Attila Maria Wittmer (links) und Florian Paul Koenig wollen einen kreativen Diskurs zum Thema Salle Modulable lancieren.  (Bild: jav)
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Attila Maria Wittmer (links) und Florian Paul Koenig wollen einen kreativen Diskurs zum Thema Salle Modulable lancieren. (Bild: jav)

Diskutieren statt rebellieren und blockieren

7min Lesezeit

Ein Haus für die Kunst soll aus Sicht der Kunst diskutiert werden – das ist die Überzeugung zweier junger Künstler zur Salle Modulable. Daher organisieren sie Aktionen in Luzern, um die Diskussion auf neuen Ebenen voranzutreiben. Dabei kämpfen sie aber auch gegeneinander.

Finanzen, Standort, Finanzen, Standort und nochmals die Finanzen – die Diskussion um die Salle Modulable dreht sich um die immer gleichen Punkte.

Doch der Inhalt – die Diskussion um die Kunst selbst – kommt zu kurz, finden zwei junge Künstler und haben deshalb ein Projekt ins Leben gerufen. «Salle Mobile» heisst es, und die Idee stammt von Attila Maria Wittmer und Florian Paul Koenig. Die zwei Kunstschaffenden setzen sich schon seit längerem mit dem Thema der Salle Modulable auseinander und wollen nun einen künstlerischen Diskurs um das geplante (Musik-)Theaterhaus eröffnen.

Aktionen an den «Tatorten»

Das tun sie erstmals mit zwei Veranstaltungen: Mit dem «Salon Mobile» am 29. April und der «Salle Matinée» am 30. April. «Es ist besser, darüber zu diskutieren, ohne zu entscheiden, anstatt darüber zu entscheiden, ohne zu diskutieren», schreiben die beiden 25-jährigen Künstler in ihrem Blog.

Die erste Veranstaltung namens Salon Mobile findet in ihrem Atelier im «Tatort» an der Bernstrasse statt. «Da müssen sich die Leute auf farbige, dreckige Stühle setzen, vielleicht ein Glas Wein mit uns trinken. Das ist eine andere Atmosphäre als an Podiumsdiskussionen und in sterilen Sitzungszimmern. So können auch andere Themen und Ideen auftauchen», betont Koenig. Die inoffizielle Zusage der Offiziellen haben sie für den Abend schon.

«Privat ist es natürlich schwieriger, neutral zu sein.»
Attila Wittmer und Florian Koenig

Bei der zweiten Aktion, der Salle Matinée, geht es darum, dass die Leute an den Ort kommen, wo die Salle Modulable künftig stehen soll. «Auf dem Inseli soll getanzt und geplaudert werden – über die Zukunft des Ortes und über die Idee Salle Modulable», erläutert Koenig die Veranstaltung. Immer mit dabei: ein Bauvisier. «Es soll als Emblem, als Symbol für die Vision unseren Diskurs und die Aktionen begleiten», so Wittmer.

Ein Diskurs: neutral, unpolitisch und unwissenschaftlich

Es sei eine richtige Befreiung, nicht politisch, logisch, mathematisch, analytisch oder wissenschaftlich denken zu müssen, betonen die beiden. Denn in der Kunst habe man die Freiheit, querzudenken, idiotische Ideen zu verfolgen, Gedankenspiele zu unternehmen, die vielleicht nirgends hinführen. Aber vielleicht kommt man dann doch über Stock und Stein zu einem vorher unvorstellbaren Ziel.

«Man soll seine Position verteidigen, aber auch überdenken können.»
Florian Koenig

Salle Mobile versucht, neutral zu sein und eine offene Plattform zu schaffen. Dabei arbeiten Koenig und Wittmer mit künstlerischen Methoden und wollen sich nicht instrumentalisieren lassen, für keine Seite. «Privat ist es natürlich schwieriger, neutral zu sein», geben sie jedoch zu. Doch es gehe vor allem darum, auch mit den Leuten, die anderer Meinung sind, zu diskutieren – nicht zu streiten. Obwohl auch die beiden zum Thema oft hitzige Diskussionen führen, erzählt Wittmer lachend: «Wir sind sehr unterschiedlich – wenn wir diskutieren, dann sind wir immer auch am Kämpfen.»

