Schnell wurde aus dem Rock’n’Roll ein Rausch fern der besinnlichen Osterfeiereien: Blind Butcher im Sedel. (Bild: Daniel Bühler)
Kultur Rezension

Schnell wurde aus dem Rock’n’Roll ein Rausch fern der besinnlichen Osterfeiereien: Blind Butcher im Sedel. (Bild: Daniel Bühler)

Österlicher Soundschmaus à la Dada

3min Lesezeit

Eine proppenvolle Plattentaufe und zwei überaus glückliche Musiker: Blind Butcher und ihr neues Werk «Alawalawa» brachten im Sedel auch den letzten Schoggi-Hasen zum Schmelzen.

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Plattentaufe. Horror. Gibt es gute Plattentaufen? Diese zähen Abende, die angebliche Nacht der Nächte einer jeden Band? Das ansonsten knackige 50-Minuten Set wird zum trägen Eineinhalbstünder aufgeblasen, aus der hinterletzten Ecke einer Bandhistorie wird noch ein uralter Song ausgegraben.

Resultat: Nach einer halben Stunde verliert das Publikum die Konzentration, nach einer Stunde die Lust. Es ist eben doch wie Silvester: Viel zu hohe Erwartungen im Vornherein, viel zu tiefer Ertrag im Nachhinein.

Nicht so bei Blind Butcher (hier gibt's mehr zur Band). Hier wird nix vorgegaukelt: Christian Aregger und Roland Bucher gehen von Anfang volle Kanne in ihr Set, ohne gross angekündigten Schnickschnack und irgendwelche erzwungenen Taufaktionen. Der Spass passiert im Sound, in diesen Stilmixstücken zwischen Disco, Rock, Punk, Country, Kraut, Dada, und, und, und. Auf der Bühne Instrumententanz, vor der Bühne Menschentanz. Wenn Bucher zum Discobeat anschlägt und Aregger in die Zerrsaiten greift, wird gefeiert. Basta.

Roland Bucher am Schlagzeug.
Ohne Schnickschnack, ohne Jacket: Roland Bucher am Schlagzeug. (Bild: Stoph Ruckli)

Trotz garstigen Wetterverhältnissen fand eine bunt gemischte Menschenschar am Samstagabend den Weg zum ehemaligen Gefängnis; der beste Ort für diesen wilden Konzertabend, inklusive einem bekannten Geburtstagskind hinter dem Tresen. Dementsprechend heiss wurde der Abend, selbst Bucher hinter den Kesseln musste sich seines Jackets bald entledigen – ein bärtiger Indianer in Clownshosen, so viel Narrenfreiheit muss sein.

Schnell wurde aus dem Rock’n’Roll ein Rausch, gen Ende fing sich das Publikum gar nicht mehr ein, Jubel, Trubel, fern der besinnlichen, katholischen Osterfeiereien. Zum Ausstieg ein Cover, Grauzones «Eisbär» à la Blind Butcher – konträr zur kühlen Metapher der Sedel am Brennen. Das hielt auch die Discokugel nicht mehr aus, die sich mit einem Knall verabschiedete.

Disco, Disco!
Disco, Disco! Für die Kugel war's zu viel. (Bild: Daniel Bühler)

Verabschieden ist das Stichwort: Vermutlich hätte die Show noch Stunden weitergehen können, doch Blind Butcher bevorzugten glücklicherweise den anschliessenden Austausch am Merchandise-Tisch dem eingangs angesprochenen Ausufern. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann stehen sie wohl noch heute dort, wollte doch eine Jede und ein Jeder gratulieren. Knackig und kraftvoll, rockig und rein: So soll eine Plattentaufe sein.

Text: Stoph Ruckli

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit Kulturteil.ch entstanden und kann auch dort gelesen werden.

Christian «Blind Banjo» Aregger (rechts).
Christian «Blind Banjo» Aregger (rechts). (Bild: Daniel Bühler)

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