Die Dada ante portas (die Gründungsmitglieder von links: Luc Bachmann, Pirmin Wirz, Lukas Schaller und Thomas Lauper) basteln an ihrem achten Studioalbum. Auf dem Bild fehlt Simon Ryf. (Bild: zvg)
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Die Dada ante portas (die Gründungsmitglieder von links: Luc Bachmann, Pirmin Wirz, Lukas Schaller und Thomas Lauper) basteln an ihrem achten Studioalbum. Auf dem Bild fehlt Simon Ryf. (Bild: zvg)

«Ehekrisen gibt’s. Aber es ist trotzdem geil»

11min Lesezeit

Die Luzerner Band «Dada ante portas» gehört zu den erfolgreichsten Bands der Schweiz. Gerade werkeln die Luzerner an ihrem achten Studioalbum. zentralplus erreichte die Band beim Frühstück in Stockholm und sprach mit ihnen über die Balance zwischen Vollblutmusiker und Teilzeitlehrer, Wirtschaftlichkeit im Musikmarkt und Auflösungserscheinungen in 20 Jahren Band-Dasein.

Elia Saeed

Die letzten paar Jahre wurde es ruhig um «Dada ante portas». Nun ist die Luzerner Band, bestehend aus Pirmin «Pee» Wirz, Lukas «Luc le Bo» Bachmann, Lukas «Hayli» Schaller, Thomas «Thommy» Lauper und Simon Ryf, wieder auf dem Weg zurück auf die grossen Schweizer Musikbühnen. In Stockholm basteln sie aktuell an ihrem achten Album. Per Skype erreicht zentralplus die Jungs vor ihrem Aufbruch ins Studio. Während der Rest noch am Frühstückstisch sitzt, gibt Pee zunächst alleine Auskunft – bis sich die Runde nach und nach komplettiert. Gut gelaunt erzählen die Veteranen der Luzerner Musikszene, weshalb das Leben mit der Band wie eine Ehe ist, warum sie von ihrer Musik keine Familie ernähren können und wieso sie für ihr neues Album bis nach Skandinavien reisen.

zentralplus: Ihr seid für die Aufnahme eures achten Studioalbums in Stockholm. Es ist nicht das erste Mal, dass ihr dafür nach Schweden reist, oder?

Pee: Ja, 2003 und 2005 haben wir schon Alben in Schweden aufgenommen – zum Teil auch in Stockholm. Im jetzigen Studio waren wir aber noch nie. Wir arbeiten erneut mit dem Produzenten Andreas Ahlenius zusammen, mit dem wir schon vor 13 Jahren zusammenarbeiteten.

Die Dada ante portas bei einem Ausflug in Stockholm:

 

zentralplus: Und wann kommt das neue Werk an die Öffentlichkeit?

Pee: Wir haben überlegt, es im Herbst herauszubringen, aber wir sind noch immer an der Aufnahme und das Ganze braucht wahrscheinlich noch etwas Zeit. Es kann sein, dass es Anfang 2017 wird.

zentralplus: Anfang Februar dieses Jahres habt ihr ein Promo-Youtube-Video online gestellt. Das Ganze wurde im Renggloch aufgenommen.

Pee: Ja, in unserem Studio.

Sehen Sie hier das Video:

 

zentralplus: Wieso habt ihr das Album nicht gleich ganz in Kriens aufgenommen?

Pee: Wir wollten dieses Mal wieder als Band verreisen um uns voll und ganz auf unsere Musik konzentrieren zu können

zentralplus: Eure bisherigen Hits handeln von Liebesbeziehungen – sind eher rockige Herzschmerz-Songs. Geht es auf dem nächsten Album so weiter?

