Die Salle Modulable bei Nacht auf dem Inseli. (Bild: Visualisierung PD)
Kultur Architektur

Die Salle Modulable bei Nacht auf dem Inseli. (Bild: Visualisierung PD)

208 Millionen für Luzerner Prestigebau auf dem Inseli

14min Lesezeit 2 Kommentare

Nicht Theaterplatz, nicht Alpenquai: Die Salle Modulable soll auf das Inseli hinter dem Bahnhof. Zu diesem Schluss kommen zwei neue Studien. Zwei moderne Aufführungssäle sowie vier kleinere Studios sollen Luzern zu einem neuen Kulturmekka machen. Hier zeigen wir Ihnen die neusten Visualisierungen und erklären, was genau geplant ist. Eins vorneweg: Das Inseli wird nachher kaum mehr zu erkennen sein.

Was haben wir doch in den letzten Monaten diskutiert und spekuliert – Medien, Politiker, Architekten. Darüber, wo die Salle Modulable stehen soll. Theaterplatz? Inseli? Motorboothafen? Oder doch auf einem Schotterplatz als Alternative? (zentralplus berichtete). Nun ist die Katze aus dem Sack: Der Favorit Inseli hat sich durchgesetzt, das gaben am Dienstag Kanton und Stadt Luzern sowie die Stiftung Salle Modulable bekannt.

Das geplante Zentrum wird zur neuen Heimat der darstellenden Künste, zu einer modernen, multifunktionalen Plattform für Sprechtheater, Musiktheater und Tanz. Künftige Nutzer sind das Luzerner Theater, Luzerner Sinfonieorchester, Lucerne Festival, freie Theater- und Tanzszene sowie das Theater Werk Luzern (TWL) von Kanton und Stadt. Das Haus ersetzt das alte Luzerner Theater an der Reuss, das abgerissen werden soll.

Fotomontage der Salle Modulable am Standort Inseli: Hier soll sie stehen.
Fotomontage der Salle Modulable am Standort Inseli: Hier soll sie stehen. (Bild: Visualisierung PD)

Das neue Flaggschiff mit einem flexiblen grossen Saal, einem kleineren Aufführungssaal sowie vier Studios soll auf dem südlichen Teil des Inselis Richtung Werft gebaut werden, dort also, wo heute die Volière steht. Der gesamte Inseli-Park soll zu einem «urbanen Raum mit kultureller Ausrichtung» aufgewertet werden. Das schlägt die Machbarkeitsstudie vor.

Kaum zu glauben: Laut Studie soll die Grünfläche trotz Neubau praktisch gleich gross bleiben. Dies, weil die heutigen Carparkplätze aufgehoben würden und man somit die Grünfläche erweitern könnte.

Gleichgewicht zwischen Park und Theater

Die Studie durchgeführt hat das internationale Architektur- und Planungsunternehmen Arup in zwölfmonatiger Arbeit im Auftrag der Stiftung Salle Modulable. Arup bestätigt mit der Empfehlung eine Studie von Ernst Basler + Partner. Das Zürcher Ingenieur- und Beratungsunternehmen hatte im Auftrag der Stadt Luzern eine eigene Standortanalyse durchgeführt, die bisher ebenfalls unter Verschluss war.

«Für die Stadt bedeutet dieser Standort eine Veränderung, aber auch eine grosse Chance und eine Aufwertung dieses Stadtraumes am See.»

Stadträtin Ursula Stämmer

Laut Arup spricht für das Inseli, dass es eine kompakte Bauvariante ermöglicht. «Es besteht ein Gleichgewicht zwischen Parklandschaft und Theater.» Auch die Studie von Ernst Basler + Partner kam einstimmig zum Schluss: Der Standort Inseli hat klar das grösste Potenzial, «aufgrund des attraktiven städtischen Umfeldes, der Lage am See und des vorhandenen Frei- und Grünraums».

