Die Luzerner Hiphop-Truppe «Habashs» haben endlich ihr erstes Album veröffentlicht. Proviber, Onamaac, PHA und TRE (von links). (Bild: zvg)
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Die Luzerner Hiphop-Truppe «Habashs» haben endlich ihr erstes Album veröffentlicht. Proviber, Onamaac, PHA und TRE (von links). (Bild: zvg)

«Wenn's einem nicht passt, passt's allen nicht»

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15 Jahre hat ihre Fanbase auf ihr Erstlingswerk warten müssen. Nun ist es soweit: Mit «Bis zom Ändi» bringen «Habashs» klassischen Hiphop, der an die frühen Nullerjahre erinnert. Im Interview erzählen sie, weshalb sie so lange auf sich warten liessen und wieso sie bei einem Auftritt in Basel auf einmal alleine da standen.

Bereits lange bevor Mimiks auf Platz eins der Charts landete und die 041-Szene sich formierte, sassen drei Luzerner mit ihrem Mikrofon in ihrem Bandraum im Sedel. Insofern sie nicht gerade im «Werkhof» oder der ehemaligen «Boa» andere Rapper battleten. Die «Habashs» haben nach 15 Jahren Bandgeschichte ihr Debütalbum veröffentlicht.

Zwölf Tracks, die an den Hiphop der frühen Nullerjahre erinnert, auf einer CD vereint. Es ist «unbeschwerte» und zugängliche Musik für Anhänger des klassischen Hiphops – mit zwei, drei kleinen Ausnahmen. «Habashs», das sind die Rapper TRE, PHA und Onamaac, sowie der Beatmaker Proviber.

zentral+: Nach 15 Jahren Bandgeschichte habt ihr endlich euer Debütalbum veröffentlicht. Der Name ist anscheinend Programm?

PHA: Ja, wir sind schon ziemliche Habaschen. lacht. Allerdings waren wir nicht untätig. Wir haben Mixtapes und einen Sampler (SamplerNo1) releast, auf welchem auch Grössen wie Pyro, Fratelli-B und Steven Egal mit drauf waren.

Onamaac: Wir sind auch etwas perfektionistisch veranlagt.

TRE: Zudem haben wir auch einige EP's gemacht, die aber nicht veröffentlicht wurden. lacht.

zentral+: Richtig. Unter anderem eure erste EP, die 2002 unter den Basler PW-Records hätte veröffentlicht werden sollen. Was kam dazwischen?

TRE: Habashs halt. Lacht. Wir wollten für das Album zeitlose Tracks schreiben, weil wir wussten, dass es etwas länger dauern dürfte. Vom ersten bis zum letzten Track arbeiteten wir rund fünf Jahre.

PHA: Es kam ziemlich viel dazwischen. Wir haben nach dem Aufnehmen den Kontakt zu PW-Records verloren. Dann ist es irgendwann versandet und wir haben uns dann an neuen Projekten orientiert, die teilweise auch nicht veröffentlicht wurden. Lacht. Nun haben wir es endlich «Bis zom Ändi» durchgezogen, deshalb auch der Albumtitel.

zentral+: Ihr seid aber auch ein bisschen faul, wie ihr selbst von euch sagt.

Onamaac: In erster Linie machen wir Musik für uns selber. Wir treffen uns seit Jahren, um Musik zu machen, an der wir Spass haben. Faul sind wir insbesondere was die Werbung für unser Album betrifft. Es ist einfach blöd, sich selber zu vermarkten.

«Wir haben stundenlang gefeilt, tausend Sachen ausprobiert und und genau so viel wieder verworfen.»

PHA, Rapper bei «Habashs»

zentral+: Das Album hat mich in 2000er-Jahre versetzt. Klassischer Hiphop, sehr zugängliche Musik. Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?

TRE: Es ist sehr vielschichtig. Dabei haben wir uns für das Album kein Thema gesetzt. Es hat Tracks, die sehr tief gehen, und dann solche, die sehr unbeschwert klingen.

PHA: Die Vielschichtigkeit kommt auch daher, weil jeder von uns einen hohen Anspruch an seine Parts hat. Wir haben stundenlang gefeilt, tausend Sachen ausprobiert und und genau so viel wieder verworfen.

