Lukas Beeler (links) und Regisseur Damian Dlaboha im Neubad bei der Probearbeit zum Stück Fester!. (Bild: jav)
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Lukas Beeler (links) und Regisseur Damian Dlaboha im Neubad bei der Probearbeit zum Stück Fester!. (Bild: jav)

5min Lesezeit

Zwölf junge Luzerner bringen ihr erstes gemeinsames Theater auf die Bühne: «Fester!». Ein Jahr nach «Verona 3000» sind auch einige der damaligen Darsteller mit dabei. Sie zeigen ein Stück, welches Grenzen überschreitet – und die angehenden Profis auch an ihre persönlichen Grenzen bringt. 

Lukas Beeler rennt wie ein Irrer im Neubad umher – er wärmt sich für die Probe auf. Währenddessen lässt Regisseur Damiàn Dlaboha die anderen Spieler an seiner Kunstblutmischung riechen – Randensaft, Orangensaft, Kakaopulver, Mehl und Butter – ein interessantes Geruchserlebnis.

Grobe Gesellschaftskritik

Der junge Regisseur arbeitet nun mit Beeler am Feinschliff. Viele Proben sind es nicht mehr bis zur Premiere. Am Donnerstag wird Fester! bereits uraufgeführt.

Das Ensemble besteht aus bekannten Gesichtern. Die jungen Darsteller waren schon bei «Verona 3000», beim «Musical Fever» oder beim «Playstation» vom VoralpenTheater mit dem UG mit dabei.

«Doch das hier ist etwas völlig anderes», betont die Darstellerin Tiffany Limacher. Im Gegensatz zu Verona oder Musical Fever werden in dieser Produktion harte Themen verhandelt und grobe Gesellschaftskritik geübt. «Wir wollen den Leuten nicht einfach einen schönen Abend servieren, nach welchem sie zufrieden nach Hause gehen. Wir wollen etwas auslösen. Es geht um Schmerz und um die Konfrontation damit.» Die Zuschauer würden sich sicher ein paar Mal geohrfeigt vorkommen, aber das sei auch das Ziel. «Wir wollen wachrütteln», so Limacher.

Valentin Schröteler, der mit Limacher auf der Bühne steht, ergänzt: «Es ist eine Produktion auf einer anderen Ebene. Die Thematik, die reduzierte aber intensive Probearbeit und auch die Umsetzung sind auf einem semiprofessionellen Niveau.» Schröteler, der vor kurzem an der Schauspielschule Hannover aufgenommen wurde, erwähnt in diesem Zusammenhang auch die Probearbeit. «Wir haben sehr wenig mit dem gesamten Ensemble geprobt.» Und die Probearbeit sei extrem anstrengend gewesen.

Ekel und Angst überwinden

«Anfangs gab es oft Dinge, die einen im ersten Moment ekeln oder die zu hart scheinen. Dann geht es darum, es trotzdem auszuprobieren, die Grenzen auszuloten und zu finden», erklärt Limacher. Durch diese Ansprüche an sich selbst und die intensive Arbeit seien sie nach den Proben regelmässig «zerstört» gewesen.

«Es geht darum, an und über die Grenzen zu gehen. Immer mehr und immer weiter – immer fester.»
Damiàn Dlaboha, Regisseur Fester!

Die Inszenierung beinhaltet schwierige Punkte wie die Darstellung von Selbstmord, oder die einer Vergewaltigung. Allgemein wird es ziemlich brutal. «Um den Sinn wirklich sehen zu können, braucht es hier diese Brutalität», sagt Schröteler.

Die Anfangsproben fanden ohne das Stück statt. Dann wurde mit einer ersten Fassung gearbeitet, und aus den weiterführenden Improvisationen sowie den Inputs der Spieler entstand während den Proben schliesslich die letztendliche Fassung.

Die Produktion des Stücks war für das junge Team nicht nur künstlerisch eine Herausforderung. Finanziell musste man sich beschränken. Das 10'000 Franken-Budget sei vor allem für die Mieten des Probelokals in der «Teiggi» in Kriens und die des Neubads draufgegangen. «Der Verein Backstage hat das Ganze zu einem grossen Teil selbst finanziert», so Schröteler.

Zum Team

Backstage Produktionsleitung: Livio Beyeler

Regie: Damiàn Dlaboha
Musik: Silvan Koch
Buch: Béla Rothenbühler
Bühne und Licht: Savino Caruso

Ensemble:
Lukas Beeler - Hänschen Rilow
Leonie Bollinger - Wendla Bergmann
Nina Britschgi - Martha Bessel
David Inauen - Der Berufsberater
Tiffany Limacher - Thea Probst
Stefan Schönholzer - Melchior Gabor
Valentin Schroeteler - Moritz Stiefel

Die Idee für das Projekt stammt von Livio Beyeler und Lukas Beeler. Die beiden wollten ein professionelleres Niveau erreichen. Und die Leute, die sie dafür ausgesucht haben, sind auch einzeln auf dem besten Weg dahin. Das Ensemble besteht aus Filmemachern, Schauspielern, Sängerinnen und Regisseuren in Ausbildung.

Tabuthemen und Rebellion

Das Stück Fester! beruht auf Frank Wedekinds Jugenddrama «Frühlings Erwachen», einer Coming of Age Geschichte über Leistungsdruck, Sex und Selbstfindung, die schon vor 125 Jahren Tabuthemen wie Homosexualität, Selbstmord sowie häusliche und sexuelle Gewalt offen thematisierte und auf die Bühne brachte – so steht es im Programm. Das Stück Fester! greift all diese Themen auf, macht jedoch aus Wedekinds jugendlichen Protagonisten junge Erwachsene. Diese werden in ein Bildungsinstitut gesteckt, über das der «Berufsberater» wacht – eine Stimme, die alles kontrolliert.

Das Stück zeige schliesslich das Scheitern der Menschen an ihrer Freiheit, ihr Rebellieren gegen einen gleichgültigen Gott und das Gelächter der Toten über die Lebenden, heisst es im Programmtext. Es geht darum, sich entweder im System einzugliedern und zu funkionieren, oder daran zu scheitern.

Der Titel lässt das ursprüngliche Stück im Hintergrund. «Fester!» ist ein Zitat aus dem Stück. Dlaboha erklärt: «Der Titel ist eine Provokation und soll auch neugierig machen. Und er beinhaltet das, was der Inhalt des Stücks, aber auch unserer Arbeit daran, ausmacht. Es geht darum, an und über die Grenzen zu gehen. Immer mehr und immer weiter – immer fester.»

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