Mit Volumenstudien prüften die Studien, wie sich der Neubau in die Gegend einfügt – hier am Beispiel Inseli.
Mit Volumenstudien prüften die Studien, wie sich der Neubau in die Gegend einfügt – hier am Beispiel Inseli. (Bild: Visualisierung PD)

«Wir wollen das Inseli zu einer Kultur-Brücke für die ganze Bevölkerung machen. Hier sollen alle, die Schauspiel, Oper und Musiktheater und Tanz erleben möchten, zusammenkommen – in entspannter und ungezwungener Atmosphäre», sagt Hubert Achermann, Präsident der Stiftung Salle Modulable.

Stadträtin Ursula Stämmer sagt: «Für die Stadt bedeutet dieser Standort eine Veränderung, aber auch eine grosse Chance und eine Aufwertung dieses Stadtraumes am See.» Der Standort Theaterplatz wurde einstimmig abgelehnt, weil er zu klein sei. Der dritte Standort Motorboothafen sei ungeeignet, da zu dezentral und zu wenig attraktiv.

Säle setzen neue Massstäbe

Mit den neuen Sälen sollen experimentelle, aber auch traditionelle Aufführungen auf höchstem Niveau möglich sein. Vor allem der grosse Aufführungssaal soll neue Massstäbe setzen und ist laut Mitteilung der Stiftung Salle Modulable «weltweit einzigartig». Bestuhlung, Zuschauerraum, Bühnen, Balkone und Orchestergräben können verschoben oder entfernt werden. Je nach Anordnung bietet der grosse Saal zwischen 750 und 1150 Zuschauern Platz.

Der zweite, kleinere Aufführungsraum – eine Blackbox à la Südpol-Halle – fasst mit einer ausfahrbaren Zuschauertribüne 200 Besucher. Die vier Studios schliesslich sind für experimentellere Produktionen, Proben und andere Veranstaltungen vorgesehen.

«Wir wollen das Inseli zu einer Kultur-Brücke für die ganze Bevölkerung machen.»

Hubert Achermann, Präsident Stiftung Salle Modulable

Das neue Theaterzentrum werde den Künstlern ermöglichen, «dem Publikum auf traditionelle Weise zu begegnen, aber auch auf eine avantgardistische Art und Weise zu experimentieren», sagt Tateo Nakajima von Arup.

Die grosse Bühne mit einer klassischen Theaterbestuhlung.
Die grosse Bühne mit einer klassischen Theaterbestuhlung. (Bild: Visualisierung PD)

Videos auf der Fassade

Das Inseli wird sich nach Plänen von Arup stark verändern. Das renommierte Büro schlägt vor, den Park neu zu erschliessen, «einen urbanen Raum mit kultureller Ausrichtung zu schaffen». Eine Idee sticht hervor: Aufführungen aus dem Innern der Salle Modulable sollen per Video auf die Aussenfassade des Gebäudes übertragen werden. Wem das Innere zu elitär und zu teuer ist, der kann sich also mit einem Bier auf die Wiese legen und die Inszenierung gratis mitverfolgen.

Auch eine Sommerbar ist auf dem Inseli weiter vorgesehen – ob es weiterhin Platz für zwei Bars wie heute hat, ist aber fraglich. Jedoch soll das Inseli seine entspannte und ungezwungene Atmosphäre beibehalten, wenn es nach Hubert Achermann, Präsident der Stiftung Salle Modulable geht. «Wir wollen das Inseli zu einer Kultur-Brücke für die ganze Bevölkerung machen. Hier sollen alle, die Schauspiel, Oper, Musiktheater und Tanz erleben möchten, zusammenkommen.»

Wie viel zahlt die öffentliche Hand?

Öffentliche Veranstaltungen

Bis Ende April gibt es verschiedene Veranstaltungen für einen Dialog mit der Bevölkerung und Kulturschaffenden. Stadt und Kanton wollen mit einer «direkten Kommunikation Rede und Antwort stehen». Darin wird es einerseits um das neue Theatergebäude gehen, aber auch um das Theater Werk Luzern (TWL), eine gemeinsame Plattform von Stadt und Kanton für darstellende Künste. Innerhalb des TWL sollen regionale bis internationale Theaterschaffende zusammenarbeiten. Neben Südpol und KKL soll künftig auch das Neue Theater Luzern/Salle Modulable zur Verfügung stehen.

