Marcello Palermo mit seinem Bandkumpanen, dem «Inferno».  (Bild: zvg)
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Marcello Palermo mit seinem Bandkumpanen, dem «Inferno». (Bild: zvg)

Verstärkung für den Strassenmusiker

3min Lesezeit

Marcello Palermo alias Cello Inferno gerät immer wieder in den Fokus der Luzerner Polizei. Weil er mit einem kleinen Verstärker auftritt, wird er regelmässig gebüsst. Jetzt reicht es, fand Thomas Gisler von der Schüür, und nun schmeisst eines der grössten Konzerthäuser Luzerns ein Benefizkonzert: für den Strassenmusiker.

Trash-Blues mit selbst gebauten Banjos und einer brennenden Kaffeekanne – einmal gesehen, bleibt einem dieser originelle Luzerner Strassenmusiker in Erinnerung.

Marcello Palermo nennt sich Cello Inferno und tritt in verschiedensten Städten auf. Auch in seiner Heimatstadt. Doch seit einer Weile wird er immer wieder von den Behörden gebüsst, da er mit einem kleinen Verstärker unterwegs ist (zentral+ berichtete).

«Nehmt doch noch mehr Strassenmusiker aus!»
Marcello Palermo, Luzerner Strassenmusiker

Nun meldet sich Palermo erneut auf Facebook zu Wort: «Sali zäme. Jetzt wird mein Justizproblem langsam interkantonal. Auch auf diese Busse werde ich wieder wie gewohnt eine Einsprache machen. Langsam habe ich Übung darin. Komischerweise habe ich gleich die Gebühren aufgebrummt bekommen – ohne dass ich vorher eine Ordnungsbusse bekommen hätte. Ob diese Vorgehensweise seitens der Behörde korrekt ist, ist mir noch nicht ganz klar. Die arme Stadt Luzern muss sparen und schauen, woher sie ihre Kohle kriegt. Nehmt doch noch mehr Strassenmusiker aus!»

Verstärkt oder unverstärkt

Thomas «Gisi» Gisler, Geschäftsführer des Luzerner Konzerthauses Schüür, ärgert sich mit Palermo mit: «Zum wiederholten Male ist er in den letzten Monaten gebüsst worden, weil er verstärkt in den Luzerner Gassen auftrat. Er hat uns gesagt, dass die Polizei ihn erst seit ein paar Wochen ohne Reklamation von Dritten am Spielen hindere.» Davor habe man, trotz entsprechenden Reglementes, immer ein Auge zugedrückt. «Ist es denn wirklich nötig, dass ein Strassenmusiker gebüsst wird, nur weil er verstärkt spielt? Zumal hawaiianische Trommel-Truppen unverstärkt lauter sind. Und nur halb so unterhaltsam wie Cello Inferno.»

«Gute Strassenmusik ist keine Belästigung, sondern eine Bereicherung.»
Thomas Gisler, Geschäftsführer Schüür Luzern

Nun hat Gisler sich entschieden, etwas zu unternehmen, anstatt sich zu ärgern. Er schaute sich das Programm an und fand einen freien Abend im Januar – an diesem wird nun ein Benefizkonzert stattfinden.

«Das Konzerthaus Schüür will ein Zeichen setzen und auf dieses Problem aufmerksam machen. Gute Strassenmusik ist keine Belästigung, sondern eine Bereicherung», betont Gisler. «Deshalb laden wir am 8. Januar zum Benefizkonzert Cello Inferno in der Schüür Bar.» Alle Eintrittseinnahmen des Abends gehen zu 100 Prozent an Marcello Palermo, versichert Gisler. Aber natürlich brauche er nun noch ein Rahmenprogramm (siehe Box).

Aufruf der Schüür

Gisler ruft auf: «Welche Musiker haben Bock, an diesem Abend aufzutreten? Natürlich verstärkt ... Freibier und unsere unbeschränkte Liebe sind euch sicher. Und ein schöner Abend ebenso. Interesse? Mail an booking@schuur.ch oder PN auf Facebook.»

Die Stadt nimmts gelassen

Rosie Bitterli, Chefin Kultur der Stadt Luzern, stellt fest: «Wir leben – zum Glück! – in einem Rechtsstaat, dazu gehört, dass rechtliche Vorschriften durchgesetzt werden.»  Dass dabei auch immer ein Ermessen mit im Spiel sei, stehe ebenfalls in der Tradition des Rechtsstaates. In diesem Sinne sei es auch die Sache der vollziehenden Behörden, das Ermessen auszuüben.
 
Wenn nun die Schüür die Praxis der zuständigen Stellen in Frage stelle, sei das zunächst Sache der Schüür-Verantwortlichen. «Wir halten uns generell damit zurück, Aktionen, Aktivitäten und das Programm der von uns unterstützten Institutionen öffentlich zu kritisieren beziehungsweise hier Einfluss zu nehmen», so Bitterli.

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