Sopranistin Regula Mühlemann begeisterte mit ihrer Silberglockenstimme in der Zuger Shedhalle.
Kultur Rezension

Sopranistin Regula Mühlemann begeisterte mit ihrer Silberglockenstimme in der Zuger Shedhalle.

Viel Herzschmerz mit Luzerner Star-Sopranistin

4min Lesezeit

Am Sonntagabend trat die Luzerner Sopranistin Regula Mühlemann mit dem Zürcher Casal Quartett in der Shedhalle Zug auf. Die Sopranstimme und die vier Streicher präsentierten gemeinsam ein tief romantisches Programm, mit viel Liebe zum Detail und immer mit grosser Freude an der Musik.

Lina Friedrich

Streichquartett und eine Solostimme sind eine ungewöhnliche Kombination. Das Potenzial dieser Kombination gilt es aber in Zukunft weiter zu erkunden, wie Regula Mühlemann und das Casal Quartett, bestehend aus Felix Froschhammer (Violine), Rachel Späth (Violine), Markus Fleck (Viola) und Andreas Fleck (Violoncello), am Sonntag bewiesen.

Sie leiteten den Abend ein mit Schuberts «Mignon», vier Liedern nach Texten von Goethe, transkribiert für Sopran und Streichquartett von Aribert Reimann. Diese Wahl war gelungen, vertritt doch Schubert die frühe Romantik und näherte sich als einer der Ersten ihrem charakteristischen Klang an.

Reimanns Bearbeitung für Stimme und vier Streicher unterstreicht dabei seine unangefochtene Position als Meister dieser musikalischen Nische: Seine Transkription von Klavier zu Streichquartett klingt voll, als wäre sie genau so gedacht gewesen – und nicht wie eine blosse Alternative zur klassischen romantischen Begleitstimme des Klaviers.

Das beste Streichquartett der Schweiz lässt bitten

Nach Schubert widmeten sich die vier Streicher einem seiner Nachfolger, Schumann, und stiegen mit ihm in die Blüte der Romantik ein. Seine Komposition, diesmal von Anfang an fürs Streichquartett bestimmt (op. 41 Nr. 3) interpretieren die vier Zürcher konzentriert und mit viel Gefühl für ihre Mitspieler, man spürt, wie eingespielt das Quartett ist, wie sehr es sich aufeinander verlassen kann. Ihr Spiel ist lebendig und würdigt Schumanns Werk mal luftig und leicht, mal mit viel Herzschmerz, mal verträumt und schwelgerisch: romantisch eben.

Nach der Pause spannt das Casal Quartett den Bogen zurück zum Urvater Schubert, diesmal aber zu einem Allegro Assai, dem Quartettsatz c-Moll D703. Hier demonstrieren die vier mit Nachdruck, wie sie sich ihr internationales Renommee und den Ruf des besten Streichquartetts der Schweiz erworben haben: Sie spielen mit Ernsthaftigkeit, ohne jemals an Leichtigkeit einzubüssen, und finden so einen Ausgleich zwischen technischer Ausgefeiltheit und melodischer Hingabe, der es zum Vergnügen macht, ihnen zuzuhören.

Gedichte von Heinrich Heine, Melodien von Mendelssohn und Mühlemanns Silberstimme

Als der Applaus für die Zürcher Streicher verklungen war, trat Mühlemann wieder mit ihnen auf die Bühne, um sich Mendelssohns «… oder soll es Tod bedeuten?» zu widmen. Die Lieder nach Gedichten von Heinrich Heine wurden wiederum von Reimann bearbeitet und mit sechs Intermezzi verbunden. Markus Fleck erklärte einleitend die Bedeutung dieser Intermezzi im Besonderen: Sie brächten das Streichquartett an die Grenze des Möglichen, reizten das Potenzial der Formation bis zum Letzten aus und fänden stets wieder den Bogen zurück zu Mendelssohns Thema.

Man war also gespannt. Mühlemanns silbern klare Stimme trug, stets schön und nie selbstdarstellerisch, durch Lieder mit so schmächtigen Titeln wie «In dem Mondenschein im Walde» oder «Was will die einsame Träne?» – dabei verstand man dank ihrer aussergewöhnlich klaren Diktion fast jedes Wort, ohne dass die Sopranistin die Melodie der sprachlichen Klarheit geopfert hätte, denn diese transportierte Mühlemann geradlinig, makellos und mit romantischem Kummer.

Vier Streicher und eine Sopranstimme sind eine unkonventionelle, äusserst fruchtbare und ganz besondere Verbindung, die in Zukunft mehr Beachtung verdient.

Und ganz so gut fügten sich die Intermezzi dann auch nicht in dieses Klangbild ein. Sie waren sicherlich von grossem professionellem Anspruch und ein Zeugnis des Könnens von Reimann und dem Quartett, das sie zu meistern weiss, aber auch eindeutig Geschmacksache. So brachen die atonalen, eigenwilligen Intermezzi gar stark mit Mendelssohns Thema und zerhackten Heines schöngeistige, in Musik verwandelte Dichtung bisweilen mehr, als dass sie sie bereicherten.

Trotz dieser Abweichung vom zeitgenössischen Thema präsentierten Mühlemann und das Casal Quartett am Sonntagabend die Meister der Romantik in herausragender Qualität. Mühlemanns helle und doch warme Stimme passte wunderbar zur zwar schwelgerischen, aber nicht barock-schwülstigen Musik von Schubert, Schumann und Mendelssohn.

Das Streichquartett begeisterte ebenso mit Gefühl und spielerischem Können, und die Zuschauer in der ausverkauften Shedhalle zollten den Musikern mit anhaltendem Applaus ihren Respekt. Die Konklusion steht: Vier Streicher und eine Sopranstimme sind eine unkonventionelle, äusserst fruchtbare und ganz besondere Verbindung, die in Zukunft mehr Beachtung verdient.

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Kultur