Das B-Sides auf dem Sonnenberg: vom Fuka-Fonds gab’s 2015 15’000 Franken. (Bild: PD/Silvio Zeder)
Kultur Bildung

Das B-Sides auf dem Sonnenberg: vom Fuka-Fonds gab’s 2015 15’000 Franken. (Bild: PD/Silvio Zeder)

Das sind die Profiteure des Fuka-Fonds

9min Lesezeit

Wie gefordert, so geliefert: Die Stadt Luzern muss erstmals bekanntgeben, wer wie viel Geld aus dem Kultur-Fonds erhält. Die Beiträge von 2015 bewegen sich zwischen 300 und 15’000 Franken – und es wurde gesamthaft weniger eingefordert als budgetiert. zentral+ bringt Ordnung in den Zahlendschungel.

Anschub geben und Innovation fördern – das sind zwei Kriterien für Gelder aus dem «Fonds zur Unterstützung kultureller Aktivitäten» – kurz: Fuka-Fonds. Der städtische Fonds steht allen offen, die ein Kulturprojekt oder eine Veranstaltung durchführen mit Bezug zur Stadt Luzern. Sei das eine Ausstellung, ein Buch, ein Film, ein Konzert, ein Kunstprojekt oder ein Album.

Bisher war die Vergabe geheim. 2015 forderten Politiker von den Grünen, die Geldvergabe des Fuka-Fonds publik zu machen (siehe Box). Die Stadt weigerte sich zuerst, der Aufwand sei zu gross. Musste dann aber, als das Stadtparlament die Forderung der Grünen unterstützte, nachgeben. Jetzt liegen die Zahlen erstmals vor. zentral+ hat die Liste genauer angeschaut, einige Zahlen herausgepickt und nachgerechnet.

855’000 Franken

So viel Geld hat die Stadt Luzern 2015 budgetiert für den Fuka-Fonds. Etwas mehr, als sie 2014 ausgab: 802’500 – und wiederum etwas mehr als 2013: 730’765. Doch das Budget wurde nicht ausgereizt, wie folgende Zahl zeigt:

551’375 Franken

Das hat der Fuka-Fonds auf Gesuche hin 2015 tatsächlich ausgegeben. Dies zeigt die erstmalige Veröffentlichung der Beiträge. Und ja, zentral+ hat sich die Mühe gemacht und die Beträge von 239 Gesuchen von Hand zusammengerechnet. Grundsätzlich schön, wenn man weniger ausgeben muss als budgetiert.

303’624 Franken

Und so viel bleibt schliesslich als Differenz. Wieso hat die Kultur so viel Geld nicht eingefordert, wo es doch immer fehlt? Es gibt Erklärungen: Einerseits ist ein Budget immer eine Annahme – und es können mal Veranstaltungen wegfallen oder dazukommen. Zudem wurden rund 170’000 Franken aus dem Fuka-Fonds in den Fonds Kultur und Sport «umgelagert» – es bleibt also noch rund 130’000 Franken Differenz. Und ein Polster sei wichtig, sagt Bildungsdirektorin Ursula Stämmer auf Nachfrage. «Das Ziel ist nicht, auf 0 Franken zu kommen.»

In den Vorjahren allerdings war der Unterschied zwischen Budget und ausgegebenem Geld kleiner: 2014 war er minim (177 Franken unter Budget!), 2013 rund 60’000 über dem Budget, 2012 betrug der Unterschied knapp 8000 Franken.

15’000 Franken

Das ist der höchste Beitrag aus dem Fuka-Fonds – so viel bekam das B-Sides Festival. 12’000 Franken gab’s viermal: für das Jahresprogramm der Loge, für das Forum Neue Musik, die Produktion «Expedition Hollywood Classics» im Südpol und die Werkstatt für Theater («Winterjournal» von Paul Auster). Fünfstellige Beträge sind aber selten: Nur gerade 8-mal kam das im vergangenen Jahr vor.

10’000 Franken

Der grösste Betrag im Bereich «Ausstellungen»: an den Verein Weltformat für das Plakatfestival – neun Ausstellungen in der Stadt Luzern.

7000 Franken

Die teuerste Publikation: Diesen Betrag erhielt der Verlag Edizioni Periferia für «Madonnen und erotische Aquarelle» – ein Buch über den grandiosen Künstler Hans Schärer (zentral+ berichtete).

5000 Franken

Die grössten Beiträge an Tonträger. Die bekamen der Gitarrist Christian Wallner für seine Live-CD «10 Jahre Piri-Piri» – sowie die international erfolgreiche Luzerner Band Dub Spencer & Trance Hill für ihr Album «Physical Echoes». Dieses erscheint demnächst auf Vinyl.

3000 Franken

Diesen Betrag erhielt das Radio 3fach für den «Wiederaufbau infolge Datenverlust» – dieser Beitrag dürfte (wir hoffen’s fürs 3fach!) einmalig bleiben. Wir erinnern uns: Das Radio verlor auf einen Schlag 35’000 Songs, Trailers, Sendungen. Dies, weil die Server ausfielen – die Gründe waren nicht erklärbar. Von null auf musste man den Sender wieder zum Laufen bringen (zentral+ berichtete).

