Mit den Turmkellergeschichten wird für die Besucher des Heideggs ein Geschichts-Skizzenbuch geöffnet. (yab)
Kultur Rezension

Mit den Turmkellergeschichten wird für die Besucher des Heideggs ein Geschichts-Skizzenbuch geöffnet. (yab)

Mit Skizzen durch 800 Jahre Schlossgeschichte

3min Lesezeit

Das Schloss Heidegg ist das älteste Wohngebäude des Kantons Luzern. Welche Geschichten seine Mauern erzählen würden, erfahren die Besucher in einer neuen animierten Audiotour. Die Informationsdichte ist hoch, doch der heimliche Star der Ausstellung macht es gerade für jüngere Besucher wieder gut verdaubar.


Hoch über dem Baldeggersee thront das Schloss Heidegg. Dass es alt ist, sieht man seinem steinernen Anlitz schon von weitem an. Eine neue Rauminszenierung, die als reine Zentralschweizer Produktion realisiert wurde, dient als neuer Ausgangspunkt für den Museumsbesuch.

Der Turmkeller befindet sich gleich hinter der Kasse, nach einer kurzen Instruktion durch die Museumsmitarbeiterin geht’s los. Licht aus, Spot an: Direkt auf dem Mauerwerk erscheinen feine Striche, die an Kreidemalerei erinnern. Sie tanzen über die gewölbten Steine und skizzieren die Menschen, die im Laufe der Geschichte im Schloss wohnten. Eine Männerstimme führt in hochdeutscher Sprache und zackigem Tempo vom Hochmittelalter bis ins 20 Jahrhundert. Die Protagonisten werden von 13 Sprechern gesprochen und passen ihre Sprache teils an ein altertümliches Schweizerdeutsch an.

800 Jahre in 15 Minuten

Die Mauern erzählen von den ersten Herren von Heidegg und davon, dass die einflussreiche Stadtluzerner Ratsfamilie Pfyffer die adligen Herren im Laufe der Geschichte ablösten. Man sieht, wie sich der mittelalterliche Wohnturm zu einem barocken Schloss formt, sieht einen betrübten Pfyffer von Heidegg der sagt: «Seit der 30-jährige Krieg vorbei ist, fehlt das Geld an allen Ecken und Enden. Der Schlossausbau geht nicht vorwärts, es sieht mehr aus wie eine Ruine». In diesem Moment budelt Catalus, der kleine Hund und das Maskottchen des Films, das Heidegg zu.

Der Redefluss ist schnell und die Informationsdichte hoch, so sollte man aufpassen, vor lauter Informationen den roten Faden nicht zu verlieren.

Als nächstes erwarb der Staat Luzern das Schloss, musste es aber 150 Jahre später aus finanziellen Gründen wieder verkaufen. Dies kam Pfyffers wohlhabenden Nachfahren gerade recht und so kauften sie das Heidegg zurück und feierten eine rauschende Hochzeit. Die letzten in der Familienreihe, zwei Witwen, schenkten es dann 1950 endgültig dem Kanton Luzern, der im Turm ein Museum einrichtete. Soweit die Geschichte.

Viel Information, Gelungene Umsetzung

Besonders gelungen ist die Umsetzung von projezierten Strichzeichnungen auf das Mauerwerk, die sich von Wand zu Wand bewegen und einerseits dynamisch und modern, andererseits altertümlich wirken. Gezeichnet wurde die Schlossgeschichte von Animationszeichner Jonas Räber. Sein Zeichnungsstil orientiert sich an historischen Gemälden und wirkt dadurch authentisch. 

Die Geschichte der Menschen die im Heidegg lebten, wurde von Museumsleiter Dieter Ruckstuhl gesammelt und ist mit der Informationsdichte an der oberen Grenze. Dies machen jedoch die witzigen Charaktere, die Rauminszenierung und das akustische Erlebnis wieder wett und auch die Nebengeschichte um Catalus macht Spass: Der kleine freche Hund und heimliche Star der Geschichte wuselt durch die Epochen, steckt überall seine Nase rein, ziert auch das Ausstellungs-Plakat und dürfte besonders die jungen Gäste ansprechen.

Die Tour ist empfehlenswert und macht Lust auf einen Rundgang durchs Schloss. 

Das Schloss Heidegg hat von Dienstag - Donnerstag geöffnet, mehr Informationen finden Sie hier

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