Es galt die französische Fussballlegende Zinedine Zidane zu porträtieren. Hier 10 der 24 Gewinnerporträts.
Kultur Exklusiv: alle 24 Siegerbilder

Es galt die französische Fussballlegende Zinedine Zidane zu porträtieren. Hier 10 der 24 Gewinnerporträts.

Diese Künstler setzen die EM-Stars in Szene

10min Lesezeit

Expansion nach Österreich, rasant steigende Nachfrage in Deutschland, grosse Beliebtheit bei nationalen wie internationalen Künstlern: Das Luzerner «tschutti heftli»-Sammelalbum steigt in die Königsklasse auf. Projektleiter Silvan Glanzmann gibt einen Ausblick auf die Expansionspläne seiner Kreativwerkstatt. Und zentral+ nennt alle Künstler, die soeben fürs Sammelalbum auserkoren wurden, und zeigt deren Siegerportraits.

Luca Wolf

Für viele Fussballfans gehören Welt- oder Europameisterschaften im Fussball und die kunstvoll gestalteten «tschutti heftli»-Sammelalben zusammen wie Bud Spencer und Terence Hill. Seit 2008 bringt ein eingeschworenes Team aus Luzern alle zwei Jahre ein Stickeralbum auf den Markt. Mit Erfolg: 2014 etwa wurden bereits 2,5 Millionen Bilder verkauft. Darin verschmelzen Fussball und Kunst auf einzigartige Weise. Und zwar so, dass selbst Fussballbanausen ihre helle Freude an den kreativ und ungemein vielfältig in Szene gesetzten Fussballerportraits haben.

Sieger stehen fest

Die Vorfreude auf den neusten Wurf – die Ausgabe zur EM 2016 in Frankreich – erreichte in diesen Tagen ein neues Rekordhoch. Denn in der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurden die letzten Künstler auserkoren, die fürs neuste Sammelalbum eine komplette Mannschaft zeichnen dürfen.

Auch dieser, vom Luzerner Benedikt Notter gezeichnete Zidane, hat es aufs Siegerpodest geschafft.
Auch dieser, vom Luzerner Benedikt Notter gezeichnete Zidane, hat es aufs Siegerpodest geschafft.
Die Sieger wurden primär von einer achtköpfigen Jury ausgewählt. Diese besteht unter anderem aus Marcel Koller (Chefcoach der Österreichischen Nationalelf), Ruedi Widmer (Cartoonist und Satiriker), Gilbert Gress (ex-Fussballprofi und TV-Experte), Brigitte Glöckl (Präsidentin deutsche Akademie für Fussball-Kultur) sowie Brian Grimwood (britischer Star-Illustrator).

Bis Ende August konnten sich Künstler aus der ganzen Welt bewerben, indem sie ein gezeichnetes Portrait der Fussballegende Zinédine Zidane entwarfen. Jeder Juror durfte dann drei Favoriten auswählen. Unter den 24 Gewinnern befinden sich auch drei Luzerner: Nadja Stadelmann (siehe Box), Peter Bräm und Benedikt Notter (siehe Bild links).

zentral+ zeigt die Gewinner und nimmt sich den Luzerner Projektleiter Silvan Glanzmann zur Brust.

zentral+: Silvan Glanzmann, wie seid ihr betreffend Künstlerauswahl vorgegangen und wie stellt ihr eine möglichst grosse Vielfalt der Kunststile sicher?

Silvan Glanzmann: Es gab acht Jurymitglieder. Jedes konnte aus allen Einreichungen drei Portraits auswählen. Kriterien haben wir keine gesetzt. Die Vielfalt versuchten wir durch die Auswahl der Jurymitglieder – Illustratoren und Fussballexperten – zu erreichen. Der Wettbewerb war offen und wurde im Netzwerk und auf dem Internet auf Blogs und Plattformen sowie an Kunstschulen ausgeschrieben.

zentral+: Wie viele Künstler haben sich beworben und was bringt den Gewinnern die Teilnahme, von Ruhm und Ehre abgesehen?

Glanzmann: Insgesamt haben 215 Künstler ein Zidane-Portrait eingereicht. Diese stammen hauptsächlich aus der Schweiz und Deutschland, einzelne aber auch aus England, Österreich, Italien, Bulgarien, Spanien, Russland, Kanpur (Indien), dem Iran, Dubai, Thailand und Mexico. Für die Gewinner gibt es vorab ein Preisgeld. Für jeden ersten Platz gibt es 500 Franken, für jeden zweiten und dritten je 100 Franken. Zudem werden wir wieder ein Crowdfunding für die Künstler veranstalten und sie auch am allfälligen Gewinn beteiligen. Letztes Mal gabs für jeden Künstler im Nachhinein zusätzlich 700 Franken.

zentral+: Reich wird man also dadurch nicht. Gibt es spannende Änderungen im Vergleich zu den Vorjahren?

Glanzmann: Ja. Wir werden das Album diesmal in Zusammenarbeit mit einem Künstler gestalten. Dabei wird das Thema Tattoo eine Rolle spielen. Wir werden zudem auch zum ersten Mal in Österreich präsent sein, und zwar in Zusammenarbeit mit einem Vertriebspartner. Dieser Partner betreibt in Wien eine Sozialfirma, welche im Bereich der Arbeitsintegration von Erwerbslosen tätig ist und mit diesen Ressourcen einen Vertrieb aufbauen wird. Die Zusammenarbeit mit diesem Partner wird sich aber nicht nur auf den Vertrieb beschränken, sondern wir widmen uns diesem Projekt auch inhaltlich. Ebenso wie unserem Charity-Partner terre des hommes Schweiz.