Pee: Es ist immer so eine Sache mit neuen Songs. Wir selbst haben das Gefühl, dass es eine Weiterentwicklung des Ganzen ist. Am Schluss heisst es von den Zuhörern draussen meistens: «Ja, das ist typisch Dada.» Wir machen jetzt ein Album, auf dem wir recht viel Synthesizer und Piano-Sachen drauf haben. Aber ja, es hat auch wieder rockige Songs drauf und natürlich geht es auch um die Liebe – aber nicht nur.

zentralplus: Euer Bandname kommt von Dadaismus. Dadaisten sind dafür bekannt, dass sie Konventionen brechen – ihr auch?

Pee: Früher, bevor wir die ersten Alben rausbrachten, haben wir noch Demos gemacht, bei denen wir auch Gedichte vorlasen. Da sind wir auch mit ganz komischem Kopfschmuck aufgetreten – das war recht lustig. Mit der Zeit wollten die Leute immer öfters unsere Songs hören und wir hatten auch immer weniger Lust, so Zeugs zu machen. Aus dieser Zeit ist nur noch der Bandname übrig geblieben – von Dadaismus nicht mehr viel.

Die Dadas im Studio: Lukas Schaller, Luc Bachmann und Pirmin Wirz (von links).
Die Dadas im Studio: Lukas Schaller, Luc Bachmann und Pirmin Wirz (von links).

zentralplus: Wie viele Tonträger habt ihr bisher verkauft? Inzwischen hat sich Hayli ins Gespräch eingeschaltet.

Zweimal Gold-Status

Im Jahre 1997 gründeten die angehenden Oberstufenlehrer die Band «Dada ante portas». Gründungsmitglied Micha Prest verliess 2006 die Band und wurde 2009 durch Simon Ryf ersetzt. Bisher veröffentlichte die Musikgruppe aus Luzern und Umgebung sieben Langspielplatten. Zu ihren bekanntesten Hits gehören «She cries for someone else» und «Taking your love». Mit letzterem Titel erreichten sie mit Platz 20 in den Schweizer Single-Charts ihre bisher beste Platzierung. Ihre letzten fünf Alben schafften es allesamt in die Schweizer Top 10. Für ihre zwei bisher erfolgreichsten Alben, «The Theory of Everything» und «The Classics», wurden Dada ante portas mit Gold ausgezeichnet. Der Bandname der Luzerner Musikgruppe leitet sich von einer Studienarbeit von Pirmin Wirz über Dadaismus ab. Zurzeit weilt die Gruppe in Stockholm für Aufnahmen zu ihrem achtem Album, dessen Name noch nicht bekannt ist.

Lukas Schaller: Wir haben zwei Gold-Alben. Das meistverkaufte Album liegt etwa bei 30’000.

Pee: Mit allem zusammen sind es etwa 150’000 verkaufte Tonträger.

zentralplus: Was bedeuten euch Chart-Platzierungen?

Pee: Das frage ich mich auch immer mehr. Die Frage ist, wie das ermittelt wird: Nur mit den Scheiben? Oder mit den Downloads? Oder zusammen mit Streaming – Air-Play-Sachen? Ich komme nicht mehr nach, darum weiss ich auch nicht, was das noch bedeutet. Wenn wir ein Album herausgeben, dann ist da schon auch die Hoffnung, dass es möglichst weit vorne in den Charts einsteigt.

zentralplus: Wart ihr enttäuscht, als das letzte Album tiefer einstieg als die vorherigen? Nun gesellt sich auch Luc zur Runde.

Pee: Ja, ich war ein bisschen enttäuscht. Aber es hielt sich in Grenzen – nach einer Viertelstunde war’s wieder gut.

Luc: Ich war eigentlich sogar erfreut. Endlich hatte ich das Gefühl: Jetzt sind wir wieder eine Indie-Band. Kollektives Lachen.

Pee: Für uns ist vor allem wichtig, dass die Leute an die Konzerte gehen. Ein Chart-Platz, ob zwei oder sieben, ist weniger wichtig als ein volles Konzerthaus – und das hatten wir ja immer bei der letzten Tour. Dass die Leute die Shows besuchen, ist das Wichtigste.

