Marco Schmid und Vero Bürgi von QueenKong bemalen die New Yorker Hauswand (Bild: QueenKong).
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Marco Schmid und Vero Bürgi von QueenKong bemalen die New Yorker Hauswand (Bild: QueenKong).

Luzerner Streetart-Künstler peppen New York auf

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Im Sommer waren sie in New York in den Ferien, nun bemalen sie dort, in Manhattan, eine grosse Häuserwand: Vero Bürgi und Marco Schmid von QueenKong. Die beiden Luzerner freut das gleich aus zwei Gründen ausserordentlich.

Luca Wolf

Hierzulande kennt sie mittlerweile (fast) jeder: Marco Schmid und Veronika «Vero» Bürgi, die als QueenKong mit ihren Streetart-Kunstwerken Farbe in die Städte der Welt bringen. Das Duo mit Wohnsitz in Luzern, das auch privat ein Paar ist, hat zuletzt mit dem riesigen Wandbild an der mittlerweile abgerissenen Himmelrich-Siedlung schweizweit für Furore gesorgt (wir berichteten).

Das Künstlerpaar Marco Schmid und Vero Bürgi alias «Queenkong» vor ihrem Wandbild bei der Abbruchsiedlung Himmelrich. (Bild: jav)
Das Künstlerpaar Marco Schmid und Vero Bürgi alias «QueenKong» vor ihrem Wandbild bei der Abbruchsiedlung Himmelrich. (Bild: jav)

Derzeit halten sich die beiden Künstler an einem Ort auf, der bezüglich Graffiti, Sprayereien und eben Streetart eine deutlich grössere Schuhnummer ist: an der Ostküste der Vereinigten Staaten, in New York. Dort sind sie in diesen Tagen daran, eine Wand mit ihrem unverkennbaren Stil zu bemalen. Als Streetart werden verschiedene, nicht kommerzielle Formen von Kunst im öffentlichen Raum bezeichnet.

Vero Bürgi erzählt, wie es zum Auftrag in den USA kam: «Nach unserem Aufenthalt in New York diesen Sommer, in welchem wir auf der Strasse die richtige Person – Adrian Wilson – kennenlernten, wurden wir von dieser eingeladen, eine Wand an der pulsierenden Lower Eastside von Manhattan anzumalen.» Natürlich habe man ruckzuck zugesagt.

Gründungsstadt: New York

QueenKong haben eine spezielle Beziehung zu dieser mit acht Millionen Einwohnern grössten Stadt der USA. «Vor zehn Jahren sind Marco und ich zusammengekommen, vor sieben Jahren haben wir QueenKong in New York gegründet. Das war für uns Anlass, unser Jubiläum mit einem weiteren Kunstwerk in New York zu besiegeln.»

So sieht das Werk von QueenKong in New York durchs Absperrgitter betrachtet aus (Bild: QueenKong).
So sieht das Werk von QueenKong in New York durchs Absperrgitter betrachtet aus (Bild: QueenKong).

Im Kunstwerk, das in einem heruntergekommenen Innenhof an eine grosse Wand gemalt wird, geht es laut Bürgi aber nicht um die eigene Liebesstory, sondern um eine klare, jedoch fein kommunizierte Message. 

Bereits seit Jahren malen Bürgi und Schmid Bilder, in welchen Menschen oder Tiere geschmückt sind mit Masken. «Sonst oft ein negatives Mittel, um sich selbst zu verbergen, bedeutet die Maske für uns etwas Gutes. Denn man kann sie auch für das Positive und Gute einsetzen», erklärt Bürgi.

So sieht das Werk von QueenKong an der Lower Eastside in Manhatten aus (Bild: QueenKong).
So sieht das Werk von QueenKong an der Lower Eastside in Manhattan aus (Bild: QueenKong).

Deshalb trägt auch die aufgepinselte Lady auf ihrem neusten Werk eine Maske. Auf ihrer Hand sitzt eine Friedenstaube. Bürgi erklärt: «Das ist ein unbefangenes Zeichen, welches wir in diesem Jahr zum Thema machen. Wir sind der Meinung, eine Friedenstaube alleine reicht heutzutage nicht mehr aus, um für den Frieden zu sorgen. So haben wir uns dazu entschlossen, Friedenstauben zu ‹produzieren›.» In diesem Bild ist die «Luchadora» (dieser Begriff steht für eine kämpferische Wrestlingfrau) die Friedenstaubenproduzentin. Das Bild heisst denn auch «Dove of Peace production – Luchadora de la Luz».

