Auf dem Dach der Kunstschule Zug wächst bereits wieder Gras (Bild: slam)
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Auf dem Dach der Kunstschule Zug wächst bereits wieder Gras (Bild: slam)

Kunstschule Zug wandert ab – und keiner hat’s gewusst

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Die Kunstschule Zug schliesst nach nur etwa zwei Jahren ihre Ateliers an der Baarerstrasse, um nach Luzern zu ziehen. Was bedeutet das für den Kanton Zug?

 

Die Kunstschule Zug macht die Schotten dicht und zieht nach Luzern. Warum musste die private Schule gehen? Offenbar musste sich das Angebot nach der Nachfrage richten: Rund 15 Schüler besuchten dieses Jahr noch den Gestalterischen Vorkurs der Kunstschule Zug. Offenbar zu wenige. «Wir hatten vier Schüler aus Zug. Der Rest der Klasse kam täglich mit dem Zug aus der Region Luzern», sagt Schulleiter Alanus Oesterle.

Deshalb also das Aus für die Zuger Kunstschule. In der ehemaligen privaten Kunstschule Farbmühle, die 2014 wegen zu wenigen Anmeldungen schliessen musste, fand man nun an der Unterlachenstrasse 5 in Luzern ein neues Zuhause.

Die rund zehn Luzerner der Vorkursklasse dürfte die Entscheidung der Leitung nun freuen. Bis von Stans kamen die Schüler teilweise her und mussten damit über eineinhalb Stunden Schulweg in Kauf nehmen. «Mit dem Umzug nach Luzern kann die ersparte Zeit so nun an der Schule im eigenen Atelier sinnvoll genutzt werden», zeigt sich Oesterle zufrieden.

«Wir hatten vier Schüler aus Zug. Der Rest der Klasse kam täglich mit dem Zug aus der Region Luzern.»

Alanus Oesterle, Schulleiter 

Weniger Kunst für Zug?

Die Konsequenzen des Wegzugs sind offenbar für Zug zu vernachlässigen. Beim Amt für Kultur hat man vom Abzug der Privatschule nicht viel gemerkt: «Die Kunstschule Zug ist nie mit uns in Kontakt getreten und wir wussten daher auch nichts von einem Wegzug», sagt der Amtsleiter Aldo Caviezel. Damit bleibt für junge Zuger nur noch das «K’werk» und die kantonale Kunst- und Sportklasse Cham für die Vorbereitung auf künstlerische Berufe, jedoch nur für Schüler bis 16 Jahre. Ansonsten bleibt nur noch der Gang in die benachbarten Kantone.

Vier Jahre in Zug

Vor vier Jahren wurde eine Liegenschaft in Zug gefunden und mit dem Gestalterischen Vorkurs, oder Gestalterischen Propädeutikum, gestartet. Nach zwei Jahren sah man sich dann nach einem neuen Ort um. Mindestens 270 m2 gross sollte es sein und ab August 2014 bezugsbereit in Form einer Zwischennutzung bis mindestens im Sommer 2015 oder 2016. Pünktlich folgte jetzt also der Wegzug der Kunstschule nach Luzern.

Um in eine Fachklasse Grafik aufgenommen zu werden, war der Vorkurs früher Bedingung, erinnert sich Franz Müller, Leiter des Laufbahn-Beratungsteams des Kantons Zug. Dies ist heute nicht mehr so. Er bemerkt, dass heute «dieser Weg von Abgängern der Volksschule, auf Sekundarstufe, viel weniger gewählt wird». Das Angebot an gestalterischen Vorkursen sei aus diesem Grund für diese Zielgruppe viel kleiner geworden, stellt Müller fest. Es gäbe aber noch einzelne Schüler aus dem Kanton Zug, die einen Vorkurs, zum Beispiel an der Kunstschule Zug, besuchten, um eine gestalterische Lehre einzuschlagen.

«Wir sind zuversichtlich, dass weiterhin Studierende aus Zug sich an der Kunstschule Luzern für den Gestalterischen Vorkurs bei uns anmelden werden.»

Alanus Oesterle

Neue Kunstschule Luzern 

Aus der Asche der Farbmühle und der Kunstschule Zug empor steigt nun also die neue Kunstschule Luzern. Der Gestalterische Vorkurs sowie das Freizeitkursangebot der Kunstschule bleiben im Wesentlichen gleich. Neben der Kunstschule Luzern werden weitere gestalterische Vorkurse an den Kunstschulen in Winterthur, Rapperswil und Chur organisiert, zur Vorbereitung auf Berufslehren wie Grafiker, Polydesigner 3D oder für das Studium an einer Kunsthochschule.

«Wir sind zuversichtlich, dass weiterhin Studierende aus Zug sich an der Kunstschule Luzern für den Gestalterischen Vorkurs bei uns anmelden werden», zeigt sich Oesterle zuversichtlich. Im Herbst wird darüber entschieden, ob einzelne Freizeitkurse nebst Luzern auch in Zug durchgeführt werden. 18 Schüler sind für das laufende Semester in Luzern für den Vorkurs angemeldet, darunter rund fünf Zuger, die restlichen aus der Region Luzern. Die Dozenten der Kunstschule Zug werden weiterhin in Luzern beschäftigt. Die Anzahl Lehrer bleibt gemäss Schulleitung gleich.

Für Berufslehre oder Studium

Jährlich ermöglichen die Kunstschulen rund 80 interessierten Personen, sich auf die Berufslehre wie Grafiker, Polydesigner 3D oder für das Studium an einer Kunsthochschule vorzubereiten.

Anmeldeschluss für Interessierte am neuen Gestalterischen Vorkurs/Gestalterischen Propädeutikum in Luzern ist der 12. August 2016. Der Kurs beginnt am Montag, 22. August 2016. Tage der offenen Türen finden in diesem Jahr keine mehr statt.

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