Kultur Rezension

Wo Kinder vor lauter Bäumen den Wald sehen

3min Lesezeit

Die Idee zur aktuellen Sonderausstellung des Naturmuseums Luzern «Wild auf Wald» ist originell, die Umsetzung leidet etwas am gar gross bemessenen Raum. Wer die Ausstellung jedoch zusammen mit Kindern mit ihren Augen durchwandert, wird mit zurückhaltend gehaltenen, im Detail jedoch zauberhaft ausgestalteten Exponaten belohnt werden.

Eliya Livas

«Wild auf Wald», so heisst die Ausstellung des naturama Aargau, die noch bis 29. Oktober im Naturmuseum Luzern zu bewundern ist. Der Name ist Programm: Lebensgrosse Karton-Bäume und -Sträucher sollen in die Welt des Waldes eintauchen lassen und Lust auf deren Entdeckung machen.

Die Ausstellung ist demnach auch als Entdeckungsreise angelegt: Die vielfältigen Perspektiven eines Waldes werden in vier Stationen durchmessen und berühren unterschiedlichste Bereiche rund um das Thema, vom Wachstum über Fauna und Flora bis hin zum Wandel und zur Nutzung des Lebensraumes Wald. Wissen wird dabei pfiffig und unkompliziert über die Anschauungsobjekte selbst vermittelt: Zu jedem Detail, das findige Kinderaugen neugierig und schnell ausmachen werden, bietet ein kurz gehaltener und dennoch informativer Text Auskunft.

Ein Eltern-Kind-Erlebnis

Die Ausstellung vermittelt teilweise absolutes Basiswissen, von dem den Erwachsenen unter den Besuchern vieles bekannt sein und sich der Besuch alleine kaum lohnen dürfte. Mit Kindern zusammen entsteht jedoch durch geschickte Auswahl von Wissen eine Win-Win-Situation: Wissenswertes rund um den Wald und sogar teilweise wissenschaftlich komplexere Themen werden durch leuchtende Grafiken und eingängige Texte kurz und verständlich erklärt.

Sowohl Kind als auch erwachsene Begleitperson werden Freude an Absurditäten der Waldwelt haben, wie etwa am kuriosen Schleimpilz, der weder Fisch noch Vogel ist. Als erwachsene Begleitperson lohnt sich dabei der Blick in das Begleitheft, in dem viele weiterführende, knapp gehaltene, wissenschaftliche als auch anthroposophische Anekdoten enthalten sind.

Unter diesem Gesichtspunkt lässt sich die etwas schwache Inszenierung der intelligent konzipierten Exponate gut verzeihen. Diese leiden unter der allzu weitläufigen Verteilung der wunderschönen Karton-Pflanzenwelt und dem grellen Licht. Beim erwachsenen Besucher will sich so leider kein Wald-Feeling einstellen. Die Kinder werden sich aber, wie zu beobachten war, sofort auf die liebevollen Details stürzen und das ausgestopfte, aber freundlich blickende Reh streicheln wollen. 

Lust auf den echten Wald

Es stellt sich noch die Frage, ob die Ausstellung auf das Thema Wald sensibilisiert. Die Frage lässt sich insofern beantworten, als dass «Wild auf Wald» weniger auf den Umgang mit Letzterem aufmerksam macht, dafür umso mehr auf die vielen kleinen Wunder, die in einem so einzigartigen Lebensraum existieren – die Ausstellung macht Lust, diese Wunder im «echten» Wald zu entdecken. 

Altersempfehlung: 4–10 J. mit Begleitperson. Bis 29. Oktober 2017. Weitere Informationen: www.naturmuseum.ch

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