Marcel Hörler (links) und Stephan Wittmer vor dem Rohmaterial ihres zukünftigen Museums. (Bild: zvg)
Kultur Veranstaltung

Marcel Hörler (links) und Stephan Wittmer vor dem Rohmaterial ihres zukünftigen Museums. (Bild: zvg)

Von der Baracke zum Kunstmuseum

4min Lesezeit

Eigentlich sollten die Baracken entsorgt werden. Doch zwei Luzerner entschieden sich, ein zeitgenössisches Kunstmuseum daraus zu machen. Nun stehen sie kurz davor, ihr Projekt zu starten. Die Ambitionen sind gross, der Aufwand noch viel grösser.

Was es für ein Museum braucht: Ein Stück Brachland, zwei heruntergekommene Baracken und zwei ambitionierte Menschen. Zumindest in Adligenswil ist das so. Hier entsteht gerade ein offenes Museum für zeitgenössische Kunst.

Mit einfachsten Mitteln und der Hilfe von zahlreichen Freiwilligen soll hier ein Projektpavillon entstehen und gestaltet werden. Hinter dem Projekt «Museum1» stehen der Initiant Stephan Wittmer, künstlerischer Leiter, und Marcel Hörler vom Verein Subkult.

Entsorgen oder umnutzen?

Unverhofft kamen die beiden Initianten im vergangenen Herbst zu ihrer Infrastruktur. «Die Baracken standen am anderen Dorfrand herum und sollten entsorgt werden. Wir erweisen dem Besitzer somit einen Dienst, für ihn fallen keine Entsorgungsgebühren an», erzählt Hörler. Er konzipiert und setzt mit dem Verein Subkult auf regionaler bis internationaler Ebene Projekte im Bereich Kulturvermittlung um und arbeitet als Jugendarbeiter. Stephan Wittmer, der Initiant des Museums, ist Künstler, Herausgeber des Kunstmagazins _957 und Dozent an der HSLU Kunst & Design. Ein Dozent von Hörler an der Hochschule vermittelte ihm für das Projekt den Kontakt zu Wittmer. Denn dieser hatte bereits im vergangenen Jahr auf der Brache eine Ausstellung unter dem Dach Museum1 organisiert.

«Wenn man wenig finanzielle Mittel hat, sind motivierte Menschen, die Lust haben, sich auf ein Experiment einzulassen, unverzichtbar.»
Marcel Hörler, Mit-Initiant des Projektpavillons

Mit dem Bau des Projektpavillons verfolgen die beiden künstlerische als auch soziokulturelle Ziele. «Für Marcel ist das Projekt ein Teil des Praxisprojekts im Rahmen des Studiums in Soziokultur an der Luzerner Hochschule für Soziale Arbeit», so Wittmer. Im Aufbau des Projektpavillons wolle er die nötigen partizipativen Strukturen schaffen, damit alle Interessierten im Aufbau und in der Gestaltung mitwirken und mitentscheiden können. Ein offenes Museum soll enstehen, in welchem regionale Künstler ausstellen können, aber auch Kunstprojekte in Mitarbeit der Bevölkerung. Dass später auch internationale Künstler den Pavillon nutzen, schliessen die beiden nicht aus. Auch ein Atelierplatz wäre möglich. Doch erstmal muss der Pavillon nun entstehen.

Ein Ort der Vernetzung

Bereits im November letzten Jahres führte Hörler auf der Brache einen Stammtisch mit Vorstandsmitgliedern von Adligenswiler Kultur- und Sportvereinen, einem Gemeinderat und der Gemeinderatspräsidentin durch. Er wolle mit dem Stammtisch, der im Frühling weitergeführt wird und integraler Bestandteil des Projektpavillons sein soll, die Vernetzung unter den lokalen Akteuren in Adligenswil stärken. «Damit können die Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Adligenswil das ‹Museum1› als Ort der kulturellen Teilhabe nutzen», so Hörler.

Eröffnung

Die Kick-off-Veranstaltung findet am Samstag, 5. März 2016, von 10 bis 14 Uhr auf dem Grundstück 837 in Adligenswil statt.

Die Organisatoren bitten um eine Anmeldung an: mail@museum1.ch

Das «Museum1» ist in 20 Minuten mit dem Postauto 73 ab Bahnhof Luzern oder Rotkreuz erreichbar: Postautohaltestelle Chliäbnet.

Und was ist konkret geplant? «Erstmal ein Fest», lachen die beiden. Dann müssen die Baracken restauriert, das Dach geflickt und Fenster eingesetzt werden. «Das gibt mal ganz schön zu tun.»

Vieles im Pavillon ist auf Prozess angelegt. «Aber schon Ende April eröffnen wir die Ausstellung von Otto Lehmann. Zudem werden weitere Stammtische stattfinden», sagt Hörler. Schon bald soll es also losgehen.

«Wenn man wenig finanzielle Mittel hat, wie das bei uns der Fall ist, sind ein Bagger und motivierte Menschen, die mitdenken, mithelfen und Lust haben, sich auf ein Experiment einzulassen, unverzichtbar. Wir haben uns das ambitionierte Ziel gesetzt, dass Ende Mai der Pavillon steht und genutzt werden kann», so Hörler. Wie gross der Aufwand letztendlich sein werde, hänge aber natürlich auch stark davon ab, was alles gestaltet werde. «Sprich: was am, im und um den Pavillon geschehen wird», sagt Hörler.

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