Mario Stübi, Vorstandsmitglied des Vereins Neubad, im Interview mit zentral+. (Bild: cha)
Kultur Gesellschaft

Mario Stübi, Vorstandsmitglied des Vereins Neubad, im Interview mit zentral+. (Bild: cha)

«Ich glaube nicht, dass 2017 einfach Schluss ist»

11min Lesezeit

Zwei Jahre sind bereits passé. Das Neubad feiert die Halbzeit der Zwischennutzung gebührend mit einer grossen Party. zentral+ hat Vorstandsmitglied Mario Stübi zur Halbzeit-Ansprache getroffen und ihm Spannendes über die Zukunft des Neubads entlockt.

Als das Neubad im September 2013 als Zwischennutzung seine Pforten öffnete, war es ein Gang ins Ungewisse. Mittlerweile hat sich das Neubad zu einem festen Bestandteil der Stadt Luzern entwickelt und ist kaum mehr aus dem hiesigen Kulturkuchen wegzudenken. Und das gerade mal nach zwei Jahren Betrieb. Jetzt ist Halbzeit. Aus diesem Anlass haben wir mit Vorstandsmitglied Mario Stübi über den Lotteriegelder-Streit mit dem Kanton, vergangene und künftige Highlights sowie die Möglichkeit auf Verlängerung der Zwischennutzung gesprochen.

zentral+: Es ist offiziell Halbzeit. Der Vertrag für die Zwischennutzung Neubad läuft noch zwei Jahre. Welche Halbzeit-Ansprache würdesn Sie als Trainer an dein «Team Neubad» richten?

Mario Stübi: Ich würde sagen, gut gemacht! Lacht. Jetzt im Ernst: Ich würde alle sehr loben. Alle Involvierten geben Vollgas und das hauptsächlich aus eigenem Antrieb. Es gab Zeiten, in denen viele am Limit gefahren sind und trotzdem standen alle voll hinter dem Neubad. Die Leute können sich sehr stark mit dem Haus identifizieren und sind deshalb topmotiviert für die zweite Halbzeit. Das sind ja schon mal die besten Voraussetzungen. Momentan ist der «groove» so, wie wir ihn immer haben wollten.

zentral+: Die Stimmung war nicht immer so grandios. Welche überraschende Entwicklungen hat das letzte Jahr mit sich gebracht?

Stübi: Es ist nach wie vor das Erstaunen meinerseits, dass das Haus so gut ankommt. Aber Rückschläge gab es natürlich auch. Diese waren fast ausschliesslich finanzieller Natur. Zudem gab es beim Team viele Wechsel, was aber an einem solchen Punkt eines Projekts normal ist. Was die Stimmung allerdings getrübt hat, sind klar die finanziellen Schwierigkeiten. Die «Community» hat uns jedoch gut aufgefangen. Wir merken, dass es seit einem halben Jahr bei den Besuchern und Nutzenden des Neubads deutlich bergauf geht. Das ist eine Sicherheit für uns und wir merken, dass wir mit dem Neubad ein Bedürfnis abdecken.

«‹Neubadähnlich› ist mittlerweile fast ein offizieller Begriff.»

Mario Stübi, Vorstandsmitglied Neubad

zentral+: Der Ruf der Zwischennutzung Neubad ist längst über die Kantonsgrenzen hinaus gegangen. Was hat das Neubad für ähnliche Projekte an Vorarbeit geleistet?

Stübi: Das beobachten wir auch so. Es freut uns natürlich, dass wir für viele als Referenz dienen. «Neubadähnlich» ist mittlerweile fast ein offizieller Begriff. Lacht. Das ist für alle, die mitwirken, eine Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

zentral+: Die Finanzen des Neubads waren gegen Ende letzten Jahres das Hauptthema. Wie sieht es momentan konkret aus?

Stübi: Ich kann nicht sagen, dass wir aus dem Schneider sind. Aber seit wir vor Weihnachten 2014 Alarmstimmung verbreitet haben, ging es stark bergauf. Wir konnten den Leuten ins Bewusstsein rufen, dass es diese Zwischennutzung nur mit ihnen gibt. Sei es als Gast, Veranstalter oder Gönner. Wir sind darauf angewiesen – und zwar immer. Zudem hat sich die Mitgliederzahl seither fast verdoppelt und auch die Besucherzahlen haben sich auf einem hohen Level eingependelt. Seit letztem Winter geht die Kurve nur noch nach oben.

zentral+: Welches ist denn eure grösste finanzielle Stütze?