2307 Franken

Gibt es im Schnitt vom Fuka-Fonds auf ein Gesuch hin. Wie viel im Schnitt verlangt wird, das wissen wir nicht.

300 Franken

Der kleinste Betrag – und es gab ihn nur einmal: für die Ausstellung «Guérisseus» im Romerohaus Luzern. Sehr oft hingegen gibt es den Betrag von 500 Franken.

239 Projektbeiträge

Das ist die Zahl der Gesuchsteller, die 2015 vom Fuka-Fonds etwas erhielten. Laut Mitteilung der Stadt Luzern gehen beim Fuka-Fonds jährlich zwischen 300 und 350 Gesuchen ein. Deutlich am meisten Beiträge gibt’s für Konzerte: 95. 45 Beiträge gingen an Tonträger, 31 an Kunstprojekte, 23 an spartenübergreifende Projekte, 17 an Publikationen, 14 an Filme und ebenfalls 14 an Ausstellungen und Installationen.

11 Mitglieder

Ein Kommission aus neun externen Fachkräften und zwei Verwaltungsratsmitgliedern prüft die Gesuche und entscheidet über einen Beitrag. Es sind dies als Präsident Pius Strassmann (Musiker), Laura Breitschmid (Kunstvermittlerin/Wirtschaftswissenschaftlerin), Claudia Bucher (Kunstschaffende), Urs Hangartner (Journalist), Ursula Hildebrand (Theaterschaffende), Beatrice Im Obersteg (Tanzschaffende), Lili Kaelin (Projektleiterin/TV, Film und Events), Mike Walker (Musiker), Annette Windlin (Theaterschaffende) und von Amtes wegen: Frank Matter (Stadtbuchhalter-Stv.) sowie Verena Omlin (Kulturförderung).

Und zum Vergleich – um die Relationen zu wahren:

8’636’000 Franken

Das gab die Stadt Luzern 2015 aus an den Zweckverband Grosse Kulturbetriebe, also für Lucerne Festival, Verkehrshaus, Luzerner Theater, Luzerner Sinfonieorchester und das Kunstmuseum Luzern.

4’100’000 Franken

Der jährliche Beitrag der Stadt Luzern ans Kultur- und Kongresszentrum KKL im Jahr 2015.

Was bleibt? 3 kritische Fragen:

Ist es tatsächlich sinnvoll, diese nackten Zahlen ohne Begründung zu veröffentlichen? Wer weiss schon, wie viel Aufwand hinter dem simplen Titel eines Werkes steckt? Und fördert das womöglich nicht den Futterneid? Denn hinter jedem Betrag steckt ein Budget. Eine Musikerin, ein Künstler oder eine Gruppe, die sich überlegt, wie viel sie fordern soll und darf. Und auf der anderen Seite eine Fachkommission, die jedes Gesuch eingehend prüft und diskutiert. Und am Schluss – bleibt eine Zahl. Doch man will sie haben, das ist die Realität.

«Je mehr man offenlegt, desto besser ist das für die Akzeptanz der Kultur, das schafft Vertrauen.»

Urban Frye, Grüner Politiker

Der Grüne Luzerner Stadtparlamentarier Urban Frye, der den Ball mit einer Motion ins Rollen brachte, glaubt das Gegenteil: «Je mehr man offenlegt, desto besser ist das für die Akzeptanz der Kultur, das schafft Vertrauen.» Die Stadt Luzern hinke punkto Öffentlichkeit noch weiter hinter dem derzeitigen Trend hinterher. Die Pro Helvetia oder die Kulturförderung des Bundes machen laut Frye seit Jahren jeden Entscheid publik. «Da gibt es nie irgendwelche Diskussionen über Futterneid.» Und selbst wenn es Diskussionen gibt, «dann ist das gut, das stärkt die Kultur», sagt Frye. Mit der öffentlichen Liste sehe man, wie seriös und breit gearbeitet werde – wie viel Kultur mit relativ wenig Geld gefördert werde.

Das ist der Fuka-Fonds

Grüne Stadtparlamentarier um Urban Frye forderten 2015 Transparenz beim Fuka-Fonds (zentral+ berichtete): Es fördere das Vertrauen der Stadtbevölkerung in die Regierung und die Verwaltung, so ein Postulat von 2015. Nachdem der Stadtrat zuerst dagegen war, das Parlament aber mehrheitlich dafür, kam die Stadt zur Einsicht: Bildungsdirektorin Ursula Stämmer sagte im April 2015: «Transparenz ist wichtig.» Dies auch deshalb, weil diverse Kulturförderstellen ihre Entscheide publizieren. Es war also ein Gebot der Zeit. Eine Zeit, in der Kulturförderung im Umbruch und unter Spardruck ist – und sich somit immer mehr rechtfertigen muss.

Hier geht’s zur detaillierten Auflistung der Beiträge 2015. Mehr über den FUKA-Fonds gibt’s hier.

Ebenfalls Transparenz schafft die Stadt über die Nutzungsrechte des KKL Luzern. Auf einer Liste sieht man nun, welche Organisationen die Säle des KKL zu besonderen Konditionen erhalten. Eine Nutzungsrechtekommission beschliesst jeweils über diese Nutzerliste.

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