Koenig ergänzt: «Man soll seine Position natürlich verteidigen, aber auch überdenken können.» Man müsse sich informieren und dann differenzieren. Und dabei gibt es zahlreiche Themen und offene Fragen.

 Zusammensitzen und diskutieren ist das Ziel des Salon Mobile. (Bild: Salle Mobile)
Zusammensitzen und diskutieren ist das Ziel des Salon Mobile. (Bild: Salle Mobile)

Worüber streiten? Oder eben nicht streiten!

Die Verantwortlichen des Projekts sprechen von einer riesigen Chance. Luzern müsse sich als Kulturstadt global positionieren. Die Fragen, welche dazu im Raum stehen, nehmen auch die beiden Künstler auf: Braucht es dafür wirklich ein weiteres Prestigeobjekt direkt beim KKL? Soll dafür das Inseli geopfert werden? Wieso soll die lokale Bevölkerung diesen Ort der Begegnung verändern? Zu teuer, zu touristisch, wir Luzerner haben nichts davon! Was stimmt wirklich?  Das KKL bringe jährlich 74 Millionen Gewinn in die Region Luzern. Ein schöner Betrag, von dem Luzern gut profitieren kann. Ein Argument für die Salle Modulable, welche ebenfalls viel einbringen könnte.

«Der Standort ist fix, daran gibt es nichts zu rütteln, die Finanzen sind noch nicht klar. Worüber man jedoch diskutieren kann und soll, das ist der Inhalt», betont Wittmer, der eigentlich in Braunschweig studiert und nun für das Projekt wieder in Luzern ist.

Die Jungen aktivieren

Ein wichtiger Punkt für die beiden Künstler ist es auch, die eigene Generation zu aktivieren. «Es ist schon erstaunlich, wie viele Junge Angst vor dieser Veränderung haben und wie eher Ältere dafür argumentieren», so Wittmer. Doch Rebellion und Blockieren alleine bringe nichts – es brauche eine Offenheit für die andere Haltung.

«Unsere Forderung ist: Holt auch die jüngere Generation mit an den Tisch.»
Attila Wittmer

Aber selbstverständlich seien auch für sie gewisse Punkte nicht diskutierbar. Die Vision des TWL zum Beispiel dürfe auf keinen Fall abgeschwächt werden. Eine Mischung aus etablierter und alternativer Kunst müsse Platz haben – und ein Arbeiten und Aufführen im Haus auch für beide Seiten möglich sein. Wichtig sei auch, dass die beiden Inseli-Sommerbars Buvette und Volière nicht vergessen werden.

Das Ziel: mit am Tisch zu sitzen

Neben den Aktionen sind vonseiten Salle Mobile auch Besuche bei allen Stakeholdern der Salle Modulable geplant. «Staatsbesuche sozusagen», sagt Koenig und lacht.

Denn die beiden wollen nicht nur mit der Bevölkerung reden – sie wollen auch politisch mitreden und mit am Tisch sitzen. «Es heisst immer vonseiten der Stadt und der Stiftung, man wolle reden, aber in den Gremien und Arbeitsgruppen sitzen nur wenige – und vor allem nur die Älteren. Unsere Forderung ist: Holt auch die jüngere Generation mit an den Tisch. Wir werden da drin sitzen und produzieren, wenn das Haus zustande kommen sollte», so Wittmer.

Vielleicht sei ihre Haltung und die Idee romantisch, das geben die beiden zu. «Aber es muss geredet werden, und wir hoffen, die Leute dafür zusammenzubringen», so König.

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