Öffentliche Informationsveranstaltungen: Montag, 11. April um 17.30 Uhr und Donnerstag, 14. April um 19 Uhr im Südpol Luzern. Anwesend sind Regierungspräsident Reto Wyss, Stadträtin Ursula Stämmer, Hubert Achermann (Präsident Stiftung Salle Modulable) sowie Vertreter der zwei Studien.

Neben der Standortfrage liefert die Arup-Studie auch Details zu Baukosten, Betriebsanforderungen und zur weiteren Projektierung. Und die Kosten sind happig: Die Design- und Baukosten des neuen Hauses sind auf 161 Millionen Franken veranschlagt. Insgesamt rechnen Stadt und Kanton mit Investitionen von 208 Millionen Franken: Darin sind neben den 161 Millionen auch 20 Millionen für das Grundstück enthalten sowie 27 Millionen Franken für übrige Kosten (Wettbewerb, Projektkosten, Rückbau Carparkplätze etc.).

Für das neue Theaterhaus rechnet die Studie von Arup mit Betriebskosten (ohne künstlerische Ausgaben für Produktionen und Gastspiele) von jährlich 8,8 Millionen Franken. Dazu empfiehlt die Studie, in einem Unterhalts- und Erneuerungsfonds zusätzliche Rückstellungen von jährlich 3 Millionen zu bilden für anfallende Wartungsarbeiten. Insgesamt belaufen sich die geschätzten Kosten für Betrieb und Unterhalt des Hauses auf 31 Millionen pro Jahr. Zum Vergleich: Das Luzerner Theater kostet heute die öffentliche Hand rund 24 Millionen jährlich.

Kosten noch «deutlich zu hoch»

Von den ursprünglich 120 Millionen Franken aus dem Nachlass des Mäzens Christof Engelhorn sind noch 80 Millionen Franken übrig für den Bau des neuen Theatergebäudes – nach Planungs-, Verwaltungs- und Rechtskosten. Auch die Machbarkeitsstudie wurde von diesem Geld finanziert. Für die restlichen 128 Millionen für das Projekt müssen die öffentliche Hand und Private aufkommen: Stadt und Kanton rechnen mit Kosten von insgesamt 93,3 Millionen, blieben noch 35 Millionen, die weitere Geldgeber übernehmen müssen.

Doch laut Regierungspräsident Reto Wyss sind die geschätzten Kosten noch deutlich zu hoch: «Wir haben nun die Aufgabe, die Kosten zu senken – auch die Betriebskosten von 31 Millionen müssen sinken.»

Abstimmung im November

Die Machbarkeitsstudie steht im Einklang mit der Vereinbarung, die zwischen der Stiftung Salle Modulable und dem Butterfield Trust auf Bermuda, der das Erbe verwaltet, im Dezember 2014 geschlossen wurde. Darin ist auch ein verbindlicher Zeitplan festgehalten: Spätestens bis Ende 2018 müssen alle politischen Hindernisse aus dem Weg geräumt und die Finanzierung gesichert sein, sonst fliesst kein Geld aus dem Nachlass nach Luzern. Das Projekt wäre gestorben.

Modell der Grossen Bühne: Flachbodenanordnung mit kreativer Nutzung von Balkonen und Wandfenstern.
Modell der Grossen Bühne: Flachbodenanordnung mit kreativer Nutzung von Balkonen und Wandfenstern. (Bild: Visualisierung PD)

Die nächsten Schritte sind jetzt ein inhaltliches Betriebskonzept (in Arbeit). Zudem wird für den Bau eine Stiftung gegründet mit Kanton, Stadt, Stiftung Salle Modulable, Luzerner Theater und Lucerne Festival als Gründer. Der Architekturwettbewerb startet Anfang 2017.

Ab Juni bis September 2016 stehen die nächsten politischen Entscheide an: Zuerst im Stadtrat (Baurechtsvertrag, Projektierungskredit) sowie im Regierungsrat (Planungs- und Projektierungskredit), danach in den Parlamenten von Stadt und Kanton. Am 27. November findet in der Stadt die erste Volksabstimmung statt. Im 3. und 4. Quartal 2018 folgt der politische Prozess mit nachfolgender Volksabstimmung für Baukredit und Anpassung der städtischen Bau- und Zonenordnung. Drei weitere Jahre hat man schliesslich Zeit für die Baubewilligung – bis 31. Dezember 2021.

