In der Box ist noch Baustellenbetrieb. Am 9.9. geht’s hier los. (Alle Bilder: jav)
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In der Box ist noch Baustellenbetrieb. Am 9.9. geht’s hier los. (Alle Bilder: jav)

Die «Box» – erster Blick in das neue, modulare Theater

6min Lesezeit

Die Holzbox zwischen Jesuitenkirche und Luzerner Theater steht. Doch im Inneren der neuen Spielstätte sieht es noch aus wie auf einer Baustelle. Und auch im grossen Theatergebäude hat ein ziemlicher Umbau stattgefunden. Wir haben jetzt schon einen Blick reingeworfen.

«Das ist die Hundewiese, die bekommt ihr nicht», habe es zu Beginn geheissen, lacht der neue Intendant des Luzerner Theaters, Benedikt von Peter, beim Betreten der Box. Doch als private Gelder für den Bau des temporären «Klein-Theaters» flossen, war es auch politisch plötzlich kein Problem mehr. Und nun steht das ganz in Holz gehaltene Theatergebäude.

Grösser als gedacht ist sie geworden, die Box neben der Jesuitenkirche. Grösser und geräumiger, als man sie sich nach den Visualisierungen vorgestellt hatte, und ganz in hellem Holz gehalten.

Baustelle Box und Theatersaal

Gemeinsam mit dem Theaterclub Luzern durfte zentralplus am Montagabend einen ersten Blick in das kleine, modulare Theatergebäude werfen. Und auch ins Theater selbst, wo über den Sommer einiges passiert ist. Benedikt von Peter und Philipp Zingg vom Theaterclub erklärten beim Apéro, was in Zukunft alles in der Box – der «finnischen Sauna für fünf Jahre» – stattfinden soll.

Die 200 Quadratmeter grosse Box selbst ist noch eine ziemliche Baustelle. Gerüste und Werkzeug stehen herum, nur wenige Scheinwerfer hängen an der Decke. Sonst sieht es relativ leer aus. Der perfekte Ausgangspunkt also für freies Arbeiten im Raum.

«Wir wollen zeigen, was möglich ist, wenn man einen Raum hat, welcher keine Vorgaben macht», so von Peter. So könnten nicht nur Theaterschaffende ihren Ideen freien Lauf lassen, sondern auch das Luzerner Publikum erhalte ein Bewusstsein dafür, was im Theater alles passieren kann, wie Theater auch sein könnte.

Alles soll beweglich sein

Wichtig sei dabei vor allem das Verhältnis von Zuschauer und Künstler im Raum. «Es geht nicht um Frontalunterricht, der Vermittlung eines Stoffs von oben herab. Wir wollen diese Art von Theater aufbrechen und auflösen.» Das Publikum soll nicht mehr inaktiv und «zur Stille verpflichtet» im Graben sitzen, sondern rundherum, mittendrin. Die bis zu 200 Zuschauer, welche in der Box Platz finden, sollen sich auch mal bewegen dürfen.

Was ebenfalls beweglich ist in der 800’000 Franken teuren Box, ist der Boden. Dieser besteht aus ganz vielen kleinen Podesten, welche sich rauf- und runterfahren lassen. «So kann der Raum immer wieder verschiedene Formen annehmen.»

Auch die Wandelemente der Box sind beweglich. Auf Schienen lassen sie sich herumfahren, können als Raumteiler genutzt werden und die Box nach aussen, zum Markt oder zur Strasse hin, öffnen. Die drei Fenster, welche momentan zur Reuss hin eingebaut sind, sollen in den nächsten Jahren durch weitere ergänzt werden.

Auch im grossen Haus wird gebaut

Taufen, öffnen und feiern

In der Box und im Globe geht es am 9.9. richtig los. Die Box wird getauft und im Globe findet die Premiere von Prometeo statt. Am 10.9. feiert das Luzerner Theater dann ein grosses «Fest für Alle» in beiden Gebäuden.

Die Wochen darauf wird die Box jeden Abend ab 17 Uhr für alle geöffnet. In der «open box» gibt es Musik, Getränke, kleine theatrale Darbietungen und auch W-Lan – ein Ort zum Verweilen, Arbeiten oder einfach nur zum Geniessen von Theater und Musik.

Nach den Erklärungen zur Box geht es weiter ins «grosse Haus», wie das eigentlich relativ kleine Luzerner Theater jetzt genannt werden darf. Hier befinden sich auch das WC, die Garderobe und die Box Bar, welche in der Box selbst keinen Platz fanden.

Doch genug zur Box, denn auch im grossen Haus wird’s spannend: Wir sind die ersten «Auswärtigen», die das neue «Globe» im Luzerner Theater betreten.

Etwas verwirrt betreten die Neugierigen den altbekannten Theatersaal und als Erstes fällt auf: Auch hier dominiert plötzlich helles Holz. Die Stuhlreihen wurden – bis auf zwei – komplett aus dem Zuschauerraum entfernt.

Gemütlich auf Matratzen Theater geniessen

Der Raum ist eine grosse Fläche geworden. Zwischen Bühne und Zuschauerraum gibt es keine Höhendifferenz mehr – genauso wie in der Box.

Das Publikum darf hier im Herbst auf den verbliebenen Theatersesseln, auf beweglichen Stühlen oder auf dem Boden Platz nehmen. Auch Matratzen liegen auf dem hellen Holzboden und Benedikt von Peter demonstriert gleich selbst, wie man sich bei den Vorstellungen von Prometeo im Globe darauflegen kann, um die Musik zu geniessen.

Die Balkone des Theatersaals sind nun – wie im Zuschauerraum – auch auf der Bühne durchgezogen. Dort werden – je nach Produktion – Musiker, Sänger oder auch die Zuschauer sitzen. Benedikt von Peter und seine rechte Hand Brigitte Heusinger schwärmen schon jetzt von den Möglichkeiten und dem neuen Erleben von Musik, Tanz und Theater in Luzern.

Das Programm findet in der kommenden Saison aber nicht nur im Globe und in der Box statt, sondern auch im Südpol und in der Viscosistadt. Ein modulables Luzerner Theater also.

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