Ein erfolgreiches Duo: Belia Winnewisser und Rolf Laureijs von a=f/m (Bild: zvg).
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Ein erfolgreiches Duo: Belia Winnewisser und Rolf Laureijs von a=f/m (Bild: zvg).

Das neue Luzerner Superduo pfeift auf Konventionen

7min Lesezeit

Sie haben einen unsäglichen Bandnamen und eigentlich keinen richtigen Plan, wie es weitergeht. Sie machen Pop und doch nicht wirklich Pop. Was bei anderen Bands das Ende bedeuten würde, katapultiert die Luzerner Band a=f/m erst richtig in die Startlöcher. Nun ist ihr Debütalbum da, aber auch das war komplizierter als gedacht.

Eigentlich haben Belia Winnewisser und Rolf Laureijs etwas falsch gemacht: Sie wählten einen kryptischen Bandnamen, den man sich kaum merken kann, und spielen Musik, gespickt mit einer ganze Reihe von Hall- und Delayeffekten, von denen ihnen im Studium immer abgeraten wurde. Doch so falsch kann die junge Luzerner Band a=f/m (ausgesprochen: «alpha equals f over m») nicht liegen: Kritiker vergleichen sie mit grossen Namen wie der Elektroband M83, unterstellen ihnen Weltformat oder sprechen gar vom Superduo. «Das beeindruckt mich eigentlich nicht», sagt Belia Winnewisser, lehnt sich entspannt zurück und zieht an ihrer selbst gedrehten Zigarette.

Rolf Laureijs hingegen gefällt, dass sie mit grossen Namen verglichen werden. «Nicht, weil es grosse Namen sind», präzisiert er. Sondern weil ihre Musik als professionelle Musik wahrgenommen werde. «Es zeigt, dass wir keinen Schulband-Charakter haben. Die Kritiker haben sich in unsere Musik reingedacht und über den Tellerrand von Luzern hinaus verglichen.» Damit verliere die Musik das Provinzielle. «Es spielt dabei keine Rolle, wer wir sind. Sondern was wir machen», ergänzt Belia.

Der Song «Ashes» vom kürzlich getauften Debüt der Band a=f/m: 

 

Pop und doch nicht nur Pop

Was sie machen, nennen sie Pop. Doch sie lassen sich nicht von einem Musikstil einengen: «Wir touchieren auch andere Genres», so Winnewisser. Sowieso scheinen die beiden Musiker gerne ihre (musikalischen) Freiheiten zu verteidigen. So arbeiten sie weder nach «man darf auf keinen Fall»-Aussagen von Theoretikern noch nach Marketingregeln.

«Das macht es nicht ganz einfach, mit uns zu arbeiten.»
Belia Winnewisser

Es beginnt beim Bandnamen, der meistens erst mal Fragezeichen produziert, und endet beim Booker, der den beiden mit der Peitsche nachrennen muss, wenn er etwas will, wie die beiden halb schmunzelnd, halb beschämt gestehen. «Das macht es nicht ganz einfach, mit uns zu arbeiten», sagt Belia Winnewisser. «Dafür sind wir voll dabei und stehen hinter dem, was mir machen», fügt Laureijs an.

Auch der Weg zum Debütalbum mit dem vielsagenden Titel «Download» sei daher einigermassen anstrengend gewesen, erzählt Winnewisser. Sie war in der Endphase des Projekts ein halbes Jahr im Ausland und nebst ihrer gemeinsamen Band haben beide Musiker auch andere Bands. Die Kommunikation musste vorwiegend per E-Mail ablaufen, das habe viel Mühe gekostet. Doch seit letztem Freitag ist das Album da und Winnewisser ist aufgeregt «wie vor einer Hochzeit». Zumindest stelle sie sich es so vor, sagt sie schmunzelnd.

«Wir treffen uns, jeder bringt seine Ideen und dann mischen wir unsere Farben.»
Belia Winnewisser 

Mit Planlosigkeit zum Erfolg

Winnewisser betont immer wieder, dass sie in erster Linie ehrliche Musik machen wollen. Und zwar solche, die ihnen Spass mache. Dafür pfeifen sie auf Konventionen und widmen sich lieber der Ästhetik oder der Poesie eines Titels. «Wir treffen uns, jeder bringt seine Ideen und dann mischen wir unsere Farben», erklärt sie den Produktionsprozess.

Das Resultat daraus sind eine Menge unterschiedliche Songs. «Irgendwann haben wir entscheiden, dass wir daraus ein Album machen könnten», erzählt Laureijs. Geplant sei nichts gewesen. «Daher hat das Album auch keine klare Linie, sondern ist mehr oder weniger eine Zusammenstellung unserer Songs.»

Harmonieren nicht nur stimmlich: Das Luzerner Duo a=f/m (Bild: zvg.) 
Harmonieren nicht nur stimmlich: Das Luzerner Duo a=f/m (Bild: zvg.) 

Auch künftig hätten sie nicht vor, mit einem Neunjahresplan alle drei Jahre ein Album nach einem bestimmten Schema zu produzieren, so der gebürtige Willisauer. Dass man ihnen bei der Herangehensweise an ein Album oder eben beim marketingtechnisch geeigneten Bandnamen eine gewisse Planlosigkeit vorwerfen kann, nehmen sie dafür gerne in Kauf. Ja mehr noch, sie suchen das sogar: «Indem wir solchen Dingen keine grosse Wichtigkeit geben, haben wir sehr viel mehr Leichtigkeit und Freiheit in unserem Schaffen», so Winnewisser.

Über allem die Freundschaft

Über all der Ästhetik, der Suche nach dem eigenen Stil, «die nie aufhören soll», wie Laureijs sagt, und den eingängigen Melodien steht ihre Freundschaft. Dass die beiden harmonieren, hört und spürt man nicht nur im Interview, wo sie sich immer wieder gegenseitig das Wort geben, gleichzeitig auf die laute Musik von der Baustelle nebenan reagieren und sich vertraut wie ein altes Ehepaar den Tabak reichen.

«Die Freundschaft ermöglicht es mir, über meine Grenzen hinaus Musik zu machen», sagt Winnewisser. Kritik könne dank dem gegenseitigen Respekt ungefiltert angebracht werden, das sei für ihr Schaffen enorm wichtig, sagt Laureijs.

Die Planlosigkeit, gepaart mit der tiefen Freundschaft und dem Willen, etwas Besonderes zu machen, ohne sich einzuschränken, resultierte in vielseitigen und eingängigen Popsongs, die a=f/m nun auf ihrem ersten Album präsentieren. Das macht Lust auf mehr. Auch ohne Neunjahresplan darf man deshalb gespannt sein, welche Farben die beiden Musiker in Zukunft zusammenmischen.

Das Album «Download» (Oh, Sister Records) von a=f/m ist als Download und auf Vinyl erhältlich.

It's a Match: Cover des Debütalbums von a=f/m.
It's a Match: Cover des Debütalbums von a=f/m. (Bild: zvg)

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