The Corrs am Blue Balls. (Bild: Blueballsmusic Flavio Leone)
Kultur Rezension Kritik

The Corrs am Blue Balls. (Bild: Blueballsmusic Flavio Leone)

Diese Band ist ein bisschen wie «Titanic»-schauen

3min Lesezeit

Es war ein Konzert wie eine Zeitreise. Musiktechnisch, aber auch gefühlsmässig. Dass dem Publikum nicht kollektiv Pickel gewachsen sind, ist ein Wunder.

The Corrs am Blue Balls – weshalb, das erschliesst sich nicht gleich im ersten Moment. Doch sie sind irisch und sie hatten einige Hits, also nichts wie hin.

Am Donnerstagabend ist der Luzerner Saal gut gefüllt mit einem mittelalterlichen Publikum. Unter 30 und über 60 hat es wenige Zuschauer. Ein typisches, in die Jahre gekommenes 90er-Jahr-Publikum eben.

Lächeln und auslachen

Der ganze Abend lässt sich sehr gut unter dem Stichwort «Titanic» zusammenfassen. Nicht das Schiffsunglück, sondern der Film mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet ist gemeint. Also kitschig, schön, ein bisschen irisch, ein bisschen sehr 90er und man lacht sich selber aus, wenn man sich selig lächelnd erwischt.

Ein Konzert wie eine Zeitreise. Man fühlt sich wieder ein bisschen wie mit 13 Jahren am Konzert im Nachbarsort. Die Musik passt und die Outfits auf der Bühne ebenso. Rundherum am Konzert stehen fast nur Menschen, die wenige Jahre älter sind, alle Songs mitsingen und rumknutschen.

The Corrs am Blue Balls. (Bild: Blueballsmusic Flavio Leone)
The Corrs am Blue Balls. (Bild: Blueballsmusic Flavio Leone)

Fühlen in schweizerischer Zurückhaltung

Das Publikum lebt mit. Nicht dass sie jetzt besonders abgehen oder lautstark mitgrölen. Aber sie fühlen es. Ganz offensichtlich. Es wird gefühlsduselig mitgewippt und mitgeschunkelt. Aber das Ganze natürlich immer mit der gebührenden schweizerischen Zurückhaltung. Trotzdem gibt es nach jedem Lied einen herzlichen Applaus.

Bei den schnelleren, irischen Passagen kommt etwas mehr Bewegung ins Volk. Von Abgehen aber kann keine Rede sein. Dass aber deshalb die Temperaturen nicht in den Saunabereich steigen, stört wohl auch niemanden.

Männerüberschuss

Im Publikum finden sich an diesem Abend erstaunlich viele Männer wieder. Eigentlich ja wenig erstaunlich, denn die drei Schwestern auf der Bühne hören sich noch genauso an und sehen noch genauso aus wie damals im letzten Jahrtausend. Auch die Outfits stimmen noch immer. Und flirten können sie, die Corrs. Trotzdem springt nicht wirklich ein Funke über – die Stimmung bleibt distanziert. Die Ansagen, die Bewegungen, die Kontaktaufnahmen wirken immer etwas zu routiniert, zu geübt sexy und cool. Aber vielleicht liegt’s auch am Botox.

Die Familienband aus den 90ern hat noch zwei Herren mit Gitarren zur Unterstützung mitgebracht. Aber die interessieren ja nun wirklich keinen. So wie auch Jim Corr, der Bruder neben den drei Schwestern, vielen nicht mehr im Gedächtnis geblieben sein wird.

Kritik?

Das Konzert an sich war jetzt kein Highlight, es war aber auch nichts daran, was einen stören oder ärgern würde. Was soll man an hübschem irischem Pop kritisieren? Die Geschwister beherrschen ihre Instrumente, die Stimmen harmonieren, Andrea Corr hat diese Ausstrahlung, von welcher man seine Blicke gerne fesseln lässt. Kritisieren kann man an diesem Abend höchstens, dass es halt einfach nett war.

 

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