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Kultur Rezension Kritik
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Rock und Klassik: Passt das zusammen? Das Projekt «We Classic The Rock» bewies mit rund 210 Musikern Anfang Woche im Luzerner KKL, dass die beiden eigentlich komplett unterschiedlichen Stilrichtungen harmonieren können. 


Angela Peter

Das Aufgebot war enorm – und enorm regional: Auf der Bühne standen die Feldmusik Hochdorf, das Sinfonieorchester Rothenburg, das Stadtorchester Luzern und der No Name Chor Ballwil sowie Andy Portmann und Annie Kaser. Die vier Vereine und zwei Solosänger gaben internationale Rock-Hits mit Klassik zum Besten. Mit den rund 210 mitwirkenden Musikern bot sich ein eindrückliches Bild und nicht nur die Bühne, sondern auch alle Zuschauerreihen im «Salle Blanche» des Luzerner KKL waren gefüllt. 

Flashbacks garantiert

Der Abend begann mit der Erzählung eines musikbegeisterten Jungen, der in den 80er Jahren die Platte «Classic Rock» vom Londoner Symphony Orchestra fand und fortan den Traum hatte, selbst ein solches Projekt zu realisieren. Der kleine Junge ist heute Dirigent der Feldmusik Hochdorf und sein Traum ging mit «The Final Countdown» als Eröffnungssong des Abends in Erfüllung.

Bevor es mit dem zweiten Stück weiterging, warnte Programmführer Renato Limacher noch vor möglichen Schweissausbrüchen und Tränen infolge Flashbacks bei den Jahrgängen 1974 und älter. Es sei aber erwähnt, dass durchaus auch die Kinder der 90er Jahre die gespielten Stücke noch kennen und dass auch die ganz Kleinen durch die nie aus der Mode kommenden Melodien auf ihre Kosten kommen.

Obwohl die Solistin stimmlich überzeugte, schien sie in der ersten Hälfte des Songs etwas im Orchester unterzugehen.

Beim dritten Song «Gimme! Gimme! Gimme!» von ABBA konnte sich das Publikum nicht mehr stillhalten und klatschte begeistert mit. Der Gesangspart wurde hier erstmals von der Solistin Annie Kaser übernommen, die nicht nur mit ihrer Stimme begeisterte, sondern sich auch rhythmisch dazu über die Bühne bewegte. Obwohl die Solistin stimmlich überzeugte, ging sie in der ersten Hälfte des Songs etwas im Orchester unter.

Der nächste Titel «Earth Song» von Michael Jackson bot einen gefühlvollen Einstieg, in dem das harmonische Zusammenspiel aller Musiker zur Geltung kam. Vor allem der Part der Klarinette verdient hier besonderes Lob.

In der Kürze liegt die Würze

Zwischen den Stücken tauchte immer wieder der Programmführer auf und fütterte das Publikum mit Hintergrundinformationen und unnützem Wissen, beispielsweise über das ABBA-Museum in Schweden. Diese immer wiederkehrenden Auftritte hätten durchaus verkürzt werden können.

Beim Song «Hold The Line» hat nun der zweite Solist Andy Portmann – passenderweise in Schlaghosen mit Sternenaufdruck – seinen Auftritt. Mit einer enormen Kraft in der Stimme heizte er die Stimmung im KKL an und auch das E-Gitarren-Solo löste begeisterten Zwischenapplaus aus. Mit Stücken wie «Moonlight Shadow» und «The Power Of Love» stand dann wieder das Orchester im Fokus.

Die Bläser spielten so, dass die Gesangsstimme imitiert wurde, und übernahmen dadurch problemlos den Gesangspart ohne Text. Mit dem letzten Song vor der Pause, «Music», wurde es mit Orchester und Chor nochmals richtig dramatisch und wunderschön.

Glitzer und gute Stimmung

Ein triumphaler Auftakt nach der Pause wurde unter der Leitung des Dirigenten Dan Covaci-Babst im Glitzerfrack mit dem Song «Fanfare For The Common Man» geboten. Nennenswert sind hier auch die mutigen ersten Solotakte der Trompete, wo nur die Klänge einer einzigen Trompete den weissen Saal erfüllten.

Beim Song «Take A Chance On Me» war die Solistin Kaser wieder präsent und mit ihren glitzernden Hosen passte sie nicht nur in die Zeit des Stücks, sondern auch zum Dirigenten, und wie in allen Stücken herrschte auch hier wieder eine geniale Stimmung, die auch bei «Let It Be» weiterbestand, wo eine etwas abgeschwächte, aber doch vorhandene «Beatlemania» im Publikum spürbar wurde.

Das Publikum summte mit, klatschte und spendierte sogar noch Extraapplaus für den Solisten Portmann. Beide Solisten singen während ihren Auftritten nicht nur, sondern tauchten ganz in ihre Rollen ein, tanzen und animieren das Publikum.

Das Beste zum Schluss

In «Bohemian Rhapsody» kamen sowohl der Chor als auch die Streicher zur Geltung. Angespornt von deren Energie, riss sich der Solist gar die Jacke vom Leib. Mit «It's Raining Men» beweisen das Orchester und der Chor nochmals ihr harmonisches Zusammenspiel und lösten so Standing Ovations aus.

Die darauffolgende Zugabe, die den Zuschauern geboten wurde, übertraf nochmals alles: Gespielt wurde ein Medley aus den Queen-Songs «We Will Rock You», «We Are The Champions» und «Who Wants To Live Forever», performt von Orchester, Chor und den beiden Solisten. Das Publikum sang stehend mit und schwenkte Arme, Handys und Feuerzeuge im Takt. Wie an einem richtigen Rockkonzert.  

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