Stübi: Ganz klar unser Gastrobetrieb. Wir haben mit 70 bis 80 Menüs am Mittag eine gute Auslastung. Auch am Abend hat es immer mehr angezogen. Wenn weiterhin gegessen und getrunken wird, ist eine Liquidität gewährleistet, die uns sehr hilft.

«Wohnungsinserate werben manchmal damit, dass das Neubad in unmittelbarer Nähe sei.»

Mario Stübi

zentral+: Wie stark hat sich das Neubad in der Stadt und im Quartier etabliert?

Stübi: Ich höre oft und das natürlich sehr gerne, dass sich die Leute das Quartier ohne Neubad gar nicht mehr vorstellen könnten. Wir müssen dann den Gästen wieder ins Gedächtnis rufen, dass es halt eine befristete Zwischennutzung ist. Nutzt das Neubad, so lange es das gibt! Ich habe beispielsweise auch schon Wohnungsinserate gesehen, die damit werben, dass das Neubad in unmittelbarer Nähe zur Wohnung sei. Das ist für mich natürlich ein Wow-Moment – eine wirklich positive Referenz.

zentral+: Welche grösseren Projekte sind derzeit in Planung?

Stübi: Sicherlich das Projekt «Neusicht». Im November findet zudem das «Kitchen Battle» statt. Köche treten dabei gegeneinander an und kochen für einen guten Zweck. Das erste Halbfinale ist übrigens bereits ausverkauft. Ausserdem wurde der Neubad-Kinderclub reaktiviert und wird nun einmal im Monat organisiert. Wir überlegen uns auch immer wieder, unser kulinarisches Angebot weiter zu entwickeln. Dabei orientieren wir uns stark an den Rückmeldungen der Gäste.

zentral+: Stichwort Spendenföhn. Ihr sammelt mit diesem derzeit Geld für Flüchtlinge. Will das Neubad mehr auf aktuelle Geschehnisse und Politisches reagieren?

Stübi: Das ist eigentlich eine einmalige Sache. Die Asyldebatte beherrscht derzeit die Medien und das ist unser kleiner Beitrag dazu. Aber Nutzende unseres Hauses organisieren ja schon lange das Mondoj-Essen, das sich stets grosser Beliebtheit erfreut. Beim Föhn selber kommt nicht wirklich viel rein, so dass wir nicht existenziell davon abhängig sind. Aber es ist ein toller Gag und ein typisches Beispiel für Dinge, die von Menschen in diesem Haus geschaffen wurden.

Aber apropos Politisches: Ab Oktober wird es einen regelmässigen Talk im Pool geben. Dabei werden lokalpolitische Geschehnisse diskutiert und entsprechende Experten, Politiker und Persönlichkeiten eingeladen. Wir wollen so den Austausch vor Ort fördern. «Neubad-Talk» wird das heissen.

Grosse Sause am Samstag

Zum zweijährigen Jubiläum der Zwischennutzung Neubad findet am Samstag ein grosses Fest statt. Dabei gibt es ein Film-Special sowie ein Konzert der «Beatie Bossy». «Die Achse zwischen Himmelrich und Neubad ist dieses Wochenende DIE Ausgehmeile», sagt Mario Stübi.

Zentralplus berichtet am Sonntag von der grossen Halbzeits-Party im Neubad.

zentral+: Nicht immer war die Arbeit mit den Behörden für euch angenehm. Wie hat sich das mittlerweile entwickelt?

Stübi: Bei der Stadt geht es ab und zu um Bewilligungen. Und mit dem Kanton hatten wir etwas Knatsch wegen den 100'000 Franken an Lotteriefonds-Geldern. Mittlerweile sind wir aber mit den Behörden in einem guten Dialog. Uns ist halt wichtig – unabhängig von den Finanzen – das zu machen, was wir wollen. Und bei gewissen Auflagen kommen wir sogar der Stadt entgegen. Wir schliessen beispielsweise die Beiz draussen früher, als wir eigentlich müssten. Gerne würden wir noch mehr organisieren und veranstalten, aber man muss ja nicht alles auf einmal machen. Wir brauchen jedenfalls die Stadt – und diese braucht uns vielleicht auch immer stärker, weil die Städter uns so schätzen.

zentral+: Apropos Austausch: Wie läuft es mit den Nachbarn?

