Das Museum im Bellpark wirft mit der Ausstellung «Friedhof der Favoriten» einen Blick in die Geschichte des SC Kriens und seines Kleinfelds. Hier eine Mannschaft im Jahr 1976.
Kultur Rezension

Das Museum im Bellpark wirft mit der Ausstellung «Friedhof der Favoriten» einen Blick in die Geschichte des SC Kriens und seines Kleinfelds. Hier eine Mannschaft im Jahr 1976.

Vorsicht, Krienser Englisch: «Gommon Chriens!»

5min Lesezeit

Das Stadion gibt’s so nicht mehr, im August 2018 geht’s am alten Ort im neuen Sportzentrum weiter. Inzwischen spielt der Club im Emmer Gersag. Auf Deutsch: Der SC Kriens ist im Museum gelandet und wird in der Ausstellung mit dem schönen Titel «Stadion Kleinfeld. Friedhof der Favoriten» gewürdigt.

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Vergesst den FCL! Heute sowieso. Oder 1997, da hat er vom SCK bös auf den Deckel bekommen: Der Vorstadt-Underdog hat den grossen Stadtverein an die Wand gespielt. Und einst auch den FCB gebodigt, dito GC. Biblisch gesprochen: David gegen Goliath.

Im A (alias Super League) spielt der SCK zwar schon ein Weilchen nicht mehr. Der ewige Aussenseiter befindet sich zurzeit – noch – in der sog. Promotion League, um in der nächsten Saison in die Challenge League (Ex-Nati-B) aufzusteigen. So soll es sein, so der Fussballgott will. Eine Ausstellungstafel vermerkt optimistisch: «Die erste Mannschaft spielt in der Saison 2016/17 in der Promotion League und hat als Tabellenführer zum Zeitpunkt der Ausstellungseröffnung noch gute Chancen auf einen Aufstieg.»

«Der FC Basel ist tief im Elend. Kriens im Fussballhimmel.»

Glory Days: «Kriens spielte frei, frech und unkompliziert.» Das schreibt der «Blick» am  11. Mai 1997. Und: «Der FC Basel ist tief im Elend. Kriens im Fussballhimmel.» Sport-Schreiber Mario Widmer: «Bei Jörg Berger (FCB-Trainer, Anm. d. Red.) lagen die Nerven blank, als Kriens-Dries (SCK-Erfolgstrainer Jochen Dries) das Budget seines Teams nach dem Match mit dem Jahreslohn von Basel-Star Maurizio Gaudino verglich.» Tja. Übrigens: Das dritte Goal, ein Kopfball, gelingt in jenem Mai dem «ehemaligen Horwer Drittliga-Kicker Erni» («Blick»). Schlussstand: 3:0. Das waren noch Zeiten (wir waren dabei).

Stadion Kleinfeld
Stadion Kleinfeld

Aus jenen glorreichen Blüte- und Hochzeiten des SCK stammt auch der Ausstellungstitel, der sich folgendermassen erklärt: In der weiteren Welt der Schweiz war man auf den erfolgreichen Innerschweizer Aussenseiter – er schaffte es in den 1990er-Jahren zweimal in die Nati A, einmal, für eine Nacht von Samstag auf Sonntag, gar auf Platz 1 – aufmerksam geworden. Dem «Magazin» des Zürcher Tages-Anzeigers ist das in seiner Ausgabe 49/1997 einen 11-seitigen Artikel wert: «Ansichten aus dem Innern einer Mannschaft», Autor: Ruedi Leuthold, ein Emmenbrüggler. Er prägt in besagtem «Magazin»-Artikel den Begriff vom «Friedhof der Favoriten». Gemeint ist, dass auf dem Kleinfeld (vom «Tages-Anzeiger» schmählicherweise auch schon schludrig als «Kleinholz» tituliert) der kleine SCK die Grossen killt. Treffender wäre in sportivem Zusammenhang vielleicht die Bezeichnung «Waterloo» gewesen.

Adieu

Bis es das Stadion Kleinfeld überhaupt gab, ging es eine Weile. Immerhin gründet man in den 1920er-Jahren einen FC Kriens, gefolgt vom auch nicht langlebigen Rasensport Kriens in den 1930ern. Während des Zweiten Weltkriegs schlägt die Geburtsstunde des SC Kriens (14. Juni 1944). Getschuttet wird auf einem besseren Acker, geduscht in einem der naheliegenden Gasthäuser. Man hat dann bessere Plätze, aber eben noch kein richtiges Stadion. Das kommt erst 1969, gebaut übrigens vom selben Architekten, der auch das (alte) Berner Wankdorfstadion konstruierte (Virgilio Muzzulini). 1976 dann der Ausbau, so wie man das Kleinfeld zuletzt hat kennen können. Architekt: Paul Wolfisberg aus Horw, damals zufälligerweise auch Trainer des SCK. Diese Pracht ist nun endgültig und definitiv passé, inklusive Bierstand bei der Anzeigetafel. Und auch das Penalty-Stübli: Adieu!

Der SCK und das Kleinfeld: Eine kleine Sportgeschichte von Auf und Abs, die auch Dorfgeschichte und freilich auch ein Stück Kulturgeschichte darstellt.

Diese und manch andere Geschichte erzählt die Krienser Ausstellung. Mit vielen Fotos, historischen und aktuellen aus den letzten beiden Kleinfeld-Jahren 2015/16, mit wunderbaren Dokumenten wie einem Spielervertrag («Vereinbarung») aus dem Jahr 1975 (es gab ein 2.-Klass-Bahnabonnement und 100 Franken Sackgeld monatlich für den in Freiburg studierenden Tschütteler Niklaus Heri), mit Plänen und Baubudgets aus alten Zeiten sowie ein paar Memorabilien (Trikot, Pin, Tribünensitz, Mauerstück u.a.). Dazu kommen Videodokumente, vornehmlich Interviews mit Ehemaligen oder mit dem dem Kleinfeld zugeneigten Beni Thurnheer.

Der SCK und das Kleinfeld: Eine kleine Sportgeschichte von Auf und Abs, die auch Dorfgeschichte und freilich auch ein Stück Kulturgeschichte darstellt.

Der SCK zählt heute imfall 1’800 Mitglieder, 43 Mannschaften und allein 35 Juniorenmannschaften, wo 500 Nachwuchsspieler aus 31 Nationen unter 76 Trainern tschutten.

Ein Lebensziel in Bezug auf den SCK hätte sich der Schreibende noch gesetzt. Es ist die Dechiffrierung der wundersamen Krienser Fangesänge. Immerhin, «We are the boys in green» haben wir verstanden wie natürlich auch den ureigen idiomatischen, polyglotten Anfeuerungsruf «Gommon Chriens!» (von «Come on, Kriens!», aber eben auf Chrienser Englisch).

Die Ausstellung «Stadion Kleinfeld. Friedhof der Favoriten» kann man im Museum im Bellpark Kriens noch bis zum 29. April 2018 besuchen.

Text: Urs Hangartner

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit Kulturteil.ch entstanden und kann auch dort gelesen werden.

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