im November neben ihnen auf der Bühne des Stadtkellers brillierte. Schoemaker erinnert sich: «Ich erhielt mittags einen Anruf, ob ich um 16 Uhr im Hotel Schweizerhof sein könnte, um zu proben und abends dann für den erkrankten Marco Jencarelli einzuspringen.»

Logisch, dass der motivierte Junggitarrist die Feuertaufe neben Blues-Meister Fankhauser mit Bravour bestand. Schliesslich spielt Dominic Schoemaker ja schon seit 19 Jahren. Zuerst klimperte er als Vierjähriger auf dem Piano seines Opas herum, dann wollte er aber doch lieber in die Saiten greifen. Und wünschte sich eine Gitarre.

Dominic Hirschi alias Schoemaker

«Meine Eltern unterstützen mich mit meinen musikalischen Ambitionen. Meine Mutter wollte, dass ich nicht in eine 08/15-Musikschule gehe, wo man mit der Blockflöte antanzt.» Also begann seine musikalische Ausbildung an der «Music & Drummer»-Schule in Luzern. Von seiner Mutter übernahm Dominic Hirschi, wie er richtig heisst, ihren holländischen Mädchennamen Schoemaker, «weil der besser für eine internationale Karriere taugt».

Der «Schuhmacher» hat also Grosses vor. Er suchte schon früh die Herausforderung: Als er die Schreinerlehre bestand, feierte er nicht mit den anderen den Abschluss – nein, er spielte an einer Party. Den Blues, der auch gerne mal zum Tanz auffordert. Zumal, wenn Dominic Schoemaker in die Saiten greift, mal Boogie-Anleihen macht oder es gerne auch rocken lässt.

Er spielt die grossen Blues-Kings

Er schaut viel den Blues-Königen ab: den drei Kings, Albert King, B. B. King und Freddie King. Von Albert singe er heute noch «I’m Doing Fine», übrigens auch zu finden auf der CD, zusammen mit sechs selbst komponierten Liedern.

«Aber wie der Blues unter die Haut geht!»

Dominic Schoemaker

Und was hört er selber gerne? Dominic Schoemaker mag die Amerikaner Gary Clark Jr. und Robert Cray oder die Tedeschi Trucks Band. Blues-Gegniedel mit langen Soli vom Feinsten. Schoemaker sagt: «Aber wie die unter die Haut geht!»

In der prominenten Fender-Fraktion

Dominic Schoemaker gehört zur Fender-Fraktion, zu der sich viele Prominente zählen, die nur auf die Produkte der US-Gitarrenbauer setzen oder setzten: nebst vielen Blues-Künstlern auch Jimi Hendrix, Bruce Springsteen oder Mark Knopfler (ehemals Dire Straits).

Aber eben, mit Verlaub: Das sind doch alles begnadete «alte Säcke». Überhaupt, spielt der Adligenswiler Jungspund nicht einen alten Blues-Zopf? – «Gar nicht», sagt der Bluesman, «auch wenn meine Freunde anfangs fragende Gesichter machten. Aber wenn sie mich und meine Band dann mal live erlebten, staunten sie nicht schlecht. Und holten dann zu Hause die alten Blues-Scheiben ihrer Väter aus dem Schrank …»

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