«Songs schreiben, recorden, Konzerte spielen – das macht uns glücklich»: Marash & Dave. (Bild: zvg/Janosch Abel)
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«Songs schreiben, recorden, Konzerte spielen – das macht uns glücklich»: Marash & Dave. (Bild: zvg/Janosch Abel)

«Wir bereuen exzessives Feiern»

7min Lesezeit

Die beiden Luzerner Rapper Marash und Dave haben gerade ihr Debüt herausgebracht und diesen Freitag geht die Plattentaufe in der Schüür über die Bühne. zentralplus sprach mit den beiden über das neue Album, die Suche nach dem Glück und über das Geheimnis des Kleiderbügelns.

Pascal Gut

Am 7. April ist «Gold» in den Handel gekommen, das offizielle Debütalbum der Hip-Hop-Combo Marash & Dave. Die beiden jungen Luzerner haben sich bereits zuvor mit selber produzierten Songs eine treue Fanbasis geschaffen. Damals wie heute kombinieren sie in ihrem Sound harten Mundart-Rap mit melodiöser Popmusik und brechen damit bewusst mit den Genregrenzen.

Schon seit rund zehn Jahren machen die beiden leidenschaftlich Musik – seit vier Jahren gemeinsam. Kennengelernt haben sich Marash Pulaj und David Largier, wie sie mit bürgerlichem Namen heissen, 2008 im Alter von 14 Jahren über die soziale Plattform Myspace.

Am Anfang ihrer Freundschaft haben sie sich über «Verschwörungszeugs» unterhalten, sind bald darauf gemeinsam um die Häuser gezogen und haben viel Blödsinn angestellt, wie sie selbst sagen. Heute, mit 22 und 23 Jahren, rappen die beiden über die Suche nach dem Glück.

In der Woche vor der Plattentaufe waren die beiden stark ausgelastet. Die Fragen zu ihrem neuen Album und ihrer Freundschaft beantworteten sie deshalb per E-Mail.

zentralplus: Am 7. April ist Ihr Debütalbum erschienen. Was haben Sie an dem Tag gemacht?

Marash: Der Wecker hat uns an diesem Tag bereits um 5 Uhr morgens aufgeweckt. Wir hatten den ganzen Tag Promotion-Termine, vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Anschliessend sind wir mit Freunden und Fans unser Album im «Ex Libris» kaufen gegangen und haben dann ausgelassen gefeiert.

zentralplus: Wie waren die Reaktionen bisher?

Dave: Die Reaktionen sind unglaublich – wir sind beide überwältigt. Da unser Album verschiedene Facetten beinhaltet, gibt es unter den Songs auch sehr unterschiedliche Favoriten bei den Hörern. Die meisten Rückmeldungen haben wir zum Song «Mango feat. LCone» erhalten – der passte sehr gut zum Frühlingswetter.

zentralplus: Gibt es einen Song auf dem neuen Album, der Ihnen im Moment ganz besonders viel bedeutet?

Marash: Was die Message betrifft, ist «Real» bestimmt einer der persönlichsten Songs. Darauf erzählen wir unsere ganze Geschichte und erlauben Einblicke in unsere Vergangenheit.

Ergänzen sich Prima: Marash (rechts) und Dave.
Ergänzen sich prima: Marash (rechts) und Dave. (Bild: Janosch Abel)
zentralplus: Wie lange haben Sie am Album etwa gearbeitet?

Marash: Über zwei Jahre – so lange wie noch nie zuvor.

zentralplus: Wo können Sie am besten an neuen Songs arbeiten?

Marash: Die meisten Texte entstehen, wenn wir alleine im Zimmer sind. Dort fühlen wir uns ungestört und können uns am besten konzentrieren. Es kommt aber immer öfter vor, dass wir gewisse Refrains oder Texte direkt im Studio schreiben. Das Experimentieren vor Ort hat uns enorm weitergeholfen.

zentralplus: Und wo finden Sie Inspiration?

Dave: Wir zehren beide von Emotionen. Die besten Texte entstehen dann, wenn man intensive Phasen durchlebt. Die können sowohl positiv als auch negativ sein. So entstand auch diese Facettenvielfalt bei unserem Album «Gold» – es hat für jede Stimmung etwas dabei.

«Man findet in Luzern jede Art von Rap – die Szene ist sehr progressiv.»

Dave

zentralplus: Haben Sie Vorbilder in der Musik?

Marash: Konkrete Vorbilder, an denen wir uns orientieren, haben wir nicht. Jedoch spielt die Musik, die wir privat hören, eine grosse Rolle beim Songschreiben. Ich höre momentan viel Reggaeton von Nicky Jam und Grime von Skepta.

Dave: Ich bin zurzeit mehr in einer Pop-Phase und höre sehr viel The Weeknd.

zentralplus: Was zeichnet die Luzerner Hip-Hop-Szene aus?

Dave: Die Offenheit ist sehr charakteristisch. Man findet in Luzern jede Art von Rap – die Szene ist sehr progressiv.

zentralplus: Im Song «Mine» erzählen Sie eindrücklich von der Suche nach dem Glück, was oft auch trügerisch ist. Woran haben Sie erkannt, was Sie glücklich macht?

Marash: So wirklich erkannt haben wir es auch noch nicht. Wir wissen nur, dass die Musik eine Konstante bei uns ist. Songs schreiben, recorden, Konzerte spielen – das macht uns glücklich. Das begleitet uns schon seit 10 Jahren, also schon unser halbes Leben lang.

zentralplus: Sind Sie auch schon trügerischem Gold begegnet?

Marash: Das exzessive Feiern ist oft trügerisch. Es mündet meistens in einer Routine. Statt eines Befreiungsschlags aus dem Alltag wird es zu etwas, das man bereut. Manchmal schafft man es, diese Gewohnheit zu durchbrechen, doch in der Regel hält das nicht lange.

Der Videoclip zum Song «Alli Uhre»:

 

zentralplus: Sie haben mal erzählt, früher hätten Sie sich viel über Verschwörungstheorien unterhalten. Wovon waren Sie besonders angetan?

Dave: Richtig, so kamen wir damals ins Gespräch. Wir haben beide diesen Verschwörungsfilm «Zeitgeist» gesehen und dachten im Alter von 14 Jahren, dass wir verstanden hätten, wie die Welt funktioniert. Wir unterhielten uns über Illuminaten, Nationalbanken und böse, mächtige Oligarchen. Zum Glück war das aber nur eine sehr sehr kurze Phase.

zentralplus: Marash, im Videotagebuch auf Youtube erfährt man, dass Sie sehr gut Kleider bügeln können. Was ist Ihr Geheimnis?

Marash: Übung macht den Meister. Nur wer regelmässig bügelt, kann so ein Profi wie ich werden.

zentralplus: Dave, wo im Haushalt kann Marash noch etwas von Ihnen lernen?

Dave: Marash ist faul, was die Küche betrifft. Ich räume die Küche auf und wasche ab, noch während das Essen kocht. Er lässt gerne alles einen Tag stehen.

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