Wetz mit Osterhasenturm. (Bild: Silas Kreienbuehl)
Kultur Kunst

Wetz mit Osterhasenturm. (Bild: Silas Kreienbuehl)

Nun ist es klar: Wetz macht ein Jahr Pause

5min Lesezeit

Wetz ist immer für eine Überraschung gut. Er will sein KKLB in Beromünster – immerhin eines der grössten Kulturprojekte des Landes – 2017 für ein Jahr schliessen. Der Entscheid für ein «Ruhejahr» sei gefallen, wie er verrät. Doch wieso tut er das? Und was hat er mit dem Haus vor?

Der Künstler Wetz ist eine erstaunliche Person – und ein erfrischender Gesprächspartner. In unserem 50-Fragen-Interview (hier geht’s zum Interview) sagte er auf die Frage, was er gerade aushecke: das KKLB für ein Jahr schliessen! «2017 möchte ich ein Jahr Pause machen und dann wieder neu anfangen.»

Jetzt, ein paar Stunden später, ist aus dem Plan schon mehr Gewissheit geworden: «Wir machen im 2017 tatsächlich eine Auszeit», sagt Wetz. Inzwischen hat er mit einigen vom Wetz-Team gesprochen, allen voran mit seiner Frau Olivia Zihlmann und seinem Direktor Silas Kreienbühl. Sie unterstützen Wetz in seinem Vorhaben.

Am siebten Tag sollst du ruhen

Die Frage drängt sich auf: Wieso will Wetz das KKLB vorübergehend schliessen, wenn es total gut läuft? Salopp gesagt: Weil er es kann. Das Haus existiert jetzt im sechsten Jahr, 2017 folge ein «Ruhejahr», wie Wetz es ausdrückt. Ganz nach dem Motto: Sechs Tage arbeiten, am siebten Tag sollst du ruhen. So eine grosse Kiste wie das KKLB bringt es mit sich, dass man immer etwas zu viel arbeitet – ein Jahr Kreativpause ist eine willkommene Kompensation. Wie viel Wetz dann tatsächlich ruhen wird, ist abzuwarten.

Einblick in eine der vier Kunsthallen vom KKLB mit Arbeiten von verschiedenen Künstlern.
Einblick in eine der vier Kunsthallen vom KKLB mit Arbeiten von verschiedenen Künstlern. (Bild: silas kreienbuehl)

Wetz sah das KKLB von Anfang an als Gesamtkunstwerk-Projekt, und nicht als normales Kunsthaus. Dazu gehöre auch die Freiheit zu sagen: Wir machen jetzt Pause. «Kunst darf nie ein Muss sein, ich habe immer gesagt: Ich will von einem Tag auf den anderen aufhören können», sagt Wetz. «Im Gegensatz zu einem klassischen Kunst- und Kulturhaus haben wir diese Freiheit. Das Haus funktioniert sehr selbstständig, es ist ganz bewusst nie Verpflichtungen gegen aussen eingegangen.»

«Ich habe immer gesagt: Ich will von einem Tag auf den anderen aufhören können.»

Wetz und sein KKLB

Werner Alois Zihlmann alias Wetz wurde 1961 im Zihlenfeldlöchli in Wolhusen geboren. Nach Lehren als Hochbauzeichner und Psychiatriepfleger bildete er sich an der Kunstgewerbeschule Luzern und an der Hochschule der Künste in Berlin weiter. Seit Mitte der Achtzigerjahre arbeitet Wetz als freischaffender Künstler in seinen Studios in Sursee, Beromünster, Fulda und Belp. 2003 bis 2010 betrieb er das Gesamtkunstwerk KKL Uffikon. Seit 2011 konzentriert sich Wetz zusammen mit seinem Team auf sein Grossprojekt KKLB – Kunst und Kultur im Landessender Beromünster. Es gilt als eines der grössten und erfolgreichsten Kunst- und Kulturprojekte der Schweiz. Wetz’ Schaffen wurde mit zahlreichen Preisen geehrt. Zusammen mit dem Künstler und KKLB-Direktor Silas Kreienbühl hat Wetz gerade neu das Kunstprojekt «Zimmer mit Seesicht» im Luzerner Kantonsspital realisiert. 

Wetz wird sein rund 40-köpfiges Team behalten, sofern es denn bleiben will. «Es wird sich aus Erfahrung für alle eine Beschäftigung finden lassen», so Wetz – und Silas Kreienbühl bleibe ohnehin «als sehr begabter selbstständiger Künstler in unserem Wetz-Team in Daueraktion. Er hatte in den letzten Jahren noch nie zu wenig Arbeit, das wird sich mit Sicherheit auch 2017 nicht ändern.»

Viel Kunst muss weg

Jemand anders würde in einem Jahr Auszeit eine Weltreise machen – nicht aber Wetz, ihm gefällt es viel zu gut im KKLB. Er nutzt die Pause für einen Neuanfang: «Diese Auszeit gibt mir Raum, um Neues aufzugleisen.»

Für den Neuanfang wird auch aufgeräumt: «Sicher werden wir uns auch die Freiheit lassen, ein paar bestehende Arbeiten ins neue Projekt mitzunehmen», sagt Wetz. Etwa den «Opferstock» des Künstlerduos Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger (den man mit Dünger am Leben erhalten muss, den will Wetz «durchfüttern»), oder auch Werke von Roman Signer, «die sind für die Geschichte vom Landessender Beromünster von zu grosser Bedeutung», sagt Wetz.

Zeit für anderes

Und vielleicht bleibt 2017 auch mal wieder Zeit für anderes – etwa das Wetz-Bühnenprogramm, das man buchen kann: abendfüllende Performances und Geschichten über seine Kunst. Und mehr Zeit für seine Malerei. Oder sogar, um einen Gang runterzuschalten – «das kann der Wetz möglicherweise auch», sagt er. Verdient hat er die Auszeit jedenfalls.

Wie sagte Wetz doch im Interview auf die Frage, ob er nun, mit fünfundfünfzig, weniger unternehmenslustig sei? «Überhaupt nicht. Ich habe stets mit hochinteressanten Leuten zu tun. Das hält mich auf Trab, und das macht mich unglaublich unternehmungslustig. Es ist ein Feuer! Mir fehlt einzig der Faktor Zeit.»

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