«Wir haben letztes Jahr 250'000 Stickertüten verkauft. Fürs 2016 rechnen wir mit mindestens gleich vielen.»

zentral+: Tönt nobel. Wie gross war die Auflage der «tschutti heftli»-Bilder in den letzten jahren und wie hoch wird sie neu sein?

«Als Zeichnerin dabei zu sein ist eine Ehre»

Unter den drei fürs Sammelalbum auserwählten Luzerner Künstlern befindet sich auch Nadja Stadelmann. Die 35-jährige Stadtluzernerin arbeitet als selbstständige wissenschaftliche Illustratorin. Sie sagt: «Das ‹tschutti heftli› stellt mit dem Stickeralbum seit Jahren eine super Sache auf die Beine, und ich war immer eine fleissige Sammlerin. Als Zeichnerin dabei zu sein, ist zum Einen eine Ehre, zum Anderen ein Beitrag an ein tolles Projekt.»

Dass sich der Aufwand rein finanziell nicht rentiert, ist ihr natürlich klar: «Bei einem solchen Projekt steht der Spassfaktor im Zentrum, und das Zeichnen für einen komplett anderen Zweck und Publikum. Ich freue mich über eine grosse Streuung der Sticker-Päckli, einen hoffentlich regen Tauschhandel und vollgeklebte Alben.» Zu ihrem originellen Motiv sagt Stadelmann: «Als wissenschaftliche Illustratorin dachte ich an eine kleine Anatomielehre des Kopfes anhand einer Fussballmannschaft. Das Gesicht soll dabei natürlich erkennbar bleiben.» Das ist ihr ganz hervorragend gelungen.

Zinédine Zidane, gezeichnet von Nadja Stadelmann.
Zinédine Zidane, gezeichnet von Nadja Stadelmann.

Glanzmann: Wir haben letztes Jahr ca. 250'000 Stickertüten à je 10 Stück verkauft. Da wir dieses Jahr in Österreich erstmals präsent sein werden, und die Schweiz sich qualifiziert hat, rechnen wir für 2016 mit einer mindestens ebenso grossen Auflage.

zentral+: Wir drücken die Daumen. Ab wann kommen Heft und Bilder in den Verkauf?

Glanzmann: Verkaufsstart ist der 8. April 2016. Es wird in diesem Jahr auch eine Vernissage und Release-Party im Neubad in Luzern geben. Weitere Events in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind in Planung.

zentral+: Da sind wir gespannt. Wird’s auch wieder ein Bildli-Tausch-App geben?

Glanzmann: An einem Update unserer App arbeiten wir und hoffen, dass es diese wieder geben wird.

zentral+: Wie gross ist eigentlich der Aufwand insgesamt, den ihr Organisatoren für das Sammelheft betreibt?

Glanzmann: Wir arbeiten bis auf meine 20-Prozent-Stelle als Projektleiter seit Januar 2015 alle immer noch ehrenamtlich. Ein Teil der Einnahmen – 10 Rappen pro verkaufte Tüte in der Schweiz – geht an das Hilfswerk terre des hommes Schweiz. Letztes Jahr kamen dafür 15'000 Franken zusammen. Im Verhältnis zum Aufwand des Projekts bleibt schlussendlich nicht allzuviel Geld übrig. Dieses stecken wir jeweils wieder in die Produktion des neuen Albums. Bis im Frühjahr 2015 ging auch ein Teil in die nicht kostendeckende Produktion des mittlerweile eingestellten «tschutti heftli».

zentral+: Offenbar plant ihr auch, eure Aktivitäten auszuweiten?

Glanzmann: Ja, seit Anfang Jahr haben wir fünf neue Vereinsmitglieder verpflichten können, die den bestehenden siebenköpfigen Vorstand ergänzen. So erhoffen wir uns neue Impulse und auch, dass wir das Potential für fussballkulturelle Aktivitäten rund um das Sammelalbum besser ausschöpfen können. Ich denke da zum Beispiel an eine Vernissage im Neubad sowie weitere Ausstellungen oder Anlässe anlässlich der grossen Fussballturniere. Wir können uns neu auch Aktivitäten vorstellen, die nicht in direktem Zusammenhang mit einer WM oder EM stehen. Etwa weitere Biografien zu verfassen, wie jene von Paul Wolfisberg.

zentral+: In den vergangene Jahren haben speziell deutsche Medien immer wieder gross über die «tschutti-hefli»-Bilder berichtet. Könnt ihr da weiter darauf zählen?

Glanzmann: Davon gehen wir aus. Die deutschen Medien sind nach wie vor sehr interessiert an unserem Projekt, die Verkäufe nach Deutschland steigen kontinuierlich. Letztes Mal, anlässlich der WM in Brasilien, haben wir in Deutschland schon fast gleich viele Bilder verkauft wie in der Schweiz. Und wir sind überzeugt, dass das Potential noch grösser ist.

Anbei sehen Sie die Auswahl der acht Juroren. Jeder durfte drei Künstler auswählen. Teilweise steht dazu auch noch eine Begründung.

Impressionen von früheren Sammelalben.

Impressionen von früheren Sammelalben.
Impressionen von früheren Sammelalben.

 

Impressionen von früheren Sammelalben.

Impressionen von früheren Sammelalben.

Impressionen von früheren Sammelalben.

Impressionen von früheren Sammelalben.

Impressionen von früheren Sammelalben.

Und hier zeigen wir Ihnen noch ein paar Impressionen von früheren Sammelalben:

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