Für die Kinder und Enkel

«Wir wollen mit grossem Elan weiterhin zusammen mit allen beteiligten Institutionen an der innovativen Luzerner Kulturzukunft arbeiten», sagt Regierungspräsident Reto Wyss. Das neue Theater biete den lokalen Künstlerinnen und Künstlern Raum und locke renommierte Kunstschaffende aus aller Welt an. «Profitieren werden auch Wirtschaft und Tourismus», verspricht Wyss.

Die Salle Modulable macht Luzern zu einem Mekka für Kulturinteressierte aus aller Welt.»

Hubert Achermann, Präsident Stiftung Salle Modulable

Stiftungspräsident Hubert Achermann erinnert daran, dass das neue Zentrum «nicht nur ein Projekt für die heutige Generation ist, sondern für unsere Kinder und Enkel. Es macht Luzern in den Bereichen Schauspiel, Oper/Musiktheater und Tanz zu dem, was die Stadt durch das KKL im Bereich der klassischen Musik bereits heute ist: ein Mekka für Kulturinteressierte aus aller Welt.»

Es herrscht jetzt also Gewissheit über den Standort – ein paar Fragen bleiben offen:

Behält das Inseli seinen Charakter?

Auch wenn die Grünfläche kaum abnimmt: Bleibt das Inseli auch ein Treffpunkt für alle, zu dem es in den letzten Jahren geworden ist? Auch dank der beiden Sommerbars Buvette und Volière. Oder wird die Wiese zur hochkulturellen Flanierzone zwischen den beiden Flaggschiffen KKL und Salle Modulable?

Was passiert mit dem alten Theatergebäude an der Reuss?

Die Diskussion für eine weitere kulturelle Nutzung wird nun definitiv Fahrt aufnehmen – eine Initiative für ein neues «Kulturhaus für alle» wurde kürzlich eingereicht (zentralplus berichtete). Stadt und Kanton haben allerdings andere Pläne: Ihre Studie schlägt vor, das alte Gebäude an der Reuss abzureissen zugunsten eines öffentlichen Freiraums. Eine Art Sechseläutenplatz in Luzern also? Der Stadtrat prüft beide Ideen.

Wohin kommen die Cars und die Määs?

Eine neue Carstrategie ist laut Ursula Stämmer in Arbeit, ebenso ein neuer Standort für die Määs, die bisher auf dem Inseli stattfindet.

Wie stehen die politischen Chancen des Standorts Inseli?

Die Salle Modulable auf dem Inseli wird viele Gegner haben, insbesondere jene, die sich vor einer Aufwertung des beliebten Parks fürchten. Die Frage ist auch, was mit der Juso-Initiative «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» passiert (zentralplus berichtete): Sie würde nach jetzigem Stand eine Salle Modulable auf dem Inseli verunmöglichen. Dies, obwohl auch die Projektstudie den Wegfall der Carparkplätze und eine Erweiterung der Grünzone vorsieht. Der Stadtrat plant die Behandlung der Initiative so, dass über diese gleichzeitig wie über die Erteilung des Baurechtsvertrages entschieden wird.

Und schliesslich die Geldfrage:

Welcher Spender bezahlt die fehlenden 35 Millionen Franken für den Bau? Und woher nehmen Stadt und Kanton das Geld für ihren Anteil? Diese Fragen bleiben offen. Laut Machbarkeitsstudie kommen auf die öffentliche Hand Investitionskosten von 93,3 Millionen und jährliche Betriebskosten von 31 Millionen zu – auch wenn diese Kosten laut Reto Wyss noch sinken müssen.

Was spricht für das Inseli? Lesen Sie hier unseren detaillierten Artikel über die Machbarkeitsstudie

Im Laufe des Tages folgen weitere Details, Zahlen und Stimmen zur Salle Modulable

zentralplus hat bereits ausführlich über die Salle Modulable geschrieben: Alle Berichte finden Sie in unserem Dossier

In unserer Bildergalerie finden Sie weitere spannende neue Bilder zur Salle Modulable:

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Kultur