Onamaac: Es sind immer drei kritische Köpfe, bei denen die Musik durch einen Filter geht. Wenn es einem nicht passt, passt es allen nicht.

zentral+: Onamaac, du rappst fast ausschliesslich auf Spanisch.

Onamaac: Früher habe ich mit Deutsch angefangen. Um meine Muttersprache up-to-date zu halten, habe ich mit Rap auf Spanisch angefangen.

zentral+: Ihr seid Anhänger des klassischen Battle-Raps. Wart ihr auch schon am Bonker Inferno?

PHA: Nein keiner von uns.

Onamaac: Leider wurden wir (noch) nicht eingeladen. Aber darüber würde ich mich sehr freuen!

zentral+: Wem würdet ihr gerne mal gegenüber stehen?

Onamaac: Schwierig zu sagen. Jemandem, der gut ist. Mir geht es vielmehr um den Rap als um Streit und einfach jemand anders zu beleidigen.

PHA: Genau. Im Battle-Rap geht es nicht darum, seinen Gegenüber einfach fertig zu machen, sondern mit dem eigenen Rap zu zeigen, dass man technisch was drauf hat.

3 Mal das «Bis zom Ändi» gewinnen

Schreiben Sie ins Kommentarfeld, welches Ihr absoluter Lieblingssong der «Habashs» ist. Unter allen Kommentierenden verlosen wir drei Mal das Debüt-Album «Bis zom Ändi». Wettbewerbsende ist Dienstag, der 9. Juni.

zentral+: Ab wem nervt ihr euch?

PHA: Da gibt es ja glücklicherweise in der Schweiz die SVP. Die haben ja genügend Mitglieder. Lacht.

zentral+: Wie wärs mit Beni Turnheer? Der kommt in einem eurer Texte ja nicht gut weg.

Alle lachen.

TRE: Turnheer ist einfach zu alt. Der mag doch gar nicht mehr richtig denken.

Onamaac: Ja, und so böse sind wir nun auch wieder nicht. Wenn Beni mir aber mit einem Diss kommt, dann muss er sich schon warm anziehen. Lacht.

zentral+: Ihr habt den letzten Track auf dem Album dem Sedel gewidmet. Was bedeutet dieses Konzerthaus für euch?

TRE: Der Sedel ist Teil unserer Identifikation. Wir haben seit knapp 15 Jahren unseren Bandraum hier. Wir haben hier schon zahlreiche Auftritte absolviert und werden vom Team super unterstützt. Es ist schon eine einzigartige Institution. Allein schon die Musikgeschichte, die hier geschrieben wurde. Das spürt man.

Onamaac: Auch die Leute, die man hier kennenlernt, sind super. Jeder hier ist offen für andere Musik. Es treffen verschiedenste Einflüsse aufeinander, die auch für die eigene Musik wichtig sind.

PHA: Und auch die Bands, die hier bereits aufgetreten sind. Die Ärzte haben hier gespielt! PHA sucht vergiftet das Plakat, das den Auftritt der legendären deutschen Punk-Band anpries. Der Track «Muschi Sedel go» entstand wegen der Jahreshitparade, die jährlich stattfindet. Ausser dem 25-jährigen Jubiläum. Es gab damals keine Hitparade, allerdings sollte damals jede Band einen Song dem Sedel widmen. Wir waren anscheinend die einzigen, die das gemacht haben. Lacht.

zentral+: Randale, Graffiti, Justizkonflikte und Party. Ihr wart laut eurer Biografie ziemlich schlimme Jungs. Was ist eure schrägste Story?

TRE: Wir hatte in Basel einen Auftritt auf einem Schiff. Es hatte extrem viele Leute da. Zwischen zwei Songs hatte ich plötzlich das Gefühl, dass ich jetzt den FC Luzern hosten müsse. Obwohl, eigentlich bin ich ja selber Basel-Fan. Ich wollte einfach ein bisschen provozieren. Allerdings kam das nicht so gut an. Ausnahmslos alle verliessen das Schiff. Wir standen dann alleine auf der Bühne und waren mit der Show eigentlich noch gar nicht fertig. Naja, das ging ziemlich in die Hose. Alle lachen.

zentral+: Angeblich wurdet ihr erwachsener. Inwiefern?

Onamaac: Ab und zu ein graues Haar, ständige Rückenbeschwerden und der Kater dauert länger. Lacht.

