Der Daheim Park in Zug: Das Kunsthaus erwägt, hier einen unterirdischen Ausstellungsraum zu bauen, und will dafür die historische Stadtmauer untertunneln.
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Der Daheim Park in Zug: Das Kunsthaus erwägt, hier einen unterirdischen Ausstellungsraum zu bauen, und will dafür die historische Stadtmauer untertunneln.

Tunnel unter der historischen Stadtmauer: Geht das?

7min Lesezeit

Während drei Monaten wird das Zuger Kunsthaus wegen dringender Sanierungen demnächst geschlossen. Und nicht nur das: Der Musentempel soll langfristig wegen chronischen Platzmangels erweitert werden – mit einer wahnwitzig anmutenden Idee. Nun rächt sich die Vergangenheit um den gescheiterten Kunsthaus-Neubau.  

Wolfgang Holz

Stellen Sie sich das mal vor: Der Daheim Park in Zug, jene wohlige innerstädtische Naherholungsoase mit alten Bäumen, wo Kinder gerne schaukeln und Erwachsene beim Spazieren die Seele baumeln lassen, wird plötzlich zur lauten Baustelle im Tagebau. Mehrere Monate lang. Und das ist noch nicht alles.

Denn im Zusammenhang mit dieser Baustelle würde – im Stile eines gigantischen Maulwurfs – unter der historischen Stadtmauer hindurch ein Tunnel vom Zuger Kunsthaus zum Daheim Park gebuddelt. Wie bitte?! Eine auf den ersten Blick verrückt erscheinende Vision, deren Genehmigung sich man wirklich kaum vorstellen kann.

Doch die Verantwortlichen im Zuger Kunsthaus, genauer gesagt die Zuger Kunstgesellschaft, will diese Erweiterungsvariante ernsthaft prüfen lassen. Grund: Ein unterirdisches Kunstarchiv, wie vom russischen Künstler Ilya Kabakov angedacht, würde es dem Kunsthaus ermöglichen, mehr Werke seiner umfangreichen Sammlungen zeigen zu können.

«Denn so ein Erweiterungsprojekt muss schon ein bisschen sexy sein, um Motivation bei Sponsoren zu wecken.»

Richard T. Meier, Präsident der Zuger Kunstgesellschaft

Allein von der hochkarätigen Sammlung Kamm, die das Kunsthaus seit 1998 in ihren Mauern beherbergt und die faszinierende Werke der Wiener Moderne mit zahlreichen Schieles und Klimts enthält, schlummern viele Exponate  zumeist im Depot vor sich hin. Sprich: Die Öffentlichkeit bekommt sie nur sehr bruchstückhaft zu sehen.

Deshalb überlegt sich die Zuger Kunstgesellschaft nun Wege, fürs Kunsthaus, welches in der Zuger Altstadt an der Dorfstrasse ziemlich eingekesselt ist, doch noch irgendwie Platz zu schaffen.

Der Künstler Christoph Rütimann neben seiner Installation aus Nägeln und Brettern. Er will sich dort einigeln.
Der Künstler Christoph Rütimann neben seiner Installation aus Nägeln und Brettern. Er will sich dort einigeln. (Bild: woz)

Dabei favorisiert der Präsident der Zuger Kunstgesellschaft, Richard T. Meier, eben die Idee Kabakovs. Will heissen: ein unterirdisches Kunstarchiv im Daheim Park anzulegen. «Denn so ein Erweiterungsprojekt muss schon ein bisschen sexy sein, um Motivation bei Sponsoren zu wecken.»

Wobei noch gar nicht sicher ist, was dieser Tunnel unter der Stadtmauer und der unterirdische Ausstellungssaal im Daheim Park kosten würden. Dies soll im Herbst professionell geprüft werden. Wenn es zu teuer wird, bleibt das Ganze sowieso nur ein schöner Schein.  

Die anderen Erweiterungsvorschläge sehen vor, eventuell den Südflügel des Museums aufzustocken oder den Mini-Garten im Kunsthaus zu unterkellern. Nicht gerade besonders raumschaffende Alternativen. Zumal das Kunsthaus nach der Euphorie, welche das «Ship of Tolerance» von Ilya Kabakov letzten Sommer in der Zuger Bevölkerung geweckt hat, in den russischen Künstler von Weltrang verliebt zu sein scheint.

«Es bringt nichts, weiter von einem Kunsthaus-Neubau zu träumen.»

