Eine Auswahl des Menus am ersten Abend des Genuss-Film-Festivals in Zug. (Bild: Laura Livers)
Kultur Rezension

Eine Auswahl des Menus am ersten Abend des Genuss-Film-Festivals in Zug. (Bild: Laura Livers)

Perlen zwischen erlesenen Häppchen

3min Lesezeit

Das Zuger Genuss-Film-Festival verspricht eine Woche geprägt von filmischen und kulinarischen Höhepunkten. Aber hält es, was es verspricht? zentralplus war am Eröffnungsabend dabei und fand: Der Höhepunkt des Abends war rein kulinarisch. Was die Filme betrifft, gibt es aber noch Hoffnung.

Laura Livers

Bereits zum zweiten Mal geht das Zuger Genuss-Film-Festival diesen Frühling über die Bühne. Es ist der Versuch, nicht nur die Kinokultur, sondern auch die Esskultur auferstehen zu lassen und zu zelebrieren. Ein nicht einfaches Unterfangen in einer Zeit, in der Filme gratis im Internet zu finden sind und an jeder Ecke Fastfood zu haben ist.

Melodrama in Hollywood-Manier

Am Eröffnungsabend wurde zuerst Sarah Jensens Kurzfilm «Food Truck Chaser» gezeigt, danach folgte die Vergabe des Genuss-Award an den Schauspieler Antoine Monot. Erst anschliessend flimmerte «Burnt» mit Bradley Cooper, Daniel Brühl und Matthew Rhys über die Leinwand. «Burnt» ist ein Melodrama in bester Hollywood-Manier: Der ehemalige Starkoch muss zuerst seine eigene Obsession – die Perfektion – überwinden, bevor er die schöne Sous-Chefin bekommt.

Der Trailer zum Film:

An diesem Abend waren vor allem Sponsoren und Vereinsmitglieder anwesend. Das erklärt auch, weshalb der Abend für Aussenstehende eher etwas langatmig ausfliel. Ein Festival dient eben nicht nur der Unterhaltung, sondern ebenso dem Netzwerken. So lässt sich am ehesten erklären, weshalb Stephan Schleiss, seines Zeichens Zuger Regierungsdirektor für Bildung und Kultur, in seiner Rede die Rentabilität des gezeigten Filmes mit der aufstrebenden Wirtschaftsmetropole Zug verglich.

Wahre Perlen und kulinarische Banausen

Ein Blick auf das Wochenprogramm verrät aber, dass die Filmauswahl auch wahre Perlen beinhaltet. Beispielsweise Naomi Kawases «An» (Japan, 2015), die Geschichte einer alten Leprakranken, oder Willemiek Kluijfhouts «Fucking Perfect» (Niederlande, 2015), ein Dokumentarfilm über den niederländischen 3-Sterne-Koch Sergio Herman und sein Team.

Das Menu des Abends, zubereitet von Thomas Huber und seinem Team von der Krone Sihlbrugg, war der beste Grund, den Abend nicht zu verpassen. Ein paar der Anwesenden wünschten sich aufgrund der kleinen Portionen zu Beginn noch einen Teller Spaghetti in der Platzmühle. Doch diese Stimmen verstummten irgendwo zwischen Rauchlachs-Mousse im Windbeutel, mariniertem Piemonteser Rind, temperiertem Saiblingsfilet, Hacktätschli vom Säuliamter Kalb mit Perigord-Trüffel, Spargel-Mousse, Speck auf Roggen-Kürbis-Knäckebrot, Schaum von gebrannter Crème und Erdbeer-Rhabarber-Grütze. Einzig ein paar Stühle mehr wären nicht fehl am Platz gewesen – wer sich einem so guten Essen widmen will, sitzt halt auch gerne bequem.

Der Trailer zum Festival:

Das Genuss-Film-Festival läuft noch bis am 7. Mai.

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Kultur