Linus Amstad und das Holz: Der Zuger tritt an der Jazz Night in Zug mit der Band «Woodoism» auf.
  (Bild: zentralplus/bas)
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Linus Amstad und das Holz: Der Zuger tritt an der Jazz Night in Zug mit der Band «Woodoism» auf.   (Bild: zentralplus/bas)

Jazz, der knorzt und knirscht und knackt

7min Lesezeit

Andere seien gute Fussballer gewesen, er hätte gut Saxophon spielen können, sagt Linus Amstad von der Band «Woodoism». Jetzt bekommt der junge Zuger an der Jazz Night eine grosse Plattform. Das macht ihn nervös.

Die Zigarette zwischen den Fingern, einen Ring in der Nase, die Mütze verkehrtrum auf dem Kopf und nein, kein Saxophon unter dem Arm. So erscheint Saxophonist Linus Amstad zum Interview. Dennoch zweifelt man keine Sekunde, wenn der junge Zuger sagt: «Die Musik, die ich spiele, ist mein Handwerk und ich will es zu jedem Zeitpunkt so gut wie nur möglich ausführen.»

Amstad und die grosse Sache

Der Saxophonist ist in Zug geboren, aufgewachsen und hat dort auch die «üblichen verdächtigen Stationen» absolviert, wie er sagt. Das ist aber schon eine Weile her. In wenigen Tagen steht er – mittlerweile Profimusiker – mit seiner Band «Woodoism» auf einer Bühne an der Jazz Night. Amstad freut sich «wahnsinnig».

Linus Amstad am Saxophonspielen während einer Tournee in Ungarn (Bild: zVg/Zenés Esték).
Linus Amstad am Saxophonspielen während einer Tournee in Ungarn (Bild: zVg/Zenés Esték).

Es sei eine grosse Sache. Mit der Jazz Night steht das Zuger Musikhighlight bevor. Das Festival bietet vielen lokalen Musikern eine Plattform und lockt trotzdem internationale Stars an. Es füllt die Zuger Gassen mit Leben und ist auch deshalb viel mehr als «nur» ein Jazz-Festival (zentralplus berichtete).    

«Du machst so ein komisches Gesicht beim Spielen»

Die Jazz Night Zug

Am 25. und 26. August findet in der Zuger Altstadt die 25. Jazz Night statt. Für 15 Franken pro Abend können an insgesamt 23 Bands und zwei Jam Sessions gehört werden. Hier geht es zur Webseite, dem Programm und weiteren lnformationen.

Es sei für ihn etwas ganz anderes, vor heimischem Publikum zu spielen als sonstwo, viel nachhaltiger und aufregender, sagt Amstad. «Da stehen Leute, die mich seit Langem begleiten, die mich immer unterstützt haben.» Denen wolle man auch etwas zurückgeben. Auch seine Musikschüler würden vermutlich im Publikum stehen, sagt Amstad. «Das ist schön. Denn für einmal müssen diese nicht durch die halbe Schweiz reisen, um mich spielen zu sehen.»

«Manchmal ist es bei uns Jazzmusikern schon so, dass im Publikum so viele sitzen, wie an den Instrumenten spielen.»
Linus Amstad

Aber es macht ihn auch nervös. «Das Heimpublikum ist das anspruchsvollste», sagt Amstad. Es gäbe Freunde, die ihn anschliessend fragen würden, warum er immer diese und jene Bewegung machen würde. Oder warum er sein Gesicht so komisch verziehe beim Spielen. «Also Dinge, die einem Jazzmusiker nie auffallen würden, aber die in Form eines Feedbacks für mich trotzdem wertvoll sind.»

«Woodoism» auf Tournee in Ungarn. (Bild: zVg/Zenés Esték)

Eine Bühne wie die an der Jazz Night zu bespielen, sei auch eine Herausforderung. «Manchmal ist es bei uns Jazzmusikern schon so, dass im Publikum so viele sitzen, wie an den Instrumenten spielen.» Mit ihrer Musik die Menschen zu erreichen, sei im grossen Rahmen viel schwieriger als bei einem kleinen, intimen Konzert. «Aber wir werden das letzte Hemd dafür geben», verspricht der Musiker.

Papa Florian 

«Woodoism» ist auf Initiative des Zürcher Posaunisten Florian Weiss entstanden und Amstad sagt: «Es ist Florians Band.» «Papa Florian», wie ihn Amstad während des Interviews nennt, ist Bandleader, schreibt die Musik, erledigt den ganzen administrativen Kram und schmeisst das Booking. Zueinander gefunden haben Florian Weiss, Linus Amstad, Philipp Leibundgut und Valentin von Fischer an der Berner Hochschule der Künste, wo sie alle Jazz studiert haben. Schnell aber sei aus der Band von Weiss eine Band entstanden, mit der sie sich alle identifizieren konnten.

«Es ist gewissermassen Florians Kind, das wir nun alle erziehen.»
Linus Amstad

«Woodoism» auf Tournee in Ungarn. V.l.n.r.: Philipp Leibundgut, Linus Amstad, Florian Weiss und Valentin von Fischer.
«Woodoism» auf Tournee in Ungarn. V.l.n.r.: Philipp Leibundgut, Linus Amstad, Florian Weiss und Valentin von Fischer. (Bild: zVg/Zenés Esték)

«Es ist gewissermassen Florians Kind, das wir nun alle erziehen. Den Sound, den wir produzieren, gibt es nur, weil wir vier Individuen in dieser Kombination zusammenspielen», sagt Amstad. Obwohl es jetzt nach Platitüde klinge, seien sie eine Art Familie. «Oder zumindest sehr, sehr gute Freunde.» Dass die Vier mehr als bloss ein bunt zusammengewürfelter Haufen sind, merkt man schnell an der Art, wie Amstad von seinen Bandkollegen spricht.

Musik wie Hexenzauber

Zusammen produzieren die vier Profimusiker Jazz, der «knorzt und knirscht und knistert und knackt». So schreiben sie es auf ihrer Homepage. Die vier Jungs stapfen mit ihren Songs «durch das Unterholz des Jazz». Amstad umschreibt die Musik als kammermusikalischen Jazz mit einer Spur Hexenzauber, holzig und doch verspielt. Eine Prise Humor schwinge mit. Ein melodisches Gebräu also, dem die Virtuosität nicht abzusprechen sei. «Die Challenge unserer Zusammensetzung liegt darin, mit vier nicht harmonischen Instrumenten, also Instrumenten, die nur einen Ton aufs Mal spielen können, eine Harmonie zu schaffen, die den Zuhörer an der Hand führt und in unsere Fantasiewelt mitnimmt», sagt Amstad.  

 

Den Grundstein seiner Karriere hat Amstad an der Musikschule Zug gelegt. «An einem Tag der offenen Tür bin ich auf das Saxophon gestossen. Mein späterer Lehrer Mario Venuti konnte mich sofort für das goldene Teil begeistern», grinst Amstad. Er habe von Anfang an gewusst, dass er Saxophon spielen wolle. Deshalb habe er auch den Umweg über ein Jahr Blockflöte genommen. «Dann bin ich reingerutscht», sagt Amstad. Der Zirkel begann sich zu drehen, auf die Freude am Spielen folgten Erfolge, erste Anfragen für Projekte und daraus resultierte wieder Freude. «Andere waren gute Fussballer, ich konnte gut Saxophon spielen.» Heute unterrichtet Amstad selbst Saxophon an der Musikschule Zug, die ebenfalls einen Auftritt an der Jazz Night hat (siehe Box). Der Kreis hat sich geschlossen.

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