Daniel Schärer. Mit Zug Sports will er zurück zu den Ursprüngen des Events. (Bild: slam)
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Daniel Schärer. Mit Zug Sports will er zurück zu den Ursprüngen des Events. (Bild: slam)

«Wir waren nur noch eine Promotionsplattform»

6min Lesezeit

In rund zwei Wochen findet das «Zug Sports»-Festival statt. Mit neuem Namen und anderer Ausrichtung will das frühere «Boardstock» zurück zu früheren Werten. OK-Präsident Daniel Schärer gesteht im Interview: «Wir hatten unseren Ursprung verloren». Statt Feuerzeugen und Käppi soll es nun die Regionalität richten.

Das vor 15 Jahren noch für Freestyle-Sportarten wie BMX, Skate- und Wakeboard lancierte «Boardstock» Gratis-Festival hat sich in kurzer Zeit zu einem der grössten Sportanlässe in dieser Kategorie gemausert. Unter anderem überlebt es damit das bekannte Zürcher Pendant «Freestyle.ch», das wegen Mangel an Sponsoren seit zwei Jahren nicht mehr stattfindet.

Der Wandel des Festivals und die Kommerzialisierung birgt auch Gefahren wie finanzielle Risiken oder Imageverlust. «Zug Sports» will sich deshalb jetzt wieder vermehrt auf Lokales besinnen. Mit 35 Sportarten, einer Show des EVZ sowie einer Kunsteisbahn will man sich in diesem Jahr nochmals selbst übertreffen und fährt damit erneut volles Risiko. 

«Wir waren nur noch eine Promotionsplattform.»

Daniel Schärer, Präsident

zentralplus: Daniel Schärer, das fünfzehnte Boardstock kommt mit einem neuen Namen daher. Wieso diese Neuausrichtung?

Daniel Schärer: Das hat mit der Entwicklung der Gesellschaft zu tun hin zu mehr Lifestyle. Früher waren wir einer der ersten Freestyle- oder Lifestyle-Sportevents, und alles war neu und modern. Jetzt nicht mehr. Mit nationalen Sponsoren wird die Finanzierbarkeit solcher Events immer schwieriger, ohne kommerziell ausgepresst zu werden. Ich will sagen, wir waren nur noch eine Promotionsplattform. Die Besucher erhielten bei uns nur noch ein Feuerzeug, ein Käppli und ein «Grüezi» – damit hatten wir aber unseren Ursprung verloren. Auch engere Freunde fanden das nicht mehr so cool.

Sommerzeit ist Werbezeit: Promovideo eines der Hauptsponsoren der vergangenen Jahre 

«Klar ist, dass wir für die Jungen wieder attraktiver werden müssen, deshalb gibts ja auch wieder Wakeboard, Skateboard oder Snowboard.» 

Daniel Schärer

zentralplus: Breite Kritik war die Folge, aber welche Rolle spielte die öffentliche Hand dabei?

Schärer: Stadt und Kanton wollen keine Kommerzchilbi, also entschieden wir, keine reinen Promostände mehr zu machen mit Sponsoren, die nur 1 bis 2 Jahre kommen, um die Plattform abzugrasen. Mit der Neuausrichtung ist ein neuer Nährboden und das Motto «Aus Zug – für Zug» entstanden. Jetzt liegt der Fokus auf lokalen Sponsoren mit ihren Ideen. Auch wenn das viel mehr Arbeit für uns bedeutet: Es macht Spass.

zentralplus: Es ist auch immer mehr Wohlfühlsport wie etwa Yoga dabei. Ist das was für ältere Besucher?

Schärer: Nicht nur. Das «B» aus «Boardstock» steht auch für Balance. Entschleunigung ist auch wichtig für uns, statt der sonst üblichen Beschleunigung, die heute im Alltag herrscht. Aber klar ist, dass wir für die Jungen wieder attraktiver werden müssen. Deshalb gibts ja auch wieder Wakeboard, Skateboard oder Snowboard.

zentralplus: Das Festival ist seit der ersten Ausgabe ums Zehnfache gewachsen, wie war das möglich?

Schärer: Wir sind organisch und step by step gewachsen und haben laufend abgefedert. Ab und zu hats ja auch geregnet, dann wars wieder etwas weniger. Was wirklich möglich ist, zeigte uns die Streethockey WM die noch mehr Leute mit hoher Qualität abgeholt hat. Dort wollen wir hin. Nicht das grösste, aber das schönste Sportfestival wollen wir sein.

«Es müssen ja erst mal 20’000 Besucher kommen, das wäre der best case.»

Daniel Schärer

zentralplus: Wie feiert ihr das 15-jährige Bestehen?

Schärer: Das Jubiläum bedeutet, es gibt eine doppelte Party in diesem Jahr mit einem zweitägigen Programm von Freitag bis Samstag. Ich würde das selber wohl nicht mehr durchstehen, aber ich freue mich auf die Geschichten derer, die das schaffen.

zentralplus: Was wollt ihr ausser Sport und Spass sonst noch erreichen?

Schärer: Wir fördern mit ZugSPORTS auch übers Jahr Sportler, Sportvereine und Sportprojekte. Schöne Geschichten, die beeindrucken und die wir etwas ans Licht bringen wollen. Diese Disziplin, diese Energie und dieser unermüdliche Einsatz für die Sache verdienen etwas mehr Aufmerksamkeit. 

Highlights 2016

Am diesjährigen «Zug Sports» werden vom 19. bis 21. August 2016 rund 35 Sportarten und Teildisziplinen in der Stadt Zug und am See vorgestellt, darunter Wakeboard, Basketball, Breakdance, Skateboard und Snowboard. Neu kommen unter anderem auch Freestyle-Ski, Eishockey, Eislaufen, Pole Dance und Crossfit dazu.

Zentrum des Sport-Festivals bildet eine neue «B Arena» beim Stierenmarktareal in Zug. Auch dieses Jahr wird Zentralplus vor Ort sein und berichten, mit vielen Impressionen rund um diesen Grossevent und die neu präsentierten Sportarten.

zentralplus: Für Randsportarten sind Sportgrossanlässe von sehr grosser Bedeutung. Habt ihr mit fast 20’000 Besuchern und einer halben Million Franken Budget die kritische Masse erreicht, um euch auch diese kleineren Sportarten leisten zu können?

Schärer: Es müssen ja erst mal 20’000 Besucher kommen, das wäre der best case. Ich bin sicher, dass wir jetzt richtig aufgestellt sind. So gut, dass wir allen lokalen Sportvereinen, die uns mit ihrem Sport bereichern, ein Honorar geben können. Das wollten wir schon lange tun. Vom gesamten Budget fliessen etwa ein Drittel in die Infrastruktur, ein Drittel in Organisation/Programm und ein Drittel in die Kommunikation.

zentralplus: Ist das Festival nun in trockenen Tüchern, oder welche Hürden erwarten es noch?

Schärer: Viele andere grosse Events sind kommerziell geworden und teils auch daran gescheitert. Wir wollen, dass unser Baby, das ja jetzt 15 wird, quasi die Pubertät übersteht und zu einem schönen, reifen und attraktiven Festival wird.  

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