Richard T. Meier

Das eigentlich Irritierende an diesen Erweiterungsplänen des Kunsthauses ist die Tatsache, dass man den Mangel an Platz schon längst hätte aus der Welt schaffen können – hätte man die Kräfte für ein neues Kunsthaus gebündelt. Denn ein solches war ja schon fest eingeplant auf dem schönen Areal des alten Kantonsspitals, direkt am Zugersee.

Doch innerer Führungszwist, provinzielle Mutlosigkeit und vor allem ein dickes Finanzierungsloch liessen die Pläne am Ende platzen. Nun steht das Kunsthaus quasi mit dem Rücken zur Wand. Nicht zuletzt, weil man eben damals schon wusste, dass die Erweiterungsmöglichkeiten am jetzigen historischen Standort im Hof – wo das Kunsthaus seit 1999 untergebracht ist – gleich null sind.

Zu wenige Toiletten und Büros

Trotzdem will die Kunstgesellschaft in den jetzigen Räumen mit ihren lediglich 850 Quadratmetern Ausstellungsfläche auch in Zukunft bleiben. «Unterm Strich sind wir zwar noch immer hin- und hergerissen, doch bringt es nichts, weiter von einem Kunsthaus-Neubau zu träumen», stellt Meier klar. Man finde es schön und charmant hier in der Zuger Altstadt. Das ändert indes nichts an der grundsätzlichen Beengtheit.

Für Kunsthausdirektor Matthias Haldemann ist die Zukunft des Kunsthauses ein «Prozess».
Für Kunsthausdirektor Matthias Haldemann ist die Zukunft des Kunsthauses ein «Prozess». (Bild: woz)

Kunsthausdirektor Matthias Haldemann moniert sogar, dass im Kunsthaus nicht einmal genügend Büros und Toiletten zur Verfügung stehen. Eine Aussage, die aus dem Mund des Zuger Kunsthausdirektors ungewöhnlich bodenständig klingt. Denn für den Kunsthauschef, der gerne in schöngeistigen Sphären schwebt, ist die Zukunft des Kunsthauses nicht in Gefahr, gehe es doch immer um den «Prozess». Und dieser könne eben hin und wieder «konfliktär» verlaufen. Was immer das konkret bedeutet.

«Nach der Reparatur ist die Immobilie weit davon entfernt, top in Schuss zu sein.»

Roland Bruhin, Präsident des Stiftungsrats der Freunde Kunsthaus Zug

Nun wird vom 22. Mai bis 31. August das Kunsthaus erst einmal umfangreich saniert. Es regnet durchs Dach. Es braucht ein neues Beleuchtungssystem. Der Brandschutz und die Sicherheitsmassnahmen müssen modernisiert werden. Kostenpunkt: 1,2 Millionen Franken.

Davon tragen Stadt und Kanton insgesamt 450’000 Franken, den Rest berappen private Sponsoren. «Es werden nur die dringendsten Reparaturen vorgenommen», sagt Roland Bruhin, Präsident des Stiftungsrats der Stiftung der Freunde Kunsthaus Zug. «Auch danach ist die Immobilie weit davon entfernt, top in Schuss zu sein.»

Künstler Christoph Rütimann igelt sich ein

Nicht nur im Kunsthaus, sondern auch vor dem Kunsthaus wird gebaut – oder, besser gesagt, weitergebaut. Vom 19. Mai bis Ende August ist vis-à-vis des Kunsthauses das Werk «Eine Einigelung – unterwegs», sprich: der Umbau Zug von Christoph Rütimann zu sehen. Rütimann führt dabei seine langjährige Kooperation mit dem Kunsthaus Zug mit raumverbindenden Interventionen fort. Eine Einigelung kann als Abgrenzung des individuellen Raumes im öffentlichen Raum und als konzentrierter Rückzug gelesen werden.

24-stündige Performance

In einer 24-stündigen Performance von Dienstagmittag, 11. Juli, bis Mittwochmittag, 12. Juli, erhält die Kugel aus alten Brettern eine zusätzliche Innenschicht aus dem Abbruchmaterial des Kunsthaus-Umbaus. Das weitere Sommerprogramm lockt zum «Ship of Tolerance» von Ilya und Emilia Kabakov im Seebad Brüggli und weiteren Kunstwerken in der Stadt Zug von Heinz Gappmayr, Christoph Rütimann, Tadashi Kawamata und Roman Signer, die vom Kunsthaus Zug seit 1996 realisiert worden sind.

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