«Je günstiger die Produktion, desto weniger Scheiben musst du verkaufen.»

Pee

zentralplus: Und das geht konstant nach oben – je länger es euch gibt, desto mehr Fans sammelt ihr?

Pee: Heute kämpfen viele Bands um ihre Leute an den Konzerten. Und man kann auch locker mal zu Hause bleiben und zum Beispiel Netflix schauen.

Lukas Schaller: So wie du.

Pee: Ja, ich merke das bei mir selber: Ich bin nicht mehr der, der jeden Abend raus an Konzerte geht. Es gibt mittlerweile so viele Möglichkeiten. Es ist kein Selbstläufer, man kann nicht sagen: Je länger es einen gibt, desto mehr Leute kommen automatisch an die Konzerte.

Die Dadas berichten via Twitter aus dem Studio:

 

zentralplus: Wie viel mehr verdient ihr durch Konzerte im Vergleich zu Tonträgern?

Lukas Schaller: Das Ziel ist schon, dass sich die CD zuerst einmal selbst deckt – dann ist es schon mal gut gelaufen. Ab 10’000 CDs fängt man an, zu verdienen. Unser Verdienst stammt schlussendlich von den Live-Auftritten.

Pee: Je günstiger die Produktion, desto weniger Scheiben musst du verkaufen. Aber an diesem Punkt wollen wir nicht unbedingt sparen.

zentralplus: Könnt ihr von eurer Musik leben?

Lukas Schaller: Wir haben jahrelang Stellvertretungen gemacht. Musik war schon das Zentrale. Aber jetzt ist es so, dass alle nebenher arbeiten. Vier von uns haben Familie. Wir können nicht sagen, dass wir die Familien von unserer Band ernähren können. Es gab Zeiten, da hat man mehr CDs verkauft – also ist es uns wirtschaftlich auch schon besser ergangen.

«Wenn wir uns nicht so nahe stünden, hätte es diese Band wahrscheinlich in gewissen Momenten ‹glüpft›.»

Hayli

zentralplus: Seid ihr alle als Aushilfslehrer tätig?

Lukas Schaller: Ich mache regelmässig Stellvertretungen – meistens an Sekundarschulen.

Pee: Ich gebe Fachstunden an einer Schule in Musik, Bildnerisches Gestalten, Englisch und Französisch.

zentralplus: Der Grossteil von euch ist seit 1997 zusammen auf der Bühne. Was waren besonders wertvolle Lehren, Erkenntnisse für euch in dieser Zeit eurer Musikkarriere?

Pee: Der Tag kann noch so verschissen gewesen sein, wenn wir danach einen geilen Gig spielen, reisst es das meiste wieder raus. Das ist auch das, was ich am liebsten mache bei dieser ganzen Band-Sache: Live-Konzerte spielen.

Lukas Schaller: Speziell ist, dass es uns seit 20 Jahren gibt. Wir haben Situationen erlebt, bei denen wir merkten: Wenn wir uns nicht so nahe stünden, hätte es diese Band wahrscheinlich in gewissen Momenten «glüpft». Zu spüren, dass wir doch irgendwie den Weg gefunden haben – das sind so Sachen, die mich berühren, wo ich merke: Ja, es ist cool, so eine Truppe zu haben. Vor 20 Jahren ist vieles in der Selbstverständlichkeit gelaufen, wo wir erst später realisierten, dass das nicht selbstverständlich ist.

zentralplus: Also gab es schon Momente, wo die Band kurz davor stand, sich aufzulösen?

Luc: Ja eh, das gibt es immer wieder mal.

Lukas Schaller: Aber es gab sie eher selten in diesen 20 Jahren, oder?

Luc: Es ist ja auch irgendwie normal – das ist wie Ehe. Da braucht man auch manchmal Krisen, in denen man das Ganze infrage stellt, um danach wieder zu sagen: Es ist trotzdem geil.

Hören Sie den wohl grössten Hit der Dada Ante Portas: «She Cries For Someone Else»

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