TRE: Wir sind schon ruhiger geworden. Früher haben wir uns in Sachen Suchtmittel ziemlich ausgelebt. Ich selber habe mittlerweile zwei Kinder.

PHA: Ausgang und Partymachen sagen uns nicht mehr so zu wie früher. Wir leben alle mit der Freundin zusammen.

zentral+: Die 041-Brudi-Generation ist momentan in der Blüte. Wie beobachtet ihr als Alteingesessene die Szene?

Onamaac: 041-was?

PHA: Von uns drei bin ich der Einzige, der das verfolgt. Es ist extrem cool, was die Jungs für Luzern machen. Bei den Jungen ist Luzern in Sachen Hiphop plötzlich ein Begriff, was ich super finde! Dass ein Bligg auf Platz eins landet, überrascht niemanden. Aber dass solcher Rap (Mimiks) die Spitze der Charts erobert, ist nicht selbstverständlich.

TRE: Ich glaube, wir wären besser dran gewesen, wären wir zehn Jahre später mit unserem Rap gekommen. Die Schweiz war damals noch nicht soweit. Das Verständnis der Gesellschaft hat sich mittlerweile weiterentwickelt.

zentral+: Ihr habt mit Rappern zusammen Musik gemacht, deren Namen der heutigen Generation völlig unbekannt sind. Wer ist für euch der wichtigste Luzerner Hiphop-Vorreiter?

PHA: Für meine Generation sind das Tripple F, Laze oder noch eine Generation vorher auch Spooman und Shape. Oder natürlich auch Z-Cut (Lutownstudios). Die haben das aufgegleist.

zentral+: Wen würdet ihr nie an einem eurer Konzerte sehen wollen?

TRE: Wie aus der Pistole geschossen. Mike Shiva. Nein, keine Ahnung. Grundsätzlich ist jeder cool, der an unser Konzert kommt. Ich will da niemanden ausgrenzen.

«Kasperli ist krass. Der ist lyrisch hammerhart und hat schon krass gespittet.»

TRE, Rapper bei «Habashs»

zentral+: Was ist eure schlimmste Musiksünde?

TRE: Ich habe letztens eine CD von Leona Lewis heruntergeladen. Dass das ein Fehler war, habe ich dann schnell gemerkt.

PHA: Ich mache immer wieder schlechte Käufe. Bereits als Zehnjähriger habe ich Rap gehört, aber damals ziemlich Schlechten. Sabrina Setlur oder Bürgerlarsdietrich, um zwei Namen zu nennen.

Onamaac tut sich schwer damit, einen Namen zu nennen. Da hört wohl jemand nur «gute» Musik?!

TRE: Wen ich dafür krass finde, ist Kasperli. Der ist lyrisch hammerhart und hat schon krass gespittet. Ich höre Kasperli mit meinem jüngeren Sohn. Selbst wenn er schon längst eingeschlafen ist, kann ich dann nicht aufhören, zuzuhören. Lacht.

zentral+: Mit dem deutschen Rapper Separate habt ihr ein prominentes Feature auf eurem Album. Mit wem würdet ihr für das nächste Album gern ein Feature machen?

TRE: Mit Roger Federer.

zentral+: Und wenn wir realistisch bleiben?

PHA: Kuno Lauener von Züri West. Der ist ganz grob.

Onamaac: Xavier Naidoo!

zentral+: Wie geht es nun weiter? Müssen eure Fans wieder 15 Jahre auf ein neues Album warten und ihr füttert sie in der Zwischenzeit mit Mixtapes?

Onamaac: Wir versuchen nun Wege zu finden, wie wir die Prozesse optimieren können.

PHA: Genau. Wir haben uns vorgenommen, uns für das nächste Album ein Wochenende lang uns irgendwo zu verschanzen. Irgendwo, wo die Einflüsse von Aussen möglichst klein sind, damit wir schnell vorwärts kommen.

TRE: Ein konkretes Ziel ist schon, dass wir in rund zwei Jahren ein neues Album rausbringen wollen. Wir haben ja jetzt unsere Fanbase. Gearde vorher musste ich einer Frau an einer Tankstelle ein Autogramm geben. Sie hat mich tatsächlich auf einem Poster erkannt! Alle lachen.

PHA: Abschliessend möchte ich sagen, dass wir verdammt stolz und zufrieden auf unsere Platte sind. Die fünf Jahre haben sich alleweil gelohnt.

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