Die Slammerin Sandra Künzi hat auch einen Auftritt am internationalen Spoken-Word-Festival. (Bild: zVg)
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Die Slammerin Sandra Künzi hat auch einen Auftritt am internationalen Spoken-Word-Festival. (Bild: zVg)

Rasante Wortakrobaten entern die Bühnen

8min Lesezeit

Während der nächsten Tage dreht sich in Luzern alles um das Wort: Bis am Sonntag treffen sich Akteure der Spoken-Word-Szene und feiern die Bühnen­literatur. Am Festival geht es jedoch nicht nur um gesprochene, geflüsterte und geschriene Texte, sondern auch um Musik. Und um Promis.

Zum zweiten Mal geht das Festival Woerdz ab heute Mittwoch bis Sonntag über die Bühne; grösstenteils im Südpol. Das Programm verspricht intensive und berauschende Tage: Über 60 regionale, nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler stehen auf den Bühnen und präsentieren viel mehr als Worte.

Und schon sind wir bei den Highlights: Stargäste sind die Musikerinnen PJ Harvey und Laurie Anderson. Beide kennt man vorwiegend wegen ihrer Musik. Doch aufgepasst: Die Künstlerinnen greifen zwar zum Mikrofon, allerdings nicht wie gewohnt.

Zwei Avantgarde-Künstlerinnen haben das Wort

PJ Harvey liest Gedichte und die Avantgarde-Künstlerin Laurie Anderson ist mit einer Multimedia-Performance unterwegs. Beides verspricht ein einmaliges – und wie man munkelt kurzes – Erlebnis zu werden. Nebst den beiden Top-Künstlerinnen gibt es rund ums Woerdz Dutzende aufregende Literatur-Performances zu entdecken.

Der Auftritt von Avantgarde-Künstlerin Laurie Anderson ist bereits ausverkauft.
Der Auftritt von Avantgarde-Künstlerin Laurie Anderson ist bereits ausverkauft. (Bild: zVg)

Witzig, rasant, komisch: Poetry Slam

Der Auftakt von heute Mittwoch steht unter dem Stern von Poetry Slam. Gleich mehrere Wettkämpfe mit Dichterkünstlern sorgen für Furore. Wie immer bei dieser rasanten Text–Gattung wird mit harten Bandagen um die Gunst des Publikums gekämpft – zu gewinnen gibt es nämlich eine Flasche Whiskey. Entsprechend legen sich die Dichterinnen und Poeten mit ihren Perfomances ins Zeug.

«Diese Texte sind nicht für das Büchergestell gedacht, sondern für die rasante Bühnen-Performance.»
André Schürmann, Programm-Team Woerdz

Gerade junge Leute sind der Meinung: Witziger, aufregender und komischer denn an einem Slam kann es im Literatur-Betrieb nicht zugehen. «Diese Texte sind nicht für das Büchergestell gedacht, sondern für die rasante Bühnen-Performance», sagt André Schürmann, Programm-Team Woerdz. Dass der Slam beim Festival Woerdz einen prominenten Platz hat, ist kein Zufall. 

Luzern ist Pionierin in Sachen Spoken Word

Das Spoken-Word-Festival ist nämlich aus der Reihe Barfood Poetry hervorgegangen, die von 2001 bis 2013 regelmässig im ehemaligen La Fourmi stattgefunden hat. Die Reihe wurde während 12 Jahren vom mehr oder weniger gleichen Team durchgezogen, das jetzt auch Woerdz auf die Beine gestellt hat. Luzern hatte dabei eine Pionierrolle: «Slams und Spoken Word gab es damals in der Schweiz noch kaum. Diese Szene und ihre Protagonisten wurden wesentlich von uns gefördert und auf die Bühnen gebracht», sagt André Schürmann, der auch die Loge Luzern programmiert. Unter vielen anderen waren dies die Poetinnen und Dichter Pedro Lenz, Gabriel Vetter, Sandra Künzi und Hazel Brugger – heute gehören sie in der ganzen Schweiz zu den «Zugpferdli» an Spoken-Word-Veranstaltungen.