Vorlage von und für QueenKong für die Peace Dove in New York (Bild: QueenKong).
Vorlage von und für QueenKong für die Peace Dove in New York (Bild: QueenKong).

Kletterkurs und Sicherungsseile

Die von QueenKong derzeit aufgepeppte Wand verlangt vom Duo nicht nur künstlerisch einiges ab. Auch körperlich ist voller Einsatz gefragt. Denn die Wand ist etwa zehn Meter hoch und kann nur vom Boden aus via Leitern bemalt werden. «Um nicht abzustürzen und unsere Sicherheit zu gewähren, haben wir uns selber noch das Klettern angeeignet», erklärt Bürgi. Deshalb sind die beiden umtriebigen Luzerner während ihrer Arbeit auch mit Seilen gesichert.

Malen in sechs Metern Höhe: Marco Schmid und Vero Bürgi bei der Arbeit in New York (Bild: QueenKong).
Malen in bis zu acht Metern Höhe: Marco Schmid und Vero Bürgi bei der Arbeit in New York (Bild: QueenKong).

Nur vom finanziellen Aspekt her lohnt sich die Arbeit für QueenKong nicht. «Wir bekommen dafür kein Geld, müssen aber auch nichts bezahlen, ausser natürlich die Farben.» Streetart in New York – vom Prestige her ist das aber schon ziemlich cool. «Wir haben uns sagen lassen, dass gewisse Künstler sogar dafür bezahlen, dass sie in New York eine Wand anmalen dürfen», sagt Bürgi nicht ohne Stolz.

Zudem ist der Standort, wo sich nun die beiden Luzerner austoben können, in der Szene durchaus bekannt. «Erst während des Malens haben wir erfahren, dass vor drei Jahren niemand Geringeres als Banksy himself genau diese Location als Kunstprojekt nutzte und ein Auto darin bemalte.» Banksy ist eine Ikone unter den Streetart-Künstlern. Der nur unter seinem Pseudonym bekannte Brite will in seinen Werken meist eine alternative Sichtweise auf politische und wirtschaftliche Themen vermitteln. Er verändert und modifiziert dabei oftmals bekannte Motive und Bilder. Bürgi freut sich sehr über diesen Zufall: «Welche Ehre für uns, am gleichen Ort malen zu können!»

Bekanntes Werk des britischen Streetart-Künstlers Banksy (Bild: zVg).
Bekanntes Werk des britischen Streetart-Künstlers Banksy (Bild: zVg).

Mehr Begeisterung ausserhalb der Schweiz

QueenKong arbeiten international, speziell in Südamerika haben sie schon einige Hauswände mit ihrer Kunst verschönert. «Im Ausland ist es halt viel einfacher als hier. In Südamerika etwa sind viele Hausbesitzer froh, wenn ihre Fassaden aufgewertet werden», sagte Marco Schmid kürzlich gegenüber zentralplus.

«Santopaulo», gemalt in Hamburg
Das Werk «Santopaulo» von QueenKong, gemalt in Hamburg (Bild: QueenKong).

Auch in europäischen Grossstädten sei es viel einfacher als in der Schweiz, wo QueenKong selten arbeiten können. «Hier braucht es viel mehr Abklärungen und Bewilligungen und es gibt einige erschwerende Auflagen. Etwa, dass ein Bild die Verkehrsteilnehmer nicht zu stark ablenken darf», sagt Schmid. Ohne Bewilligung übrigens machen sich QueenKong nicht ans Werk: «Wir brauchen Zeit für unsere Arbeit, sonst können wir keine Qualität liefern.»

Marco Schmid (links) und Veronika Bürgi  vor ihrem Werk «Queen Kong & Nelson», entstanden in Pemba, Mosambique
Marco Schmid (links) und Veronika Bürgi vor ihrem Werk «Queen Kong & Nelson», entstanden in Pemba, Mosambik. (Bild: Thomas Koch)

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