Luzerner Clubbetreiber diskutieren über die Gegenwart und die mögliche Zukunft der lokalen Szene. (Bild: Pascal Gut)
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Luzerner Clubbetreiber diskutieren über die Gegenwart und die mögliche Zukunft der lokalen Szene. (Bild: Pascal Gut)

Tag der offenen Tür – und keiner geht hin

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Am Samstag luden die fünf Häuser Südpol, Sedel, Schüür, Treibhaus und das Neubad Neugierige zu einem «Tag der offenen Club-Türen» ein, um interessierten Gästen einen Blick hinter die Kulissen zu bieten und miteinander über die Luzerner Clubkultur zu sprechen. Dumm nur, dass keiner kam.

Pascal Gut

Ausgehend von der Initiative der Schweizer Bar und Club Kommission (SBCK) und dem Verband Schweizer Musikclubs und Festivals (PETZI) öffneten am Samstag schweizweit über vierzig Clubs ihre Türen für neugierige Besucher. So auch in Luzern.

Geschäftsleiter vom Konzerthaus Schüür, Marco Liembd, erklärte uns im Vorfeld, was ihn als Mitveranstalter ganz besonders an dem Event interessiert: «Für mich steht im Vordergrund: Was wollen die Besucher vom Open Club Day bei uns abholen? Was wollen sie sehen? Was wissen?» Als Highlight sehe er jeweils auch die Pausen zwischen den Programmpunkten: «Gemeinsame Spaziergänge können Türen öffnen, inspirieren und die Gäste und Häuser einander näherbringen. Ich auf jeden Fall freue mich sehr darauf.»

Die neugierigen Fragen bleiben aus

Die Eröffnung des Tages der offenen Club-Tür findet auf der Terrasse des Südpols unter strahlendem Sonnenschein statt. Die neugierigen Besucher und ihre Fragen bleiben allerdings aus. Der Nachmittag entwickelt sich so eher zu einem Treffen unter Kollegen als zu einer öffentlichen Veranstaltung.

«Wir müssen mit mehr Selbstvertrauen auftreten und den Leuten die Bedeutung unserer Häuser für die Gesellschaft aufzeigen.»

Beat Junker, Präsident PETZI

Davon lassen sich die Clubveteranen aus den verschiedenen Häusern allerdings nicht die Laune trüben und nutzen den Nachmittag für den gemeinsamen Austausch über ihre Kulturarbeit und deren soziale Bedeutung.

Beat Junker, Präsident vom PETZI, der extra nach Luzern gekommen ist, ruft dann auch dazu auf, dass die Clubs offensiver an die Öffentlichkeit treten sollen. Insbesondere die politische Lobbyarbeit gewinne immer mehr an Bedeutung, stellt er fest. «Wir müssen mit mehr Selbstvertrauen auftreten und den Leuten die Bedeutung unserer Häuser für die Gesellschaft aufzeigen.» In der Schweiz seien rund 17’000 Freiwillige und 4’000 Festangestellte in Clubs und Kulturbetrieben tätig, und über 2 Millionen Besucher nutzen ihr Angebot.

Kreative Freiräume, nicht Raucherhöhlen

Junker erklärt weiter: «Viele Leute haben immer noch das Bild von Clubs als schummrige Räume, in denen nur rumgehängt, geraucht und getrunken wird. In Wahrheit bieten wir den Menschen kreative Freiräume, in denen neue Ideen entwickelt und ausprobiert werden können.»

Die fehlende Anerkennung für das, was die Clubs und Kulturbetriebe leisten, führt Junker auch darauf zurück, dass die verschiedenen Häuser dieses Bild zu wenig klar transportierten und insbesondere in der politischen Lobbyarbeit noch in den Kinderschuhen steckten.

Mit von der Partie war auch Grossstadtrat Mario Stübi (links) sowie Beat Junker von PETZI.
Mit von der Partie war auch Grossstadtrat Mario Stübi (links) sowie Beat Junker von PETZI. (Bild: Pascal Gut)

Man wünscht sich eine gemeinsame Stimme

Deswegen sei es wichtig, dass die Clubs mit einer gemeinsamen Stimme auftreten und Medien und Politik eine klare Ansprechperson bieten würden, meint der eingeladene Grossstadtrat Mario Stübi, der als DJ selbst viel Cluberfahrung mitbringt, wie er betont. Auch für ihn ist klar, die Clubs leisten einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag.

Dass die Stimme der Clubs allerdings noch nicht so wahrgenommen wird, zeigt sich nicht zuletzt am fehlenden Interesse vonseiten der Medien und Politik an diesem «Tag der offenen Club-Tür».

Gegenwärtig besteht für die Clubs und Kulturbetriebe Luzerns das grösste Problem gemäss Marco Liembd in der Clubdichte: «In Sachen Konzerten ist es die Herausforderung, dass die Häuser gut aneinander vorbeibuchen. Das koordinieren wir mit einem gemeinsamen Kalender, was im Grossen und Ganzen ganz gut klappt.» In Sachen Clubbing habe Luzern im Moment den einen oder anderen Club zu viel.

«Aber eine solche Dichte habe ich als eingesessener Luzerner noch nie erlebt.»

Marco Liembd, Geschäftsleiter der Schüür

«Obwohl es mir schwerfallen würde zu entscheiden, welche Clubs das dann wären», ergänzt Liembd. «Aber eine solche Dichte habe ich als eingesessener Luzerner noch nie erlebt. Für den Gast ist das toll, er geniesst eine breite Auswahl. Die Clubs verlieren aber wohl hie und da Gäste, weil mit dieser Dichte eine inhaltliche Überschneidung fast nicht zu vermeiden ist.»

Der Anstoss für eine engere Zusammenarbeit?

Auch etwas später beim Bier im Keller des Neubads bleibt die Runde unter sich. Dem Austausch untereinander jedenfalls hat der Open Club Day nicht geschadet. Die gemeinsame Vorbereitung dieses Events habe dazu geführt, dass sich die Clubvertreter wieder öfters getroffen und ausgetauscht haben.

Diese Zusammenarbeit war für alle eine tolle Erfahrung, wird unisono betont. Vielleicht stellt der erste «Tag der offenen Club-Tür» also nur den ersten Schritt hin zu einer punktuell engeren Zusammenarbeit der Luzerner Kulturbetriebe und Clubs in punkto Öffentlichkeitsarbeit und politischem Lobbying dar. Schön wäre es jedenfalls, wenn der zweite Schritt etwas mehr Aufmerksamkeit erfahren würde und so eine breitere Debatte zwischen Clubs, Publikum und Politik entstünde.

Weiter zu Lo & Leducs Soundcheck

Für die muntere Clubrunde geht es jetzt jedenfalls weiter ins Treibhaus. Als nächste Programmpunkte stehen Hausführungen und weitere Gespräche auf dem Programm, abgerundet durch einen Besuch bei Lo & Leduc beim Soundcheck in der Schüür und schliesslich an einem  Konzert des französischen Punk-Trios Decibelles und dem Support Vorwärts im Sedel. Spätestens dann dürften sich einige interessierte Besucher zur Gruppe hinzugesellt haben.

 

 

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