«Luzern ist heute die Hauptstadt der Spoken-Word-Szene. Hier geht diesbezüglich die Post ab.»
André Schürmann

Zusammen mit dem Verlag «Der gesunde Menschenversand» und Woerdz gehört die Loge zu den drei federführenden Vermittlern dieser Art von Literatur-Aktivitäten in Luzern. Und sie haben gute Arbeit geleistet. «Luzern ist heute die Hauptstadt der Spoken-Word-Szene. Hier geht diesbezüglich die Post ab», sagt Schürmann.

Wo der Slamer Gabriel Vetter auftritt, wird viel gelacht - bestimmt auch diesen Freitag.
Wo der Slamer Gabriel Vetter auftritt, wird viel gelacht - bestimmt auch diesen Freitag. (Bild: zVg)

Wie aber ist es gekommen, dass aus der kleinen Veranstaltungsreihe Barfood Poetry das fünftägige Festival Woerdz geworden ist? «Wir hatten schon länger den Wunsch, einmal ein dichtes Programm über mehrere Tage zu veranstalten.» Etwa zur gleichen Zeit habe sich die Kulturabteilung der Stadt Luzern mit ihnen in Kontakt gesetzt: «Luzern ist eine Festivalstadt. Aber punkto zeitgenössischer Literatur gibt es noch eine Lücke», sei die Kernaussage gewesen.

Kulturabteilung der Stadt hat Stein ins Rollen gebracht

«Damit hat die Kulturabteilung bei uns offene Türen eingerannt. Und der Stein ist ins Rollen gekommen», sagt Schürmann. Dank einer grosszügigen Anschubfinanzierung seitens der Stadt ist es gelungen, das internationale Festival als Biennale (alle zwei Jahre) zu lancieren. «Und auch für die Zukunft ist der Beitrag von der Stadt Luzern substanziell, er macht rund 20 Prozent des Gesamtbudgets aus», sagt Schürmann. Über genaue Zahlen wollen die Verantwortlichen erst nach Abschluss des Festivals kommunizieren.

Erstmals hat Woerdz 2014 stattgefunden. «Das Echo war super, das Publikum mit etwa 1000 Leuten enorm und die Performances grossartig», sagt Schürmann im Rückblick.

An der letzten Ausgabe des Festivals Woerdz im 2014 war der Publikumsaufmarsch gross.
An der letzten Ausgabe des Festivals Woerdz im 2014 war der Publikumsaufmarsch gross. (Bild: Franca Pedrazetti )

Programm spricht heterogenes Publikum an

Das Konzept von Woerdz ist clever: Zwar gibt es die Stars wie PJ Havey und Laurie Anderson (beim letzten Festival war es Patti Smith), die viele und auch ältere Leute anziehen. Aber daneben gibt es ein reichhaltiges Programm, in dem jede Altersgruppe und jeder Geschmack irgendwo auf seine Rechnung kommt.

Nebst den Bühnenveranstaltungen gehören zum Festival auch Werkaufträge, die an Literaturschaffende vergeben und am Festival selbst dann präsentiert werden. Dieses Jahr steht Woerdz unter dem Motto «Die 5. Landessprache» und hat ausgewählte Künstler eingeladen, sich damit auseinanderzusetzen. Was konkret tönt, bietet viele unerwartete Facetten: «Es gibt ja nur inoffiziell eine fünfte Landessprache. Und welche ist das? Viele», sagt Schürmann. Das Zusammenarbeiten über Sprach- und Ländergrenzen hinweg ist dieses Jahr denn auch ein Schwerpunkt während der fünf Tage.

Jurczok 1001 ist einer der wortwitzigen Poeten, die im Südpol den Erföffnungsabend gestalten.
Jurczok 1001 ist einer der wortwitzigen Poeten, die im Südpol den Erföffnungsabend gestalten. (Bild: zVg)

Erwartet werden auch dieses Jahr wieder über 1000 Besucherinnen und Besucher, der Vorverkauf läuft gemäss Schürmann gut. «Nur noch wenige Tickets gibt es für die Veranstaltungen mit PJ Harvey, und Laurie Anderson ist ausverkauft», sagt der Veranstalter und macht sich auf, um die Avantgarde-Künstlerin Anderson am Flughafen abzuholen. Heute geht es schliesslich los!

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