Stübi: Bei Einzelnen müssen wir hin und wieder etwas besänftigen. Aber mit dem Gros der Leute haben wir es sehr gut. Viele Nachbarn sind hier selber Gast. Aber wie bei vermutlich jeder Kulturinstitution gibt es ab und zu wieder ein Telefonat.

zentral+: Was waren Ihre bisherigen Highlights der ersten zwei Jahre?

Stübi: Jedes Mal, wenn ich das Neubad betrete, sehe ich wieder etwas Neues. Ich kann gar nicht immer wissen, was alles so läuft, obwohl ich das gerne würde. Persönlich habe ich auch das Gefühl, dass die Leute das Neubad gar nicht weg haben wollen. Ich habe Angst, wenn der Zeitpunkt dann kommt und es heisst: In einem halben Jahr ist Schluss. Aber um noch einmal auf die Frage zurück zu kommen: Mein persönliches Highlight ist, dass es so gut läuft, wie es das momentan tut.

zentral+: Was war der grösste Reinfall?

Stübi: Überlegt. Nun, aus allem, das wir nicht ganz richtig gemacht haben, haben wir gelernt. Einen kompletten Reinfall gab es nicht wirklich. Aber gewisse Dinge hatten eine längere Anlaufzeit, als wir gedacht haben. Beispielsweise die Co-Working-Spaces brauchten länger, um wirklich anzukommen. Der Pool ist unter anderem auch noch nicht ganz als Event-Lokalität, sei für einen Firmenanlass oder als Seminarraum, angekommen. Wir haben vor kurzem einen fünfstelligen Betrag für neue Storen bezahlt, dass wir den Raum abdunkeln können.

Im kulturellen Bereich läuft der Pool hingegen sehr gut. Es sieht nicht danach aus, dass wir bis in den Winter den Pool noch für Veranstaltungen vermieten können. Also wer noch etwas veranstalten will, muss sich jetzt anmelden!

«Der Abschied wird immer schmerzhafter werden, je länger die Zwischennutzung dauert.»

Mario Stübi

zentral+: Der Vertrag mit der Stadt läuft bis September 2017. Aber seien wir ehrlich: Bauprojekte zögern sich erfahrungsgemäss so gut wie immer hinaus. Glaubsen Sie daran, dass das Neubad Mitte 2017 einfach von der Bildfläche verschwinden wird?

Stübi: In unserem Fall wären wir sehr froh, wenn sich das Bauprojekt hinauszögert. Lacht. Persönlich glaube ich nicht daran, dass die Zwischennutzung im September 2017 einfach endet. Aber es wäre fahrlässig, wenn wir bereits Veranstaltungen für danach planen würden. Wir dürfen unsere Mitarbeiter und Gäste nicht mit dieser Hoffnung füttern. Wir sehen es so: Alles, was über den September 2017 hinaus geht, ist eine Zugabe. Es gibt schon Anzeichen, dass es länger dauern könnte. Aber zum jetzigen Zeitpunkt planen wir das nicht ein.

Sicherlich ist das aber auch ein Thema für den Vorstand. Am heutigen Freitag haben wir eine Klausur, während der wir das ebenfalls besprechen werden. Der Abschied vom Neubad wird auf jeden Fall immer schmerzhafter werden, je länger die Zwischennutzung dauert.

zentral+: Für welche Schwierigkeiten muss das Neubad für die zweite Halbzeit gewappnet sein?

Stübi: Wir sind mittlerweile ein kleines Unternehmen geworden. Das heisst, dass wir in einem risikoreichen Umfeld tätig sind. Es gibt aber auch Risiken, die wir bewusst eingehen, weil wir finden, dass Neues entstehen muss. Wir machen nicht tausend Businessanalysen und je nach Resultat machen wir den Anlass – oder eben nicht. Wir starten die Veranstaltung dann einfach spontan. Die Fördergelder sind auch immer wieder ein Kampf. Das Neubad ist nur einer von vielen Playern, mittlerweile jedoch ein gewichtiger. Das Geld liegt nicht einfach auf der Strasse.

zentral+: Was wollen Sie den Luzernern für die zweite Halbzeit mit auf den Weg geben?

Stübi: Geniesst das Neubad, so lange es das noch gibt!

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