Am Donnerstag war der Sonnenberg bereits zahlreich bevölkert. (Bild: pze)
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Am Donnerstag war der Sonnenberg bereits zahlreich bevölkert. (Bild: pze)

Die Hoffnung liegt im Detail

6min Lesezeit

Das diesjährige B-Sides ist mehr als ein Festival, es ist ein gross angelegtes Kunstprojekt. Die Organisatoren schaffen in aller Konsequenz eine optimistische Parallelwelt mit einer wichtigen Botschaft auf dem Sonnenberg. Der einzige Kritikpunkt ist die Headlinerin des ersten Abends.

Pascal Zeder

Noch am Nachmittag entleerte sich der Himmel, es schien wie das reinigende Gewitter, bevor die Massen auf den Berg pilgerten. Danach blieb es den ganzen Abend trocken – erst in der Nacht regnete es wieder. Es war, als ob sich die Natur dem Optimismus der diesjährigen B-Sides-Episode beugte und brav mitspielte.

Es ist bereits die zwölfte Ausgabe des Luzerner Haus-Festivals auf dem Sonnenberg. Das Motto in diesem Jahr: «The Culture of Hope» – in all ihren Gestalten (zentralplus berichtete). 

Eine grosse Kunstinstallation

Kommt man an diesem Wochenende auf den Sonnenberg, erwartet einen am Festivaleingang eine Bänderinstallation. Die Idee: ein Band mitnehmen und auf dem Festivalgelände mit einem Wunsch für die Welt oder sich selber irgendwo anbringen.

Am Eingang des B-Sides: in der Nacht leuchtet die Installation blau.
Am Eingang des B-Sides: In der Nacht leuchtet die Installation blau. (Bild: pze)

Aber gleichzeitig taucht man, kommt man durch diesen Schleier, in diese Parallelwelt der Hoffnung ein, welche das B-Sides in diesem Jahr erstellt hat: Eine gelebte Gesellschaft des Optimismus. Wer das Gelände auf dem Sonnenberg betritt, wird Teil einer grossen Kunstinstallation.

Jetons aus Holz und Hoffnungsbuttons

Das Problem mit dieser Hoffnung ist, dass ihr die meisten Menschen mit Skepsis begegnen. Gerade deshalb darf man der B-Sides-Organisation in diesem Jahr für die Umsetzung ihres Mottos ein Kränzchen binden. Weil diese Idee der Hoffnung mit einer bemerkenswerten Konsequenz umgesetzt wird.

So sind beispielsweise die Depot-Jetons, die zu jedem Getränk oder jedem Essen gereicht werden, in diesem Jahr aus Holz. Das B-Sides-Logo ist auf jeden einzelnen Jeton eingebrannt, die Rondellen sind nicht einfach in Plastik gegossen. Auch wenn es vielleicht illusorisch ist zu glauben, dass Aktionen wie diese in der Welt etwas verändern können, wirkt gerade der hoffnungsvolle Optimismus dieser kleinen Geste inspirierend.

«Weltfrieden» als optimistisches Ziel am B-Sides.
«Weltfrieden» als optimistisches Ziel am B-Sides. (Bild: pze)

Auf der Herrentoilette steht der Spruch: «Es ist nicht so schlimm, wie es aussieht.» Eine wertvolle Botschaft – und scheinbar ansteckend: Auf dem Zeichenbrett auf dem Weg zur Aussichtsterrasse steht in Neonfarben: «Weltfrieden».

Ein anderes Detail: der «Buttomat». Auf verschiedenen Zetteln stehen Fragen wie: «Auf was hoffst du?» Die Antwort lässt man in einem Loch im Zahn des «Buttomaten» verschwinden – eine Viertelstunde später erhält man einen handgemachten Hoffnungsbutton zum Anstecken.

Introvertierte Headlinerin und «Kabel Trouble»

Daneben gab es natürlich auch die Musik. Diese verkam durch die Fokussierung auf das Thema in diesem Jahr fast etwas zur Nebensache – auch weil die Programmierung ebenfalls dem Hoffnungskonzept unterworfen wurde. Viele Bands in diesem Jahr haben Frauenbeteiligung (zentralplus berichtete) – ein optimistisches Zeichen gegen die männerdominierte Musiklandschaft und daher ein mutiges Statement.

Hannah Epperson: ausdrucksstarker Pop mit Geige und Loopgerät.
Hannah Epperson: ausdrucksstarker Pop mit Geige und Loopgerät. (Bild: Silvio Zeder)

Leider konnte Agnes Obel, eine international erfolgreiche Künstlerin, die B-Sides-Hauptbühne dann nicht ganz ausfüllen. Man kann sich die Dänin in einem verrauchten, dunklen Club vorstellen, in dem das Publikum ihrer glasklaren Stimme die volle Aufmerksamkeit schenkt – als B-Sides-Headliner war die Show aber zu introvertiert. Es fehlte die Energie, wie sie Destroyer oder The Notwist im vergangenen Jahr entwickeln konnte.

Aber es gibt wieder Bands zu entdecken: So war da am frühen Abend beispielsweise Hannah Epperson, die mit Geige, Loopgerät, elektronischem Beat und ihrer Stimme sorgfältig komponierten, experimentellen Pop produziert. Oder es gibt bekannte Gesichter zu sehen: Das Luzerner Trio Touch stellte neue Songs vor und erinnerte daran, wie gut die lokale Musiklandschaft eben ist – trotz kurzzeitigen Störgeräuschen wegen «Kabel-Trouble».

B-Sides bleibt das B-Sides

Ansonsten bleibt das B-Sides halt einfach das B-Sides. Die Bühnen aus Holz umgeben von Bäumen sind schön anzusehen und geben einem ein heimeliges Natur-Festival-Gefühl. Die Anwesenden sind angenehm entspannt – dabei ist es eher ein grosses Klassentreffen als ein Konzertpublikum. Die B-Sides-Wurst schmeckt noch immer sehr gut. Noch immer läuft, wer am 3-Fach-Übertragungswagen vorbeigeht, Gefahr, in einem spontanen Live-Interview blossgestellt zu werden.

Und nach wie vor ist das Festival bei Musik-Luzern be- und geliebt: Die restlichen zwei Festivaltage sind restlos ausverkauft. Das lässt hoffen, dass das B-Sides noch lange auf dem Sonnenberg bleibt.

 

Am Freitag spielen Acts wie Hermann (17.15 Uhr), East Sister (20.15 Uhr), und a=f/m (22.25 Uhr). Am Samstag findet am Nachmittag das Kinderprogramm statt, am Abend spielen Bands wie Nots (22.05 Uhr), Vsitor (22.25 Uhr) und King Ayisoba (00.25 Uhr).

zentralplus ist Medienpartner des B-Sides-Festivals.

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