«Wayfarin’ Strangers» spielt auch in den Kneipen der Baselstrasse.
Kultur Rezension

«Wayfarin’ Strangers» spielt auch in den Kneipen der Baselstrasse.

«Wayfarin’ Strangers» – Safari in der Stadt

3min Lesezeit

An Luzerns Stadtrand häufen sich Geschichten einprägsamer Einzelschicksale. In «Wayfarin' Strangers», einem mobilen Strassen- und Stationstheater, wird die Baselstrasse zum Ort, wo man Liebe in Form von 50 Franken nach Hause schickt.

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«Wayfarin’ Strangers» führt in einer Theatersafari durch Kneipen, Clubs und Gassen der Baselstrasse. Ein mobiles Strassen- und Stationstheater entlang der Baselstrasse zwischen dem Luzerner Kasernenplatz und dem Kreuzstutz. Ein Guide lotst das Publikum in kleinen Gruppen zu den verschiedenen Szenen.

Gespielt werden diese zwar etwas abseits von Lärm und Ablenkung, sie bleiben aber stets öffentlich und werden grundsätzlich nicht von ihrer Umgebung abgeschirmt. So sind die dargestellten Szenen nicht das einzige Schauspiel: Knurrige Stammtisch-Beizler am Tisch nebenan liefern ihre ganz eigene Show, irritierte Passanten entlocken dem Publikum immer wieder ein Schmunzeln.

Die Safari zeigt uns in unserer nächsten Umgebung eine Welt fremder Schicksale. Die wenigsten Besucher waren schon mal an den verschiedenen Aufführungsorten. Doch nicht nur die Schauplätze, sondern auch die Schicksale der gespielten Personen sind für das Publikum kleine Reisen in die Fremde. Schicksale, die sich in bizarren Situationen zwischen der persönlichen Vergangenheit und Zukunft festgefahren haben. In Liedern und kleinen Monologen erzählen uns die Figuren immer wieder von Sehnsüchten, Wünschen, Frieden und Liebe.

«Vom Stammtisch zur Heroinabhängigen und weiter zum philosophierenden Maler»

Klischeehafte Kostüme, ausgefallene Texte, der Einsatz von Laienschauspielern und oft vertauschte Geschlechterrollen verstärken ein Gefühl von Distanz, weshalb die skizzenhaften Szenen eher nüchtern wirken. Die einzelnen Aufführungen unterscheiden sich formal und in der Stimmung, die sie erzeugen, so stark, dass sie dem Betrachter empathische Empfindungen erschweren, eben wie Szenen auf einer Safari. Als fremder Beobachter spaziert man vom Stammtisch zur Heroinabhängigen und weiter zum philosophierenden Maler in einem halbfertig gestrichenen Raum.

Keine philosophische Neuentdeckung

Erwarten sollte man von «Wayfarin’ Strangers» nicht die philosophische Neuentdeckung des Jahrhunderts. Es sind inspirierende Momente und Anekdoten, die hängen bleiben: Wie die Fotografien von brüllenden Löwen auf echter Safari, sind es in der Baselstrasse Sprachfetzen wie: «Laufsch quer dör Sarajevo ond luegsch d Räschte vom Chrieg ah.» oder «Lungechräbs? Ech ha gmeint Zungechräbs?!», die die Besucher auf den kurzen Spaziergängen fleissig diskutierten. Dies allein reicht völlig aus, die spannende Tour jedem zu empfehlen.

Nächste Aufführung: Samstag, 21. Mai, alle weiteren Infos auf wayfarin-strangers.ch

Von Christian Löffel und Basil Gallati

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit kulturteil.ch entstanden und kann dort ebenfalls gelesen werden.

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