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«Wenn du Songs schreiben kannst, hast du die Macht»

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Fünf Tage Zeit, um jungen Frauen das Bühnenleben näherzubringen. Die Gitarrengriffe sitzen bei den Teilnehmerinnen des Female Bandcamps in Zug bereits. Nun geht es darum, die Technik zu begreifen, und zu lernen, wie man Lieder schreibt und sich mit der Presse rumschlägt.

Sieben junge Frauen sitzen um den Tisch, schauen sich konzentriert die Projektion an der Leinwand an. Einige nicken, andere stellen Fragen. Sie sitzen nicht in der Schule. Nein, ganz und gar nicht.

Und doch findet hier, im Zuger Konzerthaus Galvanik, eine Lernwoche statt. Hier wird den Frauen das Rocken beigebracht. Und dazu gehört offensichtlich mehr, als bloss auf der Bühne zu stehen und musikalisch eine Gattung zu machen.

Es ist das erste Mal, dass «Helvetiarockt», die Schweizerische Koordinationsstelle für Musikerinnen, ein solches Lager durchführt. Das Female Bandcamp soll dabei alle Facetten des Musikmachens beleuchten. Wie schreibe ich Lieder? Wie gehe ich mit Bookings um? Wie gehe ich mit der Presse um, und wie kann ich es finanziell bewerkstelligen, eine eigene Platte zu produzieren?  

Nach Zug, weil in Graubünden tote Hose herrscht

Das klingt doch ziemlich organisiert und auch etwas anstrengend. Doch die jungen Musikerinnen wissen genau, worauf sie sich hier eingelassen haben. Fast alle haben bereits Workshops oder Wochenenden von «Helvetiarockt» absolviert, sie alle haben sich Ziele gesteckt. Sei es, professioneller in der bestehenden Band agieren zu können, sei es, die Musik zum Beruf zu machen.

Die Teilnehmerinnen zwischen 15 und Ende 20 sind deshalb aus der ganzen Schweiz nach Zug gekommen. Zwei Teenager sind aus dem Kanton Graubünden angereist, kommen «aus zwei kleinen Dörfern, wo nicht wirklich viel läuft», erklären sie. Dort spielen sie gemeinsam in einer Band, die eine als Sängerin und Gitarristin, die andere als Schlagzeugerin.

Wenn die Helvetia zu rocken wünscht

«Helvetiarockt», die Schweizerische Koordinationsstelle für Musikerinnen im Jazz, Pop und Rock wurde 2009 in Luzern gegründet. Seither wurden an verschiedenen Standorten Bandworkshops durchgeführt. Derzeit findet in Zug das erste Bandcamp des Vereins statt. Derzeit läuft die Anmeldefrist für einen weiteren Bandworkshop, der diesen Herbst in Zug stattfinden wird.

«Wir haben schon an einem Workshop teilgenommen und waren extrem begeistert. Deshalb sind wir auch jetzt hergekommen.» Sie scheinen ganz zufrieden, auch wenn sie etwas überfordert wirken vom gerade Gelernten.

Intensives Lauschen ist gefragt

Beim Tontechniker Björn Bredehöft lernen sie, wie sie qualitativ gute Aufnahmen machen können. Gerade stehen sie auf der Bühne und ahmen eine Studio-Aufnahme nach. Später üben sie Live-Situationen aus technischer Sicht. Die Rede ist von Dezibel-Grenzen, von Verstärkern, von Mischpulten und von verschiedenen Mikrofon-Arten. Intensives Lauschen ist zweifelslos gefragt.

«Wir wollen, dass die Frauen am Ende der Woche ‹ready› sind.»

Muriel Rhyner, Organisatorin des Female Bandcamps

Dass das Training alle Bereiche abdeckt, empfindet Muriel Rhyner als besonders wichtig. Sie ist Mitglied der Band «Delilahs» und Organisatorin des Camps. «Wir wollen, dass die Frauen am Ende der Woche ‹ready› sind, denn es nützt nichts, wenn man nur gut Gitarre spielen kann», so ihre klare Haltung.

Bevor die Gruppe gemeinsam das Nachtessen vorbereitet, folgen Einzelcoachings im Songwriting. Ein Bereich, der Rhyner ebenfalls sehr am Herzen liegt: «Ziel ist es, dass jede der Teilnehmerinnen am Ende des Camps einen Song geschrieben hat», und erklärt weiter: «Es gibt wenige Songwriter. Wenn du Songs schreiben kannst, hast du die Macht.»

Nur wegen der Sponsoren möglich

Eine Woche Intensiv-Musik-Training in der Kleingruppe. Ist das überhaupt zahlbar? 360 Franken blättert jede Teilnehmerin für die fünf Tage hin. Das sei laut der Organisatorin nur möglich, weil verschiedene Sponsoren dem Projekt unter die Arme greifen. So unterstützen unter anderem Stadt und Kanton Zug das Camp, das Swisshotel gewährt den Teilnehmerinnen Sonderkonditionen und in der Galvanik darf während der ganzen Woche gratis gewirkt werden. «Wenn wir diese Unterstützung nicht hätten, wäre das Projekt gar nicht möglich gewesen», so Rhyner

Aber wozu ein Band Camp nur für Frauen? Rhyner erklärt: «Der Frauenanteil bei den Instrumenten in Bands liegt bei etwa fünf bis zehn Prozent. Mit solchen Kursen können wir dazu beitragen, dass sich dieser künftig hebt. Ausserdem ist es für Mädchen im Teenie-Alter anders, auf der Bühne zu stehen als für ihre männlichen Altersgenossen.» Sie müssten sich weniger hervortun und seien eher zurückhaltend. Da brauche es oft einen Anstoss von aussen. «Und ich hoffe, dass wir mit diesem Camp die richtigen Inputs geben können», so Rhyner weiter, «und das